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Geldpolitik : Europäische Zentralbank senkt Leitzins auf Rekordtief

  • Aktualisiert am

EZB-Präsident Mario Draghi überrascht die Märkte Bild: AFP

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins im Euroraum überraschend auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gesenkt. EZB-Präsident Draghi erwartet eine längere Periode niedrigerer Inflation. Nach dem Zinsentscheid stürzte der Euro um mehr als ein Prozent ab. Die Börsen jubelten zunächst, büßten später aber einen Teil des vorherigen Gewinns wieder ein.

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          Die Europäische Zentralbank (EZB) senkt ihren Leitzins überraschend auf das Rekordtief von 0,25 Prozent. Das teilte die Notenbank am Donnerstag nach einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt mit.

          Der EZB-Rat gehe davon aus, dass die Zinsen im Euroraum für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter liegen werden, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt in der Pressekonferenz. Die Notenbank erwarte eine „längere Phase niedriger Inflation“, erklärte Draghi.

          Die EZB reagiert damit auf den jüngsten Rückgang der Teuerung in den 17 Euro-Ländern. Die Inflationsrate war im Oktober auf 0,7 Prozent gefallen und lag damit deutlich unter der EZB-Zielmarke. Die EZB spricht von stabilen Preisen bei knapp unter zwei Prozent.

          EZB hält an „Forward Guidance“ fest

          Außerdem bekräftigte die EZB ihr Billiggeldversprechen („Forward Guidance“). Der Rat der Notenbanker gehe davon aus, dass die Zinsen im Euroraum für einen längeren Zeitraum auf dem aktuellen Niveau oder darunter liegen werden, sagte Draghi.

          Der Satz für das Übernachtgeld wurde ebenfalls um 25 Basispunkte auf 0,75 Prozent gesenkt, während der Einlagenzins bei 0 Prozent blieb. Damit wird es für Banken günstiger, sich Geld zu besorgen, was wiederum die Kreditvergabe an die Unternehmen beleben soll.

          In den europäischen Sorgenländern waren die Rufe nach niedrigeren Zinsen wieder lauter geworden. Am Dienstagabend hatte der italienische Wirtschafts- und Finanzminister Fabrizio Saccomanni von den Notenbankern verlangt, mehr im Kampf für Wachstum und gegen die extreme Jugendarbeitslosigkeit zu tun. Der französische Industrieminister Arnaud Montebourg wollte den zuletzt stark aufwertenden Euro schwächen, wofür ein Zinsschritt eine Möglichkeit wäre. Ein niedrigerer Eurokurs würde den Exporteuren das Leben leichter machen.

          Die EZB hat den Leitzins auf 0,25 Prozent gesenkt
          Die EZB hat den Leitzins auf 0,25 Prozent gesenkt : Bild: F.A.Z.

          Euro stürzt ab, Südeuropas Börsen jubeln

          Der Euro fiel nach der Zinsentscheidung knapp von über 1,35 auf 1,3380 Dollar. Damit war er so billig wie zuletzt Mitte September. Durch die Zinssenkung werden die Zinsen für künftige Anleihen der Euro-Staaten voraussichtlich fallen. Dies trieb die Nachfrage nach den bereits ausgegebenen Papieren der in die Höhe. Der Bund-Future, der auf der zehnjährigen Bundesanleihe basiert, stieg um 64 Ticks auf 141,79 Punkte. Sein italienisches Pendant markierte mit 115,68 Zählern sogar ein Sechs-Monats-Hoch.

          Der Dax stieg zunächst kräftig an, büßte später aber einen Teil des Gewinns wieder ein.

          Am Finanzmarkt hatten zuletzt manche Investoren auf diesen Schritt spekuliert. Zwar hatte nur eine kleine Minderheit der EZB-Kenner damit gerechnet, trotzdem hielt sich im Vorfeld eine hartnäckige Restunsicherheit, ob EZB-Präsident Draghi die Märkte nicht doch überraschen würde.

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