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Geldpolitik : EZB bietet eine Billion Euro

EZB-Präsident Mario Draghi Bild: dpa

Die EZB hat das Geld so billig gemacht wie nie. Mit hohen Langfristkrediten will die Zentralbank den Geschäftsbanken helfen.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) wird den Banken bis zu einer Billion Euro mit Geldspritzen in den kommenden zwei Jahren leihen. Damit ist das Volumen der Langfristkredite mit dem technischen Namen TLTRO größer als bisher bekannt. Die EZB hatte zuvor von einer Summe von bis zu 400 Milliarden Euro im September und Dezember gesprochen. Dieses Geld werden die Banken für bis zu vier Jahren zu einem Festzins von 0,25 Prozent erhalten. „Auch wenn die Konditionen kompliziert sind, sie sind ziemlich attraktiv“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag nach der Ratssitzung in Frankfurt. Er bekräftigte, das frische Geld solle dazu dienen, die Kreditvergabe an die Realwirtschaft anzukurbeln. Zusammen mit dem rekordniedrigen Leitzins von 0,15 Prozent wolle die EZB so die Inflationsrate auf 2 Prozent steigern. Im Juni lag sie bei nur 0,5 Prozent. Die Risiken für den Inflationsausblick seien aber „ausgewogen“, sagte Draghi.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Die Banken können sich das frische Geld in mehreren Wellen leihen, angefangen in diesem Herbst. Dabei deckelt die EZB die Finanzierung mit Blick auf die Kreditvergabe der Banken. Wenn sie eine bestimmte Richtgröße nicht erreichen, müssen sie das Geld nach zwei Jahren, im September 2016, zurückzahlen. Banken, deren Kreditgeschäft bislang geschrumpft ist, müssen den Trend verbessern, allerdings darf ihr Kreditgeschäft für ein Jahr noch eine negative Rate ausweisen. Alle anderen Banken müssen die Ausleihungen steigern. Analysten zeigten sich skeptisch, ob das neue „zielgerichtete“ Instrument der EZB tatsächlich funktionieren werde. „Es bleibt weiterhin fraglich, ob damit wirklich eine Erhöhung der Kreditvergabe in Südeuropa erreicht werden kann“, sagte Jan Holthusen von der DZ Bank.

          Draghi bekräftigte, dass die Zentralbank die Leitzinsen für eine „ausgedehnte Zeitspanne“ sehr niedrig lassen werde. Außerdem sei der Rat einstimmig dafür, weitere unkonventionelle Maßnahmen zu ergreifen, wenn der mittelfristige Inflationsausblick schlechter werde als bislang gedacht. Auch breite Anleihekäufe – eine sogenannte Quantitative Lockerung – seien dann denkbar, wiederholte Draghi. Analysten sehen eine solche einschneidende Maßnahme aber für die nähere Zukunft als eher unwahrscheinlich an. Angesprochen auf die Kritik der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), dass die Geldpolitik zu expansiv sei und möglicherweise die schädlichen Nebenwirkungen den Nutzen überstiegen, wiegelte Draghi ab. Die EZB beachte ihr Mandat und habe Risiken für die Finanzstabilität im Auge.

          Vom nächsten Jahr an wird sich der EZB-Rat nur noch alle sechs Wochen statt monatlich zu geldpolitischen Sitzungen treffen, kündigte Draghi an. Dies war schon früher spekuliert worden (F.A.Z. vom 21. Mai). Draghi sagte, monatliche Treffen schüfen im Markt zu hohe Erwartungen, dass die Zentralbank jedes Mal handeln werde. Außerdem sei bei Treffen alle sechs Wochen die Vorbereitung von Protokollen leichter machbar. Die EZB werde ab 2015 Protokolle ihrer Ratssitzungen veröffentlichen. Wie detailliert berichtet werde, sei aber noch nicht klar.

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