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Geldpolitik : EZB stellt Leitzinserhöhung für Juli in Aussicht

  • Aktualisiert am

Jean-Claude Trichet Bild: dapd

Die Preise in der Eurozone werden in diesem Jahr wohl deutlich stärker steigen als bislang angenommen. Die EZB will mit einer Leitzins-Erhöhung im Juli dagegenhalten.

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          Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat die Euro-Zone auf eine mögliche Leitzins-Erhöhung im Juli eingestimmt. In Bezug auf die Inflation in der Währungsgemeinschaft sei „höchste Wachsamkeit“ geboten, sagte Trichet am Donnerstag in Frankfurt am Main. Diese Formulierung gilt als Signalwort für eine bevorstehende Erhöhung des Leitzinses.

          Anfang April hatte die EZB zum ersten Mal seit fast zwei Jahren ihren Leitzins erhöht und damit die Zinswende eingeleitet (siehe Leitzins auf 1,25 Prozent: EZB startet Zinswende). Nun soll der Leitzins wohl im Juli erhöht werden, im Juni bleibt der Zinssatz noch unverändert bei 1,25 Prozent.

          Die Teuerungsrate in der Euro-Zone liegt seit Dezember über der Marke von zwei Prozent, die von der Notenbank toleriert wird. Im Mai lag die Inflation im Euro-Raum bei 2,7 Prozent, nach 2,8 Prozent im April. Es sei von „überragender Wichtigkeit“ sicherzustellen, dass der Inflationsanstieg nicht zu Zweitrundeneffekten bei der Preisgestaltung und den Löhnen und damit zu „breitem Inflationsdruck“ führe, sagte Trichet. Die hohe Teuerungsrate rühre vor allem von hohen Energie- und Rohstoffpreisen.

          Überlebenshilfe für Problem-Banken bleibt

          Den Geschäftsbanken will die EZB aber auch in den kommenden Monaten unbegrenzt Geld leihen. Sowohl im wöchentlichen Hauptrefinanzierungsgeschäft als auch bei speziellen Refinanzierungsgeschäften werde die Vollzuteilung beibehalten, sagte Trichet. Damit können sich die Banken wie auch bisher unbegrenzt mit Liquidität bei der Notenbank versorgen. Diese Maßnahme hatte die EZB bereits in der Finanzkrise ergriffen. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Oktober 2008 hatte die EZB ihre bis dahin praktizierte Praxis der Versteigerung beendet und die Geldwünsche der Banken in vollem Umfang erfüllt. Viele Experten hatten erwartet, dass die EZB früher zur alten Praxis zurückkehren wird. Die Verlängerung der Krisenmaßnahmen gilt laut Trichet mindestens bis Oktober 2011. Das wöchentliche Refinanzierungsgeschäft wird demnach wie bisher auch zum Leitzins durchgeführt. Bei den Geschäften mit monatlicher und dreimonatiger Laufzeit bemisst sich der Zins am Durchschnitt der Zinssätze der entsprechenden Hauptrefinanzierungsgeschäfte.

          Ziel der Währungshüter ist es, die Teuerungsrate mittelfristig knapp unter zwei Prozent zu halten. Der EZB-Präsident räumte am Donnerstag jedoch ein, dass auch in den kommenden Monaten die Inflationsrate vermutlich weiter über dieser Marke liegen werde.

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