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Gasmarkt : Der Wettbewerb kommt langsam in Schwung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Gas ist in den vergangenen beiden Jahren gut 30 Prozent teurer geworden. Bislang machen nur wenige neue Unternehmen den etablierten Versorgern Konkurrenz. Doch der Wettbewerb kommt in die Gänge. In einigen Regionen kann ein Wechsel die Rechnung um 10 Prozent senken.

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          Gas ist für die deutschen Haushalte in den vergangenen beiden Jahren gut 30 Prozent teurer geworden. Wegen des hohen Ölpreises erwarten Fachleute bis zum Herbst eine weitere Steigerung um 20 Prozent. Doch ein preisdämpfender Wettbewerb kommt in Deutschland auch im zehnten Jahr der Liberalisierung nur ganz langsam in Schwung. „Bisher haben nur rund 300.000 Haushalte ihren Gasversorger gewechselt“, schätzt Peter Reese vom Branchendienst Verivox. Davon entfallen allein 270.000 Haushalte auf die Eon-Tochtergesellschaft E wie Einfach; 15.000 Haushaltskunden zählt der niederländische Pionier Nuon, der sein „Wakker Gas“ in Hamburg, Berlin und Düsseldorf anbietet.

          In weiten Teilen Deutschlands ist E wie Einfach – der aktuell einzige bundesweite Gasanbieter – noch alleiniger Konkurrent des jeweiligen Regionalversorgers. Die Platzhirsche haben sich auf die Konkurrenz von E wie Einfach inzwischen aber gut eingestellt. Da die Eon-Tochtergesellschaft ihr Gas immer 2 Cent je Kubikmeter billiger als der allgemeine Tarif anbietet, haben die Regionalversorger oft Wahltarife eingeführt, mit denen sie E wie Einfach unterbieten. Wechselwillige Kunden sollen auf diese Weise vom Verbleib beim lokalen Anbieter überzeugt werden. Mit Erfolg: Bis Ende des vergangenen Jahres hatten nach einer Untersuchung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft rund ein Zehntel der deutschen Haushalte immerhin ihren Tarif beim Regionalversorger gewechselt.

          Mehrere neue Gasanbieter sind in Sicht

          Mehr Wettbewerb gibt es nur in einigen Städten oder Bundesländern, in denen insgesamt rund ein Dutzend unabhängiger Unternehmen oder andere Stadtwerke den etablierten Regionalversorgern Konkurrenz machen. Hochburgen des Wettbewerbs sind Schleswig-Holstein, Hamburg, Berlin, Leipzig, Südhessen und der südwestliche Zipfel Baden-Württembergs, wo inzwischen mindestens vier Anbieter dem jeweiligen Regionalversorger die Kunden abjagen wollen.

          Einige Verbraucher profitieren schon vom aufkeimenden Wettbewerb: In den Gebieten, in denen mehrere Anbieter am Start sind, fallen die Preisaufschläge meist weniger kräftig aus. Wer den Anbieter ganz wechseln will, kann in Städten wie Hamburg, Leipzig, Dresden, Bonn oder Köln die Gasrechnung um rund 10 Prozent im Jahr senken, hat Verivox für diese Zeitung errechnet. Und es kommt noch besser: Mehrere neue Gasanbieter sind in Sicht. „Eprimo arbeitet an einem bundesweiten Angebot zur Heizperiode 2008/ 2009“, sagte ein Sprecher der RWE-Tochtergesellschaft, der sich auf einen genauen Termin aber nicht festlegen will. Auch das Berliner Unternehmen Flexgas hofft auf einen Start noch in diesem Jahr.

          Wechsel teils noch schwierig

          Zuvor müssten allerdings noch einige Hürden aus dem Weg geräumt werden. „Unserer Erfahrung nach funktioniert das Verfahren beim Gaswechsel noch nicht bundesweit. Flexgas wird erst dann in die Belieferung gehen, wenn sichergestellt ist, dass das Umstellungsprozedere in ganz Deutschland überwiegend funktioniert“, sagte Sprecher Dirk Hempel. Flexgas sei aber zuversichtlich, dass die Bundesnetzagentur und die Politik schon sehr bald funktionierende Prozesse wie im Strommarkt etablieren werden.

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