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Gebäudesanierung : Bleiben Handwerkerrechnungen absetzbar?

  • -Aktualisiert am

Energetische Gebäudesanierung: Ein Arbeiter befestigt Styroporplatten zur Wärmedämmung an einer Fassade Bild: Picture-Alliance

Bund und Länder brauchen mehr Geld zur Förderung von Gebäudedämmung und anderen Energiesparmaßnahmen. Nun prüft die Koalition, ob kleine Handwerkerrechnungen auch künftig noch von der Steuer abziehbar bleiben sollen.

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          Die Koalition will die energetische Gebäudesanierung mit einer steuerlichen Förderung ausbauen, um das Klima zu schützen. Allerdings fehlt ihr dazu das Geld. Das könnten Bund und Länder nun durch die Beschneidung einer anderen Steuervergünstigung gefunden haben: der Abzugsfähigkeit von kleinen Handwerkerrechnungen. Das hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung in Berlin erfahren. Demnach könnten nicht mehr alle Handwerkerrechnung mit bis zu 1200 Euro Arbeitskosten im Jahr von der Steuerschuld abgezogen werden.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          Zunächst hatte man über eine Halbierung des Betrags auf das Niveau vor der Wirtschaftskrise 2009 nachgedacht. Das war aber bei Handwerkern und im Wirtschaftsministerium auf Widerstand gestoßen. Deshalb ist jetzt eine Variante im Gespräch, die die Länder einmal ins Gespräch gebracht hatten: ein Sockel. Demnach würden alle Handwerkerrechnungen mit einem Anteil von Arbeitskosten unter 300 Euro im Jahr nicht mehr bei der Steuerberechnung akzeptiert. Das beträfe vor allem kleine Reparaturen. Diese könnten nicht mehr angerechnet werden, um an anderer Stelle das staatlich erwünschte Energiesparen zu finanzieren.

          Die Regierung könnte das als Entbürokratisierung der Handwerksbetriebe und der Steuerverwaltung verkaufen. Der Handwerksverband ZDH sei nicht abgeneigt, hieß es. Der Handwerkerbonus gilt auch als Instrument zur Bekämpfung der Schwarzarbeit, er kostet Bund und Länder im Jahr 1,5 Milliarden Euro.

          Den beteiligten Ministerien bleibt indes nur noch wenig Zeit für eine Einigung. Am Mittwoch will das Bundeskabinett die neuen „Nationalen Aktionspläne“ zum Klimaschutz und zur Energieeffizienz verabschieden. Bis dahin sollte die Finanzierung stehen. Gestritten wird auch mit dem Finanzminister darüber, wie die steuerliche Förderung in Gang gesetzt wird. Während die SPD es gerne sähe, dass – wie bei den Handwerkerrechnungen – die Sanierungskosten direkt mit der Steuerschuld verrechnet werden, denkt Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) eher daran, die Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Steuerschuld um die Sanierungskosten zu kürzen. Das würde vor allem Leuten mit einem hohen Steuersatz helfen, aber wohl auch mehr Sanierungsprojekte möglich machen.

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          Die Finanzfrage ist nicht die einzige offene Baustelle. Nach dem heftigen Widerstand der Stromwirtschaft gegen weitere ungeplante Auflagen zur Reduzierung der Kohlendioxidemissionen um mindestens 22 Millionen Tonnen bis zum Jahr 2020 signalisiert die Koalition auch hier Entgegenkommen. Eine mögliche Kompromisslösung läuft darauf hinaus, dass die von der Umweltministerin als notwendig beschreiben Emissionsminderung nicht nur allein das Herunterfahren von Kohlekraftwerken erbracht werden müsse, sondern auch aus dem Emissionshandel kommen könne. Details dazu müsste der Wirtschaftsminister im kommenden Jahr festlegen. Die Lösung würde es der Regierung ermöglichen, am Ziel festzuhalten, die CO2-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken. Andererseits gewänne sie Zeit für die konkrete Umsetzung.

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