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Geldpolitik : Britische Notenbank verspricht auf Jahre Mini-Zinsen

  • Aktualisiert am

Englische Notenbank in London Bild: dpa

Die britische Notenbank hat erstmals den Ausblick für ihren Leitzins mit der Arbeitslosigkeit verknüpft. Man wolle den Leitzins erst anheben, wenn die Arbeitslosenquote unter die Schwelle von sieben Prozent gefallen sei.

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          Der neue Chef führt die altehrwürdige Bank von England auf neues Terrain: Als dritte große Zentralbank der Welt lassen sich nun auch die Briten in die Karten schauen und legen sich langfristig auf eine extrem
          lockere Geldpolitik fest. Wie die amerikanische Notenbank Fed knüpfen die Währungshüter in London um Mark Carney ihre Zinspolitik ab sofort
          an die Entwicklung am Arbeitsmarkt.

          Die Zinsen blieben mindestens so lange auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent, bis die Arbeitslosenquote auf sieben Prozent falle, hieß es am Mittwoch im vierteljährlichen Inflationsausblick. Ziel sei es, die konjunkturelle Erholung abzusichern, so Carney. Doch zugleich behält sich der erste Ausländer an der Spitze der britischen Notenbank ein Hintertürchen offen. Wenn die Inflationserwartungen außer Kontrolle geraten oder die Finanzstabilität gefährdet ist, könnte die Bank von England auch früher einschreiten.

          An der Londoner Börse drehte der Standardwerte-Index ins Minus und verlor knapp ein Prozent, das Pfund Sterling machte seine anfänglichen Verluste wieder wett. Börsianer zeigten sich enttäuscht darüber, dass weitere Maßnahmen zur Konjunkturstützung offenbar derzeit kein Thema sind. Zuletzt hatten sich die Aussichten für die britische Wirtschaft aufgehellt. Die Industrieproduktion stieg überraschend stark, die Einzelhändler haben mehr in den Kassen, die Dienstleister meldeten sogar das stärkste Wachstum seit sechs Jahren.

          Für das dritte Quartal sagt die Bank von England ein Wachstum von 0,6 Prozent voraus. Dennoch liege die Wirtschaftsleistung immer noch um drei Prozent unter dem Wert, der vor der Finanzkrise erreicht worden sei, schrieben die Notenbanker. Die Erholung ist damit deutlich schwächer als in den Vereinigten Staaten oder Deutschland.

          Besserung am Arbeitsmarkt wohl erst 2016

          Die Lage am Arbeitsmarkt dürfte sich zudem nur langsam verbessern. Erst für das dritte Quartal 2016 sagen die Währungshüter eine Arbeitslosenquote von 7,1 Prozent voraus - derzeit sind es noch 7,8 Prozent. „Es sieht so aus, als ob die Zinsen in Großbritannien in den nächsten drei Jahren nicht steigen“, sagte Mark Ostwald vom Wertpapierhändler Moment Securities. Am Markt wird mit einer Zinserhöhung ab Ende 2015 gerechnet.

          Mark Carney
          Mark Carney : Bild: dpa

          Zugleich habe Carney aber betont, die Währungshüter legten sich nicht fest, so Ostwald. „Deswegen ist dieser Ausblick auf die Geldpolitik irgendwo auch wertlos, ähnlich wie bei der EZB.“ EZB-Chef Mario Draghi spricht lediglich von einem „längeren Zeitraum“ eines niedrigen Leitzinses. Wie lange dieser dauert, ist offen.

          Carney erklärte, der neue Zinsausblick sei nur eine Klarstellung der bisherigen Position und kein weiteres Werkzeug im Kampf gegen die Wirtschaftsflaute. In den Vereinigten Staaten, wo die Zinsen noch niedriger bei nahe null Prozent liegen, wirkt das Bekenntnis zu niedrigen Zinsen psychologisch wie eine weitere Zinssenkung. Bereits 2009 betrat die Fed diesen Weg, die EZB folgte erst kürzlich im Juli. Carney selbst hat Erfahrung mit dieser Strategie. Als Chef der kanadischen Notenbank gelang es ihm 2009 zur Stabilisierung der Wirtschaft beizutragen. Genau deswegen ist Großbritanniens Finanzminister George Osborne auf ihn aufmerksam geworden und hat ihn an die Themse geholt. Osborne setzt angesichts des strikten Sparkurses der Regierung auf Unterstützung der Notenbank, um die Wirtschaft in Schwung zu bringen.

          Fachleute kritisierten die Abkehr der Notenbank vom alleinigen Ziel der Preisstabilität. „Das ist die gefährlichste Entwicklung in der Geldpolitik in Großbritannien seit langem“, sagte Philip Booth vom Institute of Economic Affairs. Sie könnte die Unabhängigkeit der Währungshüter gefährden. Die Lage am Arbeitsmarkt hänge von einer Vielzahl von Faktoren ab. „Zu versuchen, mit geldpolitischen Maßnahmen die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, wenn die Inflation ohnehin über dem Zielwert liegt, ist ein Spiel mit dem Feuer und könnte uns auf den Weg führen, den wir in den 1970er Jahren gegangen sind.“ Hohe Inflationsraten infolge des Ölpreisschocks bei hoher Arbeitslosigkeit hatten damals die Wirtschaft schwer belastet.

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