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Geldpolitik in Europa : „EZB soll Anleihekäufe bremsen“

Der Wirtschaftsweise Volker Wieland ist Professor an der Goethe-Universität in Frankfurt. Bild: Wolfgang Eilmes

Wieder steht die Europäische Zentralbank wohl kurz davor, ihre Geldpolitik zu lockern. Der Wirtschaftsweise Volker Wieland warnt und empfiehlt das Gegenteil.

          Kurz vor der mit Spannung erwarteten Ratssitzung der Europäischen Zentralbank an diesem Donnerstag hat der deutsche Wirtschaftsweise Volker Wieland der EZB empfohlen, ihre Geldpolitik nicht abermals zu lockern. „Die EZB sollte die Anleihekäufe nicht ausweiten“, forderte Wieland gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Sie sollte stattdessen eher darüber beraten, das Programm zu begrenzen oder früher als geplant auslaufen zu lassen“, sagte der Geldpolitik-Professor an der Universität Frankfurt, der Mitglied im Sachverständigenrat ist.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Der Rat der fünf „Wirtschaftsweisen“ hatte in seinem jüngsten Jahresgutachten die EZB vor einer weiteren Verschärfung ihres expansiven geldpolitischen Kurses gewarnt. Die Anleihekäufe sollten gebremst werden. Es drohten sonst wegen der Niedrigzinsen Gefahren für die Finanzstabilität. Ratsmitglied Peter Bofinger jedoch vertrat im Gutachten mit Blick auf das Inflationsziel der EZB von mittelfristig zwei Prozent eine andere Position als die vier anderen Ökonomen.

          Der EZB-Rat wird nach Ansicht vieler Beobachter am Donnerstag eine geldpolitische Lockerung beschließen, auch wenn die Deutsche Bundesbank, die eine von 25 Stimmen im EZB-Rat hat, sowie einige weitere Ratsmitglieder dagegen votieren. Erwartet wird, dass die EZB das Anleihekaufprogramm von bisher monatlich 60 Milliarden Euro erhöht oder verlängert und zugleich den Einlagenzins von derzeit minus 0,2 Prozent weiter senkt.

          Begründet wird die Lockerung von ihren Befürwortern mit der niedrigen Inflationsrate. Diese könnte nach Schätzung von Bankökonomen im November leicht auf 0,2 Prozent gestiegen sein. Wieland verweist aber auf die Kernrate der Inflation. „Die Kernrate, gemessen am BIP-Deflator, liegt bei gut einem Prozent und steigt“, sagte er. Die Gesamtrate werde durch die billigen Energiepreise verzerrt.

          Der Chefvolkswirt der staatlichen KfW-Bank, Jörg Zeuner, rief die EZB dazu auf, am Donnerstag nur einen „maßvollen Schritt“ zu gehen. Andrew Bosomworth, Mitglied der Geschäftsführung des Anleiheinvestors Pimco, rief dagegen zu einem sehr kräftigen Stimulus auf. Die EZB solle „glaubwürdig versichern, unverantwortlich zu handeln“, und mit einer sehr starken Ausweitung der Anleihekäufe die Inflationserwartungen „schockartig nach oben“ ziehen.

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