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Geldpolitik : China überrascht mit Leitzinserhöhung

  • -Aktualisiert am

Über die Gründe der Zinserhöhung gab sich der chinesische Notenbankgouverneur Zhou Xiaochuan wortkarg Bild: REUTERS

Der chinesische Zinsschritt reicht nach Angaben von Volkswirten nicht: Eine Volkswirtschaft, die so rasant wächst, brauche noch weitere Erhöhungen, um inflationäre Tendenzen zu bremsen. Auch darin unterscheidet sich China von Amerika.

          Die chinesische Notenbank hat zum ersten Mal seit 2007 die Leitzinsen erhöht. Der Zins für Ausleihungen an die Banken steigt um 0,25 Punkte und liegt von diesem Mittwoch an bei 5,56 Prozent. Der Zins für Einlagen der Banken bei der Zentralbank erhöhe sich um 0,25 Punkte auf 2,5 Prozent, teilte die People's Bank of China am Dienstag in Peking mit, ohne weitere Erklärungen zu geben.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der Zinsschritt löste auf den Kapitalmärkten größere Kursbewegungen aus. Der Dollar verteuerte sich im Vergleich zu den meisten anderen Währungen. Am Nachmittag wurde der Euro mit 1,38 Dollar gehandelt, zwei amerikanische Cent niedriger als beim Tageshoch. Außerdem gerieten Aktien, Gold und Rohstoffe unter Verkaufsdruck. Es werde damit gerechnet, dass die Zinserhöhung Chinas Wachstum bremsen könne, berichteten Händler.

          „Chinas Zinsschritt ist ein Zeichen der Stärke“, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Die Notenbank mache bei der extrem lockeren Geldpolitik Amerikas nicht mit. Offenbar halte sie den Aufschwung der eigenen Wirtschaft für so stabil, dass eine Zinserhöhung ihn nicht gefährden könne. Die Entscheidung der Zentralbank folge der Notwendigkeit, der Wirtschaft etwas Wind aus den Segeln zu nehmen, sagte Simon Derrick von der Bank of New York. Fachleute erwarten weitere Zinserhöhungen. „Die Zinsen sind zu niedrig für eine Volkswirtschaft, die um rund 10 Prozent wächst“, hieß es bei Nomura. Das Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal um 10,3 Prozent gewachsen. Für das dritte Quartal wird ein Plus von 9,5 Prozent erwartet. Die Inflationsrate lag zuletzt bei 3,5 Prozent mit steigender Tendenz. Die Zinserhöhung solle außerdem die Spekulationsblase auf den Immobilienmärkten dämpfen, vermuten Analysten der Citigroup.

          „Kein Land kann durch Abwertungen zu Wohlstand gelangen“

          Der höhere Leitzins dürfte zusätzliches Kapital nach China locken, zumal ein höherer Kurs des Renminbi (Yuan) zum Dollar nur in winzigen Schritten zugelassen wird. Wegen der Kapitalverkehrskontrollen wird der Zufluss zwar begrenzt. Wer zum Beispiel Dollar in Yuan tauschen will, muss nachweisen, dass dem ein Geschäft in der Güterwirtschaft zugrunde liegt. Der Anreiz wachse aber, aus spekulativen Gründen die Regeln zu umgehen, sagt Commerzbank-Ökonom Krämer. „Es wird, wenn auch in begrenztem Umfang, heißes Kapital angelockt.“ China werde deshalb noch mehr Dollar aufkaufen müssen, um den Außenwert des Renminbi nicht steigen zu lassen. Am Vortag hatte der Wirtschaftsforscher Xia Bin, ein Berater der chinesischen Notenbank, schärfere Kapitalkontrollen gefordert.

          Ähnliches kündigte auch die Notenbank von Katar in einem Bericht über die Finanzstabilität an. Das Land müsse sich vor Spekulanten schützen. Aufgrund des großen Zinsunterschieds zwischen Industriestaaten und dem Emirat seien Kapitalzuflüsse zu erwarten, die zu Schwierigkeiten bei der Liquiditätssteuerung und für die Banken führen könnten. Brasilien ist schon weiter: Das Land hat ebenfalls mit den Folgen der lockeren amerikanischen Geldpolitik zu kämpfen, nachdem die Fed neue Käufe von Staatsanleihen in Aussicht gestellt hat. Nun hat Brasilien seine Kapitalverkehrskontrollen verschärft. Seit Dienstag ist die Steuer auf ausländische Anlagen in brasilianischen Zinstiteln von 4 auf 6 Prozent erhöht. Die Abgaben auf Kapitalzuflüsse nach Brasilien, die als Sicherheit für Termingeschäfte genutzt werden, steigt von 0,38 auf 6 Prozent.

          Unterdessen hat der amerikanische Finanzminister Timothy Geithner versichert, dass die Vereinigten Staaten nicht an einem schwachen Dollar interessiert seien. „Die Vereinigten Staaten und kein Land auf der Welt können durch Abwertungen auf den Weg zu Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit gelangen“, sagte Geithner auf einer Diskussionsveranstaltung. „Diese Strategie ist nicht praktikabel und wir werden uns daran nicht beteiligen.“ Zum ersten Mal seit Februar sprach Geithner sich zugleich öffentlich für einen starken Dollar aus. Die Vereinigten Staaten müssten hart daran arbeiten, um das Vertrauen in den starken Dollar zu erhalten, sagte der Finanzminister.

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