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Geldpolitischer Schwenk : Britische Notenbank muss ihr Konzept nachbessern

Will ihre Zinsstrategie über den Haufen werfen: Die Bank of England. Bild: dpa

In Großbritannien zeichnet sich eine geldpolitische Kursänderung ab. Der Leitzins soll zunächst einmal niedrig bleiben, obwohl die Arbeitslosenquote bald unter den Schwellenwert sinken wird.

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          Die Bank von England muss ihr erst sechs Monate altes geldpolitisches Konzept schon wieder überarbeiten. Dank eines überraschend starken Wirtschaftsaufschwungs ist die Arbeitslosenquote in Großbritannien von 7,8 im August auf 7,1 Prozent im November gefallen, wie in dieser Woche bekannt wurde. Der im Juli 2013 neu als Gouverneur der Bank von England angetretene Kanadier Mark Carney hatte sich dazu verpflichtet, die Leitzinsen erst dann auf eine Erhöhung hin zu prüfen, wenn die Arbeitslosenquote auf weniger als 7 Prozent gefallen ist. Carney hatte sich im August mit diesem neuartigen Konzept bewusst gebunden, um den Anlegern noch lange niedrige Leitzinsen von 0,5 Prozent in Aussicht zu stellen („Forward Guidance“).

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Vor sechs Monaten hatte die Bank von England mit einen Rückgang der Arbeitslosenquote in Großbritannien auf weniger als 7 Prozent nicht vor dem dritten Quartal 2016 gerechnet. Nun erwarten Analysten, dass die Arbeitslosigkeit in Europas drittgrößter Volkswirtschaft schon in diesem Sommer unter den Schwellenwert sinkt. Carney hat deutlich gemacht, dass er dennoch am niedrigen Leitzins noch eine ganze Weile festhalten will. Er hat deshalb angekündigt, bis Februar ein überarbeitetes Konzept der „Forward Guidance“ vorzulegen. Er halte nichts mehr davon, den Leitzins nur an einen Indikator wie die Arbeitslosenquote zu binden, sagte Carney dem Fernsehsender BBC. „Es geht um die Gesamtlage am Arbeitsmarkt und um den gesamten Auslastungsgrad der Firmen“, deutete Carney die Richtung seiner Überlegungen an.

          In dem am Mittwoch von der Bank von England veröffentlichten Protokoll ihrer jüngsten Sitzung heißt es, überraschend viele Langzeitarbeitslose suchten auf der Insel keine Arbeit mehr. Die strukturelle Arbeitslosigkeit in Großbritannien könne daher in einem Aufschwung stärker zurück gehen als gedacht. Damit blieben der Druck auf die Löhne und die Inflationsgefahren gering. Allerdings erscheint der Immobilienmarkt überhitzt. Die britischen Banken haben im Dezember so viele neue Immobilienkredite vergeben wie seit Beginn der globalen Finanzkrise nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sei die Zahl der Häuser-Darlehen um 42 Prozent auf 46521 gestiegen, teilte der britische Bankenverband (BBA) am Freitag mit. Dies sei der höchste Monatswert seit September 2007.

          Damit einher gingen am Freitag Forderungen an die Bank von England, den Leitzins schnell zu erhöhen, um die Kreditvergabe zu dämpfen. Im November waren die Häuserpreise in Großbritannien auf den höchsten Stand seit Juni 2002 gestiegen. Allein im Jahr 2013 haben sie um rund 8 Prozent zugelegt. Allerdings ist die Inflation insgesamt auf fast 2 Prozent zurück gegangen, dem Zielwert der Bank von England. Carney stoppte daher zwar ein Förderprogramm der Bank von England für Häuserkredite, lehnt aber allein wegen der höheren Preise am Immobilienmarktes höhere Leitzinsen ab. Vielmehr wiederholte er die Bindung des Leitzinses an die Arbeitslosenquote.

          Die meisten Analysten und Anleger aber hielten von Anfang an Carneys Konzept der „Forward Guidance“ für wenig glaubwürdig. Die wenigsten glaubten im August an unverändert niedrige Leitzinsen in Großbritannien bis ins Jahr 2016. Die Zinsen für britische Staatsanleihen sind bis Dezember von 2,3 auf 3,1 Prozent gestiegen. Inzwischen ist die Rendite geringfügig auf 2,8 Prozent gefallen.

          Der britische Schatzkanzler George Osborne verteidigte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die britische Geldpolitik. „Ich weise entschieden den Eindruck zurück, dass die Politik der „Forward Guidance“ ein Fehlschlag sei, sagte Osborne auf einer Veranstaltung des amerikanischen Fernsehsenders CNBC. Die Geldpolitik der unabhängigen Bank of England sei erfolgreich, da sie zu einer Erholung der Wirtschaft beitrage. Man dürfe das Konzept der „Forward Guidance“ nicht so verstehen, dass die Notenbank beim Erreichen einer Arbeitslosenquote von 7 Prozent automatisch ihren Leitzins erhöhen müsse. Der aktuelle Aufschwung der britischen Wirtschaft beruhe vor allem auf dem Konsum; er benötige eine Festigung durch eine Zunahme der Investitionen und der Exporte.

          Der Schatzkanzler sagte, das größte Risiko für die britische Wirtschaft sei wegen der engen Handelsverflechtungen derzeit eine ausbleibende Konjunkturerholung auf dem europäischen Kontinent. Osborne lieferte sich mit Verweis auf die anziehende britische Konjunktur zudem einen Schlagabtausch mit dem amerikanischen Ökonomen Larry Summers, der in der Vergangenheit die Austeritätspolitik der Regierung in London scharf kritisierte hatte.

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