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Geldpolitik : Bank of England senkt Zinsen auf Rekordtief

  • Aktualisiert am

Die britische Wirtschaft schwächelt Bild: dpa

Großbritannien steckt in der schwersten Rezession seit den frühen 80er Jahren. Um dagegen zu steuern, hat die Bank of England den Leitzins - wie erwartet - abermals gesenkt. Die EZB lässt den Zins vorerst noch unverändert, deutet aber eine Senkung im März an.

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          Die Bank of England hat den Leitzins in Großbritannien am Donnerstag um weitere 0,5 Prozentpunkte auf das Rekordtief von 1 Prozent gesenkt. Die Entscheidung war angesichts der Schwäche der britischen Wirtschaft weitgehend erwartet worden. Das Land steckt in der schwersten Rezession seit den frühen 80er Jahren. Zuletzt hatte die Bank of England den Zinssatz Anfang Januar um einen halben Punkt auf 1,5 Prozent gesenkt.

          Die Europäische Zentralbank hält den Leitzins dagegen trotz der anhaltenden Wirtschaftskrise im Euro-Raum unverändert bei 2,0 Prozent. Das teilte die Europäische Zentralbank (EZB) nach ihrer Sitzung am Donnerstag in Frankfurt mit. Die aktuelle Entscheidung war weitgehend erwartet worden. Für März wurde eine Zinssenkung in Aussicht gestellt. Eine Lockerung der Geldpolitik im kommenden Monat sei möglich und nicht auszuschließen, sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag vor Journalisten in Frankfurt. Das derzeitige Zinsniveau von zwei Prozent sei keine Grenze. Allerdings sei die EZB nie vorab festgelegt. Eine Null-Zinspolitik sei aber derzeit nicht angemessen.

          Gewerkschaftsbund: „Das ist fahrlässig“

          Angesichts der Rezession in vielen Euro- Ländern und des nachlassenden Preisdrucks hatten viele Volkswirte zur Stützung der Wirtschaft eine Zinssenkung schon jetzt verlangt. In der Vergangenheit hatte die EZB im Kampf gegen Finanzkrise und Konjunkturflaute den Leitzins vier Mal in Folge gesenkt, zuletzt im Januar um 0,5 Prozentpunkte auf 2 Prozent. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte jedoch schon nach der jüngsten Senkung um 0,5 Punkte im Januar eine Zinspause angedeutet.

          Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat die Geldpolitik der EZB scharf kritisiert. „Das ist fahrlässig“, sagte DGB-Chefvolkswirt Dierk Hirschel am Donnerstag zu Reuters. Die Situation an den Finanzmärkten sei noch immer angespannt, während sich die Krise in der Realwirtschaft verschärft habe. „Deshalb wäre es angemessen gewesen, die Zinsen weiter kräftig zu senken - auf ein Prozent“, sagte Hirschel.

          In den Vereinigten Staaten und in Japan liegen die Leitzinsen derzeit praktisch bei null. Analysten schließen daher auch eine Zinssenkung in der Eurozone innerhalb der kommenden Monaten nicht aus. Die Zentralbanken versuchen mit niedrigen Zinsen der lahmenden Wirtschaft weltweit wieder neuen Schwung zu geben. Durch niedrige Zinsen werden Kredite günstiger, mit denen Unternehmen Investitionen finanzieren können. Gleichzeit verringern sich aber auch die Zinsen für Anleger, etwa bei Tages- oder Festgeld.

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