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Geldpolitik : Amerikas Notenbank drosselt Anleihekäufe

Ben Bernanke Bild: Reuters

Die amerikanische Notenbank Federal Reserve lässt sich durch die Schwellenmarktturbulenzen nicht verschrecken. Sie reduziert ihre Anleihekäufe abermals um 10 Milliarden Dollar im Monat.

          3 Min.

          Die amerikanische Notenbank Federal Reserve hat sich von den Turbulenzen in Schwellenländern nicht schrecken lassen und bleibt dem im Dezember eingeschlagenen Kurs der langsamen Drosselung der quantitativen Lockerung treu. Der Offenmarktausschuss beschloss am Mittwoch, die Käufe von Anleihen und Hypothekenwertpapieren abermals um weitere insgesamt 10 Milliarden Dollar im Monat zu verringern. Für den Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke war es nach acht Jahren die letzte Sitzung des Offenmarktauschusses. Im Februar übernimmt seine jetzige Stellvertreterin, Janet Yellen, das Ruder.

          Patrick Welter
          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Die Notenbank kauft von Februar an nur noch Staatsanleihen für 35 Milliarden Dollar und Hypothekenwertpapiere für 30 Milliarden Dollar im Monat. Die Fed betonte, dass sie damit immer noch Anleihen zu ihrem beträchtlichen Portfolio hinzufüge, was die langfristigen Zinssätze senken und die Hypothekenmärkte stützen solle. Analysten erwarten zunehmend, dass die künftige Verringerung der Anleihekäufe fast auf Autopilot steht. Die Fed legt sich nicht fest und macht künftige Schritte allein von der Wirtschaftsentwicklung abhängig.

          Die Aktienindizes an der Wall Street gaben nach der Fed-Entscheidung weiter nach. Der Dow-Jones-Index lag zeitweise mehr als 1 Prozent im Minus.

          Verbale Leitlinien unverändert, aber entwertet

          Die Fed begründete die Drosselung der quantitativen Lockerung damit, dass das Wirtschaftswachstum sich in den vergangenen Quartalen verbessert habe. Die Lage am Arbeitsmarkt zeige weitere Verbesserungen. Die Arbeitslosenquote war im Dezember auf 6,7 Prozent gesunken, allerdings auch, weil viele Amerikaner die Stellensuche aufgeben. Die Inflationsrate liege zwar niedriger als der angestrebte Zielwert von 2 Prozent. Die langfristigen Inflationserwartungen aber seien unverändert stabil, heißt es in der Erklärung des Offenmarktausschusses. Im dritten Quartal war die amerikanische Wirtschaft mit – auf ein Jahr hochgerechnet – 4,1 Prozent gewachsen. Am Donnerstag kommt die erste Schätzung für  das Jahresschlussquartal. Analysten erwarten im Durchschnitt ein solides Wachstum von 3,2 Prozent.

          Gänzlich unverändert ließ die Fed die verbalen Leitlinien für die künftige Geldpolitik, die „forward guidance“. Sie will die Anleihekäufe solange beibehalten, bis der Ausblick für den Arbeitsmarkt sich „beträchtlich verbessert“ habe. Sie signalisierte zugleich wie schon im Dezember, dass sie die seit Dezember 2008 bestehende faktische Nullzinspolitik auch dann noch für beträchtliche Zeit beibehalten wolle, nachdem die Arbeitslosenquote auf weniger als 6,5 Prozent gesunken sei. Damit hat die Fed ihren Schwellenwert von 6,5 Prozent nahezu entwertet, nachdem dieser in Reichweite rückte. Zuletzt lag die Arbeitslosenquote nur noch bei 6,7 Prozent. Analysten erwarten eine erste Zinserhöhung erst im Jahr 2015.

          Schwellenmarktturbulenzen schrecken die Fed nicht

          Der Offenmarktausschuss sprach in seiner Erklärung am Mittwoch die Turbulenzen in einigen Schwellenländermärkten mit keinem Wort an. Offenbar war die geldpolitische Entscheidung allein durch die heimische Wirtschaftslage bestimmt. Die fehlende Erwähnung kann auch darin gründen, dass die Fed kein Öl ins Feuer gießen wollte.

          Analysten sehen in der absehbaren Straffung der Geldpolitik durch die Fed einen der Auslöser für die Turbulenzen an den Devisenmärkten. Die Fed hat demgegenüber in den vergangenen Monaten immer wieder betont, dass die Drosselung ihrer Anleihekäufe netto auch für die Schwellenländer positiv sein sollte, weil die Drosselung mit einer sich kräftigenden amerikanischen Wirtschaft einhergehe.

          Währungsfonds: Fed nicht im Mittelpunkt der jüngsten Verwerfungen

          Nicht alle Beobachter sehen die Fed im Mittelpunkt der jüngsten Turbulenzen an den Finanz- und Devisenmärkten. So vermutet der Internationale Währungsfonds (IWF) als Ursache für die jüngsten überwiegend länderspezifische Gründe, nicht aber einen gemeinsamen Grund. Das hat der Direktor der Geld- und Kapitalmarktabteilung des IWF, José Viñals, vor Journalisten in Washington gesagt, noch vor den jüngsten Zinserhöhungen in der Türkei oder Südafrika. Länder mit stärkeren Fundamentaldaten würden den Gegenwind weit besser verkraften als andere Länder.

          Viñals forderte die Schwellenländer nachdrücklich auf, zur Krisenvorsorge die Inflation einzudämmen. „Die Zentralbanken in den Schwellenländern müssen hinreichend unabhängig sein, so dass sie schnell reagieren oder so schnell wie möglich nachziehen können, um sicherzustellen, dass die Inflation unter Kontrolle bleibt“, sagte er.

          Der IWF-Direktor wandte sich gegen die Vermutung, dass die amerikanische Geldpolitik mit den Turbulenzen zu tun habe. „Dies ist nicht wie im Mai (vergangenen Jahres), dies ist keine Panik-Situation“, sagte er. Erwartungen über die Drosselung der Anleihekäufe durch die Fed hätten in dem Geschehen „bis jetzt keine entscheidende Rolle gespielt“. Ein Indiz dafür ist, dass die langfristigen Zinssätze in Amerika in den vergangenen Tagen leicht nachgegeben haben. Im Mai hatte nach ersten Andeutung der Fed, die Anleihekäufe zu drosseln, eine rasante Kapitalflucht aus den Schwellenländern stattgefunden, während die Anleiherenditen in den Vereinigten Staaten stiegen.

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