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Gefahr für die Wirtschaft : Die Welt fürchtet den Ölschock

  • -Aktualisiert am

Das Camp der Mitarbeiter der BASF-Tochtergesellschaft Wintershall in der Libyschen Wüste Bild: dpa

Die Revolte in Nordafrika treibt den Ölpreis auf neue Höhen. Das schürt besonders in Europa die Furcht vor Lieferengpässen und bedroht den Wirtschaftsaufschwung. Nur die Ölhändler profitieren vom schnellen Auf und Ab der Preise.

          Nun ist das Camp leer. Nur noch einige Wachleute harren aus, um die Ölförderanlage zu bewachen, die rund 1000 Kilometer südöstlich der libyschen Hauptstadt Tripolis liegt. Mitten in der Wüste, nicht weit von der Oase Nafoora, beutet das BASF-Tochterunternehmen Wintershall ein Ölfeld aus. Rund 100.000 Barrel (je 159 Liter) Rohöl haben die Mitarbeiter von Wintershall jeden Tag in Libyen gefördert. Doch nun steht die gesamte Produktion still, die Anlage „ist sicher eingeschlossen“, wie es aus dem Unternehmen heißt. Seit 1958 ist Wintershall in dem Land vertreten, noch nie musste die Arbeit komplett eingestellt werden. Doch in Libyen toben blutige Kämpfe, die Menschen lehnen sich gegen das Gaddafi-Regime auf. Wintershall und viele andere ausländische Unternehmen holen eilig ihre Mitarbeiter heim.

          Kein Wunder, dass die Welt jetzt eine Ölkrise fürchtet. Die Preise für die beiden wichtigsten Ölsorten Brent und das amerikanische West Texas Intermediate (WTI) sind so hoch wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. In den vergangenen Tagen kletterte der Preis für das Nordseeöl Brent bis auf 119 Dollar, der WTI-Preis durchbrach die 100-Dollar-Marke. Damit ist der Rekordpreis von 147 Dollar je Barrel aus dem Sommer 2008 nicht mehr weit entfernt.

          Mit den Unruhen in Libyen ist erstmals ein bedeutender Ölförderstaat von der Revolution betroffen, die ihren Anfang in Tunesien genommen hat, danach Ägypten und dann andere Völker in der Region inspiriert hat. „Was wir in Libyen erleben, könnte für die Ölmärkte das wichtigste Ereignis seit 50 Jahren werden“, sagt Fadel Gheit. Er beobachtet die Ölbranche seit drei Jahrzehnten und arbeitet für die Investmentbank Oppenheimer&Co. in New York. „Jetzt hängt alles davon ab, ob die Proteste sich auf die Golf-Region ausweiten.“

          Pumpen auf einem Ölfeld: Experten erwarten einen weiter steigenden Ölpreis

          Benzin kostet mittlerweile 1,57 Euro je Liter

          Besonders in Europa nimmt die Furcht zu, der Schmierstoff für die Weltwirtschaft könne nicht mehr in ausreichender Menge verfügbar sein. Das treibt die Preise. Hinzu kommt die Sorge, dass deutlich steigende Energiekosten der Inflation weiteren Auftrieb verleihen und Zinserhöhungen folgen könnten, die den Wirtschaftsaufschwung bremsen. Zumal der rasante Ölpreisanstieg in eine Zeit fällt, in der sich viele Länder von der schweren Finanzkrise erholen und hohe Schuldenberge angehäuft haben.

          Es drängen sich Vergleiche zur Ölkrise Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf: „Damals war es allerdings deutlich einfacher, energiepolitisch zu reagieren“, sagt Steffen Bukold, Ölfachmann der Beratungsagentur Energycomment in Hamburg. „Öl wurde damals auch zur Stromerzeugung genutzt und konnte leicht durch Kohle, Gas oder Kernkraft ersetzt werden.“ Heute ist die Situation weniger erfreulich: „Es gibt in vielen Industriezweigen wie der Petrochemie keine Alternative zu Öl.“ Die Folge: Auf die Industrie kommen wegen der hohen Ölpreise Mehrkosten zu. Und Verbraucher müssen mehr zahlen für Sprit und Heizöl. An deutschen Tankstellen kostet Benzin mittlerweile 1,57 Euro je Liter. Mit weiteren Preiserhöhungen ist zu rechnen, auch wenn der Benzinpreis für Super seinen Rekord von 1,60 Euro je Liter aus dem Sommer 2008 noch nicht erreicht hat.

          Die wirtschaftliche Erholung auf der Welt hat die Ölnachfrage erhöht

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