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Gasmarkt : „Meilenweit von Wettbewerb entfernt“

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Den deutschen Gasverbrauchern droht das gleiche Schicksal wie den Stromabnehmern: Die Preise bleiben vorerst auf hohem Niveau. Ein stärkerer Preiswettbewerb ist nicht in Sicht, obwohl inzwischen erste Anbieter den großen Versorgern Konkurrenz machen.

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          Den deutschen Gasverbrauchern droht das gleiche Schicksal wie den Stromabnehmern: Die Preise bleiben vorerst auf hohem Niveau, denn ein starker Preiswettbewerb, von dem die Verbraucher wie auf dem Telefonmarkt profitieren, ist nicht in Sicht. Obwohl mit dem niederländischen Unternehmen Nuon, der Berliner Flexgas GmbH und der Eon-Tochtergesellschaft Klickgas inzwischen die ersten Anbieter angetreten sind, den etablierten Versorgern Konkurrenz zu machen, ist ein Preisrutsch für die privaten Haushalte ausgeblieben und auch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten: „Wir sind meilenweit von Wettbewerb auf dem Gasmarkt entfernt. Für einen neuen Anbieter ist es kalkulatorisch unmöglich, als Preisbrecher aufzutreten“, sagte Annette Bergmann, Sprecherin des Bundesverbandes neuer Energieanbieter (BNE), Berlin.

          Das Nuon-Angebot liegt nur knapp unterhalb der Preise der regionalen Versorger Eon Hanse in Hamburg und Gasag in Berlin, enthält aber immerhin eine einjährige Preisgarantie. „Auch in den zwölf Monaten danach garantieren wir unseren Kunden, immer günstiger als die regionalen Versorger zu sein“, sagte Nuon-Sprecherin Heike Klumpe, ohne den Preisabstand konkret zu benennen. Sie zeigt sich mit dem Ergebnis der ersten Wochen zaghaften Wettbewerbs auf dem Gasmarkt zufrieden: „Der Kundenzulauf entspricht genau unseren Erwartungen“, sagte Klumpe, ohne die Erwartung zu beziffern. Eine Expansion in weitere Regionen plant Nuon allerdings nicht, da die Kosten für die Nutzung fremder Netze außerhalb Berlins und Hamburgs deutlich höher sind und ein Angebot damit unrentabel wäre.

          Einjährige Preisgarantie

          Noch ganz frisch am Markt ist Flexgas. Das Unternehmen gibt seinen Kunden ebenfalls eine einjährige Preisgarantie und verspricht zusätzlich 5 Prozent Preisvorteil gegenüber dem regionalen Versorger. Den Erfolg seines Geschäftsmodells zweifelt das Unternehmen aber selber an: „Aufgrund der gesetzlichen Regelungen lohnt sich ein Markteinstieg für neue Anbieter bisher eigentlich nicht. Uns geht es darum, das bisherige Monopol aufzubrechen“, sagte Flexgas-Geschäftsführer Robert Mundt. Als dritter Anbieter drängt gerade das Unternehmen Klickgas an den Markt. Klickgas bietet Berliner Kunden die Gasbelieferung an, ist aber teurer als der Konkurrent Nuon.

          Das Unternehmen ist eine Marke der Deutschen Erdgashandels GmbH, die wiederum zur Thüga-Gruppe und somit schließlich zum Düsseldorfer Eon-Konzern gehört. „Weitere Anbieter sind aber nicht in Sicht“, sagte Klumpe. Für die Kunden besteht der Anreiz für einen Wechsel vor allem in der Garantie, für ein Jahr vor steigenden Preisen geschützt zu sein, zumal weitere Erhöhungen angesichts der aktuellen Rekordölpreise nur eine Frage der Zeit zu sein scheinen. Der Essener Versorger RWE und ENBW in Baden-Württemberg haben ihre Haushaltspreise bereits Anfang Juli erhöht; weitere Anbieter werden wohl im Herbst nachziehen. Besonders tief müssen schon heute die Verbraucher in Sachsen, im Süden Bayerns und Teilen Baden-Württembergs in die Tasche greifen. Sie zahlen für das Gas rund ein Drittel mehr an ihren regionalen Versorger als die Haushalte in Niedersachsen. Unter den großen Anbietern verlangen ENBW im Raum Stuttgart, die Stadtwerke München und die Badenova in Südbaden nach Berechnungen des Verbraucherportals Verivox besonders viel für das Gas.

          Mehr Wettbewerb

          Für mehr Wettbewerb sollen nun die Kooperationsvereinbarungen zwischen den Betreibern der Gasnetze sorgen, die am Mittwoch in Berlin rund 20 Unternehmen der Branche unterschrieben werden. „Damit werden die Systemvoraussetzungen geschaffen, damit das Gas durch das Netz anderer Anbieter geleitet werden kann. Dann können zum Beispiel auch etablierte Unternehmen außerhalb ihrer eigenen Netze die Versorgung aufnehmen“, hofft Renate Hichert, Sprecherin der Bundesnetzagentur. Die Behörde hat die Aufgabe, für Wettbewerb auf dem Gasmarkt zu sorgen. Die große Mehrheit der Unternehmen am Markt werde dem Vertrag später beitreten, sagt Martin Weyand, Geschäftsführer des Branchenverbandes BGW. „Unternehmen, die nicht beitreten, müssen mit einer Überprüfung durch die Bundesnetzagentur rechnen. Diese Unternehmen haben dann ein Problem.“

          Ob die Verträge geeignet sind, den Wettbewerb tatsächlich anzukurbeln, bezweifelt der Verband neuer Energieanbieter (BNE). „Die Verträge verteuern den Netzzugang, diskriminieren neue Anbieter und sind ineffizient“, kritisiert Bergmann. In den Verträgen seien gleich zwei Zugangssysteme für die Gasnetze verankert, die den Zugang verteuern, unnötig verkomplizierten und die vorhandenen Gaskapazitäten einschränken. „Die Verträge sind ganz klar ein Instrument, um den Wettbewerb weiter zu verzögern. Daher müssen die Verträge unbedingt nachgebessert werden. Freiwillig wird das aber nicht passieren. Wir brauchen dafür klare Vorgaben der Bundesnetzagentur“, fordert Bergmann.

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