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Geldpolitik : Die EZB lockert die Sicherheitsregeln für Kreditpfänder

Bild: F.A.Z.

Banken können künftig auch schlechter bewertete Kreditbündel mit geringerer Bonität bei der Zentralbank hinterlegen, um sich frisches Geld zu besorgen.

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          Nach eigener Angabe hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Risikokontrolle „weiter gestärkt“ - manche Beobachter sehen indes das genaue Gegenteil. Die EZB hat die Liste und die Konditionen für Wertpapiere, die Banken als Pfand einreichen können, überarbeitet. Wie die Zentralbank am Donnerstag nach der Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt mitteilte, wird sie künftig an einer wichtigen Stelle den Sicherheitenrahmen lockern: Für die umstrittenen Kreditverbriefungen (Asset Backed Securities, ABS) fordert sie künftig nur noch ein A-Rating von zwei Agenturen statt wie bisher mindestens zwei AAA-Ratings.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Das bedeutet, dass Banken auch schlechter bewertete Kreditbündel mit geringerer Bonität bei der Zentralbank hinterlegen können, um sich frisches Geld zu besorgen. Zudem akzeptiert die EZB künftig auch mittlere Kredittranchen (Mezzanine). Außerdem werden die ABS-Papiere mit einem geringeren Abschlag als Sicherheit angenommen. Die Banken erhalten also für das Pfand mehr EZB-Kredit.

           Indirekt zielt die EZB mit den Verbriefungen darauf, Südeuropas Kreditklemme zu lindern

          Auf der anderen Seite wird die EZB restriktiver, was einbehaltene Covered Bonds angeht. Dies sind Anleihen, die mit Staatsanleihen und Hypothekenkrediten unterlegt sind. In Deutschland hat der traditionelle Pfandbrief hohe Qualität, in anderen Ländern ist die Qualität oft weniger hoch. Vermehrt werden Covered Bonds von Banken nicht am Markt plaziert, sondern selbst behalten, um sie zur EZB-Refinanzierung zu benutzen. Dadurch werden auch Risiken verschleiert. Die etwas schärferen Covered-Bonds-Regeln mit höheren Abschlägen sollen das nun einschränken. „Diese Maßnahmen zusammen haben einen insgesamt neutralen Effekt auf die Menge an verfügbaren Sicherheiten“, schrieb die Zentralbank.

          In den vergangenen Monaten wurde vielfach die schwache Kreditvergabe in den südeuropäischen Krisenländern beklagt. Zum Teil liegt dies an der schwachen Kreditnachfrage in der Rezession, zum Teil auch an einer Verknappung des Angebots. Seit Monaten gibt es an den Märkten die Erwartung, dass die EZB tätig werde, indem sie Verbriefungen von Mittelstandskrediten leichter als Sicherheiten akzeptiert. In diese Richtung gehen nun die Beschlüsse des EZB-Rates. Aus Notenbankkreisen wurde am Donnerstag betont, indem die EZB Kreditverbriefungen ermuntere, unterstütze sie die Kreditvergabe. Mit Blick auf die schwache Kreditdynamik wurde an das alte Ökonomen-Sprichwort erinnert: „Man kann die Pferde nicht zum Saufen zwingen.“ Hinzugefügt wurde: „Aber man kann zumindest das Wasser mehr in die Nähe der Pferde bringen.“

          Kaufen, kaufen: Auch die EZB ist an den Märkten aktiv.
          Kaufen, kaufen: Auch die EZB ist an den Märkten aktiv. : Bild: Wohlfahrt, Rainer

          Die geringeren Abschläge auf ABS-Papiere könnten den Rahmen der verfügbaren Pfänder um etwa 20Milliarden Euro ausweiten, lautete eine Schätzung. Die Gesamtsumme der bei der EZB hinterlegten Sicherheiten beträgt 2,5Billionen Euro. Die Ausweitung durch lockerere ABS-Regeln erweiterte den Rahmen somit nur um rund 1Prozent. Durch die etwas eingeschränkte Annahme von Covered Bonds werde dies aber aufgewogen. Der Effekt sei insgesamt „weitgehend neutral“. Weiter hieß es, ABS-Papiere seien nicht zwingend riskanter. Das stimme zwar für amerikanische ABS-Konstruktionen, die in der Finanzkrise in Verruf geraten sind, weil damit Risiken verschleiert wurden, indem Kredite verpackt und weiterverkauft wurden. Europäische ABS-Papiere hätten hingegen ein geringeres Ausfallrisiko, wenn sie einfach und durchschaubar seien. Undurchsichtige, mehrfache Verbriefungsstrukturen dürfe es nicht geben. Ziel der neuen Regeln sei es, einfache Verbriefungen anzuregen.

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