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Gaspreise : Eon wehrt sich gegen den Eindruck der Profitgier

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Vertreter von Eon beteuern, mit den höheren Gaspreisen nur die gestiegenen Bezugskosten weiterzugeben. Das Bundeskartellamt prüft die Preiserhöhungen der Gasversorger und geht zum Teil von Mißbrauch aus.

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          Auch der Düsseldorfer Energieversorger Eon erhöht für seine Kunden am 1. Januar die Gaspreise um rund 10 Prozent. Er wehrt sich aber gegen den Eindruck, den eigenen Gewinn zu steigern.

          „Bei dieser Preiserhöhung handelt es sich um eine reine Weitergabe von gestiegenen Beschaffungskosten“, sagte Bernhard Reutersberg, Vertriebsvorstand des in München ansässigen Teilkonzerns Eon Energie, in einem Pressegespräch. Fast alle 1,1 Millionen Haushaltskunden von Eon in Deutschland müssen den höheren Preis zahlen. Ausnahme ist die Regionalgesellschaft Thüringen, die schon im November eine Tarifsteigerung durchgesetzt hat. In Bayern hatte Eon Energie 2005 einmal den Preis erhöht: um knapp 12 Prozent im August.

          Vertrauen schaffen

          Um in der Diskussion über die Gaspreise die Argumente der Versorger besser präsentieren zu können, hatte Eon Anfang November entschieden, den Haushaltskunden freiwillig die eigene Kalkulation offenzulegen. Den Anfang hatte, wie berichtet, Eon Hanse gemacht, die mit rund einer halben Million Kunden der größte Regionalversorger des Konzerns ist. Gestern folgten auf ihren Internetseiten fünf weitere Regionalgesellschaften, unter ihnen Eon Bayern (siehe Grafik). Als letztes der sieben Unternehmen werde Eon Thüringen Ende Januar diesen Schritt gehen, kündigte Reutersberg an. „Uns geht es vor allem um das Vertrauen unserer Kunden“, begründete er die Offenlegung. „Dafür nehmen wir in Kauf, daß auch Konkurrenten einen Einblick in unsere Kalkulation erhalten.“ RWE, mit drei Millionen Haushaltskunden der größte deutsche Gasversorger, will im Januar folgen. Der Konkurrent ENBW hat dagegen Ende November eine Offenlegung entschieden abgelehnt.

          Eon Energie verspricht sich von der veröffentlichten Kalkulation auch, den Wettbewerb voranzutreiben. „Wir wollen, daß die Haushalte ihren Gaslieferanten wechseln können“, sagte Reutersberg. Er rechnet damit, daß dies in der ersten Hälfte 2006 möglich wird. Direkt kontrollieren könnten die Regionalversorger nur die Kosten für ihr Netz und den Vertrieb, sagte Reutersberg. „Aus beiden Blöcken haben sich in den letzten Jahren für unsere Kunden keine Preissteigerungen ergeben.“ Dank Kostensenkungen seien sogar höhere Bezugspreise teils aufgefangen worden.

          Zum Teil findet ein Mißbrauch statt

          Unterdessen haben die jüngsten Preiserhöhungen zahlreicher Gasversorger das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. Die Behörde prüft inzwischen ebenso wie mehrere Landeskartellämter, ob Stadtwerke und andere Endkundenbelieferer ihre Marktstellung mißbräuchlich für Preiserhöhungen nutzten. Die Bundesbehörde habe Vorermittlungen gegen rund 30 Endkundenbelieferer eingeleitet, die voraussichtlich im Januar abgeschlossen würden, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Der Ausgang der Überprüfungen sei zwar noch offen, im vergangenen Jahr habe das Bundeskartellamt aber wegen identischer Vorwürfe schon sieben Mißbrauchsverfahren eingeleitet.

          Bundeskartellamtschef Ulf Böge sagte im NDR, Preisunterschiede von 30 bis 40 Prozent ließen sich „in einem wettbewerblichen System so nicht erklären“. „Hier werden wir also prüfen, inwieweit wir Mißbrauchsverfahren einleiten können gegen diejenigen, die sich am oberen Rand mit der Preisgestaltung bewegen.“ Die Erhöhung der Gaspreise für die Endverbraucher in Deutschland habe nur zum Teil mit höheren Bezugskosten zu tun, die sich aus Preiserhöhungen in den Förderländern ergäben. „Das ist aus unserer Sicht zum Teil ein Mißbrauch“, sagte der oberste deutsche Wettbewerbshüter.

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