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Gastbeitrag : Europa vom Kopf auf die Füße stellen

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Das Subsidiaritätsprinzip will den Vorrang der je kleineren Einheit. Bild: dpa

Das Subsidiaritätsprinzip ist die Lösung für fast alle Probleme der Europäischen Union. Öffentliche Aufgaben sollen so nah wie möglich an den Menschen erledigt werden.

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          In Deutschland sind heute Zustimmung zur Europäischen Union und Ablehnung zwei Seiten einer Medaille. Die stabile und mehrheitliche Zustimmung beruht auf der europäischen Geschichte. Seit dem großen Frieden in Europa, der den Dreißigjährigen Krieg beendet hat, dem Frieden von Münster und Osnabrück, den man auch den „Ewigen Frieden“ genannt hat, hat es in Europa nicht weniger als 48 Kriege gegeben. Jede Nachkriegszeit wurde zur Vorkriegszeit.

          Im 20. Jahrhundert wurden die europäischen Kriege zu Weltkriegen mit über 14 Millionen Toten im Ersten Weltkrieg und über 50 Millionen Toten im Zweiten Weltkrieg. Nach der totalitären Zerstörung der Städte, nach Vertreibung und Flucht von Millionen Menschen aus ihrer angestammten Heimat, nach der geistigen Verwüstung durch totalitäre Ideologien kam es zur Besinnung im Denken der Überlebenden. Winston Churchill, Robert Schuman, Jean Monnet, Alcide De Gasperi, Konrad Adenauer und Paul-Henri Spaak haben mit Weitblick und Mut in schwierigster Nachkriegszeit eine neue Politik eingeleitet. Die Vereinigten Staaten haben aus dem zerstörten Deutschland keine Reparationen herausgepresst, sondern mit dem Marshall-Plan geholfen und einen Neubeginn ermöglicht.

          Obwohl die Wunden des Zweiten Weltkriegs, die jede Familie getroffen haben, noch nicht verheilt waren, wuchs langsam, aber stetig das gegenseitige Vertrauen unter den europäischen Völkern und ihren Regierungen. Zum ersten Mal wurde eine Nachkriegszeit bei uns nicht wieder zur Vorkriegszeit. Wir haben im Westen und in der Mitte Europas seit 70 Jahren keinen Krieg. Es wächst bei uns die dritte Generation heran, die keinen Krieg erlebt hat. Wann hat es dies in unserer Geschichte gegeben?

          Jeder, der bei Verstand ist, ist Europäer

          Diese Zeit des Friedens und der Freiheit und des Rechtsstaates ist kein Zufall, sondern das Ergebnis weitsichtiger Politik und enger Zusammenarbeit. Es ist das Ergebnis der Europäischen Gemeinschaft von Kohle und Stahl, der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, der Europäischen Union. Der Gedanke und die realistische Politik der sechs Gründerstaaten waren so attraktiv, dass im Laufe der Jahre die Gemeinschaft von sechs auf acht, dann auf zehn, auf zwölf, dann auf 15 wuchs. Die große Zeitenwende des Jahres 1989 in Europa hat die Erweiterung auf 25 und jetzt 28 Staaten ermöglicht.

          Erwin Teufel
          Erwin Teufel : Bild: Fricke, Helmut

          Europa ist vor jeder Wirtschaftsgemeinschaft zuerst Friedensgemeinschaft. Die jungen Menschen in Europa verbringen nicht mehr die besten Jahre ihres Lebens im Krieg, sondern sie können die besten Jahre für ihre Ausbildung, für das Studium, für den Aufbau einer beruflichen Existenz, für die Gründung einer Familie aktiv gestalten. Jede und jeder kann mehr aus seinem Leben machen. Europa und das Bündnis mit den Vereinigten Staaten von Amerika haben dies ermöglicht. Wir haben offene Grenzen für Menschen, für den Wissensaustausch, für Waren und Dienstleistungen, für Urlaub und kulturelle Vielfalt. Deshalb ist jeder, der bei Verstand ist, auch Europäer.

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