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Geldpolitik : Die Fed überschwemmt Amerika mit frischem Geld

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Wenn der geldpolitische Rat der amerikanischen Notenbank an diesem Mittwoch seine Entscheidung zur Geldpolitik trifft, geht es ausnahmsweise nicht um den Leitzins. Denn der ist quasi auf Null. Vielmehr geht es nun um die Frage: Soll die Fed Staatsanleihen kaufen und damit noch mehr Geld in den Markt geben?

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          Wenn der geldpolitische Rat der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) an diesem Mittwoch seine Entscheidung zur Geldpolitik trifft, dann geht es ausnahmsweise einmal nicht um das Niveau des Leitzinses: Der Zielzinssatz für Tagesgeld liegt seit Mitte Dezember zwischen 0 und 0,25 Prozent, niedriger geht es nicht.

          Zu entscheiden haben die Notenbanker um ihren Vorsitzenden Ben Bernanke vor allem darüber, ob sie zur Stabilisierung des Finanzsystems und der Wirtschaft insgesamt künftig auch amerikanische Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten kaufen wollen. Auf der vergangenen Sitzung im Januar hatte der Rat dies grundsätzlich in Aussicht gestellt. Ein solcher Schritt werde unternommen, sofern davon eine deutliche Verbesserung der Lage auf den Kreditmärkten zu erwarten sei, heißt es in der schriftlichen Begründung zur Entscheidung. Allerdings hat sich der neue Präsident der Fed von New York, William Dudley, vor einigen Tagen skeptisch geäußert, dass der Kauf dieser Anleihen derzeit sinnvoll sei.

          Hunderte Milliarden neues Geld

          In jedem Fall würde der direkte Erwerb von Anleihen des amerikanischen Schatzamtes nur jene Strategie ergänzen und erweitern, die die Fed nun schon seit Monaten verfolgt: Hunderte von Milliarden Dollar frischen Geldes in den Wirtschaftskreislauf zu pumpen und dafür von Geschäftsbanken und anderen Finanzmarktakteuren verschiedenste Wertpapiere als Sicherheit zu akzeptieren. In der öffentlichen Diskussion wird das Vorgehen vielfach als „quantitative Lockerung“ der Geldpolitik bezeichnet, was Bernanke selbst aber für nicht ganz zutreffend hält.

          Ben Bernanke: Mit den Zinsen runtergehen kann seine Fed nun kaum noch. Was ist der nächste Schritt?
          Ben Bernanke: Mit den Zinsen runtergehen kann seine Fed nun kaum noch. Was ist der nächste Schritt? : Bild: REUTERS

          Der Ansatz der Fed gleiche zwar der von der Bank von Japan zwischen 2001 und 2006 verfolgten Strategie in der Weise, dass sich die Bilanz der Notenbank erheblich verlängere, sagt Bernanke. Auf der Aktivseite kämen die hereingenommenen Wertpapiere hinzu, auf der Passivseite wüchsen die Reserven der Geschäftsbanken. Im Gegensatz zur japanischen Zentralbank aber konzentriere sich die Fed nicht auf die Erhöhung der Bankreserven, sondern auf die Zusammensetzung der Aktivseite ihrer Bilanz und darauf, wie die dort verbuchten Kreditforderungen und Wertpapiere auf die Kreditvergabebedingungen für Haushalte und Unternehmen wirkten. Bernanke selbst spricht darum deshalb in diesem Zusammenhang von „Kreditlockerung“. Auch die Bank von England hat einen solchen Kurs vor einigen Tagen offiziell eingeschlagen, nennt ihn allerdings tatsächlich „quantitative Lockerung“.

          Entspannung am Geldmarkt

          Die verschiedenen Fed-Maßnahmen - ihre Bereitstellung zusätzlicher kurzfristiger Liquidität an Banken, direkte Darlehen an Investoren auf Kreditmärkten und die Käufe langfristiger Anleihen von den im vergangenen September verstaatlichten Immobilienfinanzierern Freddie Mac und Fannie Mae - haben nach Einschätzung Bernankes und auch von Bankvolkswirten an Wall Street durchaus Erfolg gebracht. Die Spannungen auf den Geldmärkten haben seit Herbst deutlich abgenommen, der Interbankenzins (London Interbank Offered Rate, Libor) ist gesunken, und auch die Finanzierungsbedingungen für viele Unternehmen haben sich verbessert.

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