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Geldpolitik : Bernanke kündigt deutliche Zinssenkung an

  • -Aktualisiert am

Währungshüter warnt vor Konjunkturrisiken Bild: picture-alliance/ dpa

Die amerikanische Notenbank (Fed) wird aus Besorgnis um die Konjunktur wohl schon bald die Geldpolitik weiter lockern und den Leitzins deutlich senken. Das hat der Vorsitzende des geldpolitischen Rates der Fed, Ben Bernanke, angekündigt.

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          Die amerikanische Notenbank (Fed) wird aus Besorgnis um die Konjunktur wohl schon bald die Geldpolitik weiter lockern und den Leitzins deutlich senken. Das hat der Vorsitzende des geldpolitischen Rates der Fed, Ben Bernanke, angekündigt. In einer Rede in Washington verwies der oberste amerikanische Währungshüter darauf, dass die Wachstumsrisiken in den vergangenen Wochen spürbar gestiegen seien. Die Fed stehe bereit, die Leitzinsen "substantiell" zu verringern, um das Wirtschaftswachstum besser zu unterstützen, sagte Bernanke.

          Die ungewöhnlich deutlichen Worte bestärkten die Finanzmarktakteure in ihrer Erwartung, dass die Fed den Leitzins spätestens auf der nächsten Sitzung des Rates Ende Januar, womöglich aber auch schon früher, um einen halben Prozentpunkt auf 3,75 Prozent zurücknehmen wird.

          Freude an der Wall Street

          An Wall Street stiegen darauf hin die Kurse zahlreicher Aktien, der Dow-Jones-Durchschnittskurs der 30 führenden Industriewerte war bis kurz vor Handelsschluss auf rund 12 853 Punkte geklettert, ein Plus von 0,9 Prozent zum Vortag. Auf dem Devisenmarkt geriet der Dollar unter zusätzlichen Druck. Für einen Euro mussten 1,48 Dollar bezahlt werden, rund 1,5 Cent mehr als vor Bernankes Äußerungen.

          Offenbar halten es die amerikanischen Währungshüter inzwischen für wahrscheinlich, dass die Krise auf dem Immobilienmarkt und auf dem Markt für Hypothekenanleihen sowie die Spannungen auf den Kreditmärkten die amerikanische Wirtschaft in erheblicher Weise belasten werden. Diesen Eindruck dürfte ihnen unter anderem die nachlassende Dynamik auf dem Arbeitsmarkt verschafft haben.

          Kaum noch Stellen entstanden

          Im Dezember sind im Saldo kaum noch zusätzliche Stellen entstanden, und die Arbeitslosenquote ist von 4,7 auf 5 Prozent gestiegen. Zahlreiche Bankvolkswirte an Wall Street rechnen damit, dass die amerikanische Volkswirtschaft zum ersten Mal seit Frühjahr 2001 in eine Rezession gleiten wird, die Wirtschaftsleistung womöglich sogar schon jetzt schrumpft. Die Fed hatte erst vor einigen Wochen ihre Einschätzung bekräftigt, wonach zwar in den nächsten Quartalen mit einem sehr schwachen Wachstum zu rechnen sei, es aber nicht zu einer Rezession kommen werde.

          Die Notenbank hat auf die im Spätsommer einsetzenden Turbulenzen an den Finanzmärkten und die trüberen Konjunkturperspektiven seit September bisher mit drei Zinssenkungen um insgesamt 1 Prozentpunkt reagiert. Im Dezember verringerten die Währungshüter den Leitzins von 4,5 auf 4,25 Prozent. Darüber hinaus hat die Fed eine neue Kreditfazilität eingerichtet, um die Geschäftsbanken vorübergehend mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen und die Spannungen auf dem Geldmarkt zu überwinden.

          Regierung und Kongress erwägen unterdessen ein Paket aus Steuersenkungen für Verbraucher und Unternehmen in der Absicht, der Konjunktur neuen Schwung zu verleihen.

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