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Geldpolitik : Australier sind die ersten an der Zinsschraube

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20-Dollar-Scheine, ungeschnitten: Die Notenbank sieht die Gefahr einer ernsthaft schrumpfenden Wirtschaftsleistung gebannt Bild: Reuters

Australien hat als erster Industriestaat nach der globalen Wirtschaftskrise unerwartet die Zinsen wieder erhöht - um 25 Basispunkte auf 3,25 Prozent. Doch weder in Amerika noch in Europa stehe kurzfristig eine Zinswende an, glauben Experten.

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          Als erstes großes Industrieland nach der Krise hat Australien die Zinsen wieder angezogen. Die Zentralbank (RBA) erhöhte den Leitzins um einen viertel Prozentpunkt auf 3,25 Prozent, wie die Notenbank nach ihrem monatlichen Treffen am Dienstag mitteilte. Es war die erste Anhebung des Schlüsselzinses seit März 2008. Die Zentralbank hatte den Zins im Zuge der Finanzkrise um 4,25 Prozentpunkte auf ein Rekordtief von drei Prozent gesenkt. Angesichts des günstigen Wirtschaftsausblicks steuerten die Währungshüter nun um: Der fünfte Kontinent hat sich als weitgehend immun gegen die globale Krise erwiesen. Als einziges der etablierten Industrieländer wuchs die Wirtschaft Australiens im ersten Halbjahr.

          Die Notenbank sieht die Gefahr einer ernsthaft schrumpfenden Wirtschaftsleistung nun gebannt und bereitet die Märkte bereits auf weiter steigende Zinsen vor: „Es ist nun umsichtig, den geldpolitischen Stimulus schrittweise zu verringern“, erklärten die Zentralbanker nach der Zinssitzung. Experten rechnen damit, dass einige Staaten in Asien dem Beispiel Australiens folgen und ebenfalls die Geldvergabe verteuern könnten. „Ganz oben auf der Liste steht Südkorea, wo der Zins eher in diesem als im nächsten Quartal angehoben werden dürfte. Danach könnte Taiwan folgen“, meint HSBC-Ökonom Frederic Neumann.

          Die größten Notenbanken der Welt dürften indes vorerst nicht von ihrer Niedrigzinspolitik abrücken: Weder in den Vereinigten Staaten noch in Großbritannien, Kanada oder Japan steht aus Expertensicht kurzfristig eine Zinswende an. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte bei ihrer auswärtigen Zinssitzung am Donnerstag in Venedig an ihrer Politik der ruhigen Hand festhalten und den historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent beibehalten. EZB-Chef Jean-Claude Trichet hält das Zinsniveau trotz zaghafter Aufschwungsignale in der Euro-Zone für derzeit angemessen. Experten rechnen erst Mitte 2010 mit einer ersten Erhöhung, wenn sich ein selbstragender Aufschwung abzeichnen sollte.

          In Australien dürften die Notenbanker nach Ansicht von Fachleuten jedoch nun in schneller Folge bis Anfang 2010 mehrere kleinere Zinserhöhungen vornehmen: „Sie werden wahrscheinlich auf 4 bis 4,25 Prozent hochgehen und dann eine Pause einlegen“, meint Chef-Ökonom Warren Hogan von ANZ. Es werde voraussichtlich aber bis weit ins Jahr 2011 dauern, bis wieder ein Zinsniveau von fünf bis sechs Prozent erreicht werde.

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