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Gaspreise : Eon in der Defensive

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Teilerfolg für die Gaskunden: Das Landgericht Hamburg verpflichtet Eon dazu, seine Kalkulation offenzulegen. Der schlichte Hinweis auf die Kopplung des Gaspreises an den gestiegenen Ölpreis reiche nicht aus.

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          Das Landgericht Hamburg hat den Gasversorger Eon Hanse verpflichtet, seine Bezugspreise für Gas und seine Preiskalkulation offen zu legen.

          Unterstützt von der Hamburger Verbraucherzentrale sind 52 Kunden in einer Sammelklage gegen die dreimalige Erhöhung des Gaspreises um insgesamt 25 Prozent seit Oktober 2004 vorgegangen. Das Gericht erklärte am Donnerstag in einer vorläufigen Einschätzung, der einfache Hinweis von Eon Hanse auf den gestiegenen Ölpreis reiche zur Begründung der Preiserhöhungen nicht aus. Da das Unternehmen eine Monopolstellung einnehme, hätten die Kunden ein Anrecht darauf zu erfahren, wie der Preis zu rechtfertigen sei. Mit der Einschätzung ist allerdings noch keine Vorentscheidung getroffen worden, ob Eon Hanse die Preiserhöhung rückgängig machen muß.

          Kräftiger Widerstand gegen die Preispolitik

          „Das Gericht hat sich unserer Einschätzung angeschlossen, daß Eon Hanse die Karten auf den Tisch legen muß“, sagte Günter Hörmann von der Hamburger Verbraucherzentrale. Eine Eon-Sprecherin sagte, daß man keineswegs von einer Niederlage für ihr Unternehmen sprechen könne. Eon Hanse habe noch Zeit, weitere Argumente vorzutragen und sehe dem weiteren Prozeßverlauf gelassen entgegen. Die Eon-Anwälte ließen am Donnerstag allerdings erkennen, daß sie nicht bereit sind, ihre Einkaufspreise und die Gesamtkalkulation offen zu legen. Beobachter rechnen daher damit, daß der Fall bis zum Bundesgerichtshof getragen wird.

          Zu teures Gas?

          In der Bevölkerung regt sich kräftiger Widerstand gegen die Preispolitik der Gasversorger. Mehrere Hunderttausend Kunden haben den Preiserhöhungen in den vergangenen Monaten widersprochen. Viele Abnehmer haben den ihrer Meinung nach ungerechtfertigten Teil der Rechnung nicht bezahlt. „Die Gasversorger haben sich bisher aber gescheut, Prozesse gegen diese Kunden zu führen, da sie ihre Kalkulation nicht aufdecken möchten“, sagte Peter Reese vom Verbraucherportal Verivox.

          Preisanstieg weitergegeben, Preissenkung nicht

          Eon Hanse ist mit mehr als einer halben Million Kunden in Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern einer der größten Gasversorger Deutschlands. Das Unternehmen hat - wie fast alle rund 700 Gasversorger in Deutschland - seine Preise in den vergangenen zwölf Monaten kräftig angehoben und zur Begründung auf den gestiegenen Ölpreis verwiesen. Diese Bindung des Gaspreises an den Ölpreis ist aber sehr umstritten. Die Kartellämter ermitteln inzwischen gegen viele Gasversorger wegen des Verdachts, ihre Preise zu stark erhöht zu haben.

          „Die Gasversorger haben alle Preisanstiege seit 2001 mit entsprechenden Verzögerungen an die privaten Endkunden weitergegeben. Senkungen wurden leider nicht eins zu eins an die Verbraucher weitergereicht“, kritisierte Georg Wilhelm Adamowitsch, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit, auf einer Energiekonferenz die Preispolitik der Unternehmen.

          Etwa die Hälfte aller deutschen Haushalte heizt mit Gas. Seit dem Jahr 2000 ist ihre Gasrechnung um rund 70 Prozent gestiegen. Unter den großen Anbietern liegen die Preise von Eon Hanse im oberen Drittel. Allerdings ist die Spanne sehr groß: Rund 20 Prozent beträgt der Abstand zwischen billigen und teuren Anbietern. Die teuersten Versorger sitzen in Ostdeutschland.

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