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Früherer Goldman-Banker : Favorit für die mächtigste Zentralbank der Welt

Derzeit hat Gary Cohn sein Büro im Weißen Haus. Bild: EPA

Im Frühjahr endet die Amtszeit der amerikanischen Notenbankchefin Janet Yellen. Wen wählt Donald Trump für diese wichtige Position? Sein Wirtschaftsberater scheint der aussichtsreichste Kandidat zu sein.

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          Gary Cohn ist Donald Trumps ranghöchster Wirtschaftsberater im Weißen Haus. Er gilt als Befürworter eines möglichst freien Welthandels, lehnt neue Zölle oder andere Handelsschranken ab - und fungiert damit gemeinsam mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner als wirtschaftsliberaler Widerpart der Leute um den rechten Chefstrategen Steve Bannon. Cohn ist generell versiert in Wirtschaftsfragen, kennt sich besonders gut in der Finanzindustrie aus. Dort hat er es beinahe an die Spitze gebracht: Er war die Nummer zwei der mächtigen amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, an der Wall Street gibt es nur eine prominentere Position - dort die Nummer eins zu sein.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Nach Trumps Wahlsieg machte ihn der frühere Immobilienunternehmer zum Chef seines Wirtschaftsberaterstabes, ein wichtiger Posten im Weißen Haus. Cohn kann damit grundsätzlich beträchtlich Einfluss nehmen auf alle wichtigen wirtschaftspolitischen Vorhaben des Präsidenten, sei es die avisierte Gesundheitsreform, die geplante Steuerreform, höhere Ausgaben für Infrastruktur und nicht zuletzt auf das Verhalten der Vereinigten Staaten gegenüber anderen Ländern in Handelsfragen. Dass Trump sich gegenüber China mittlerweile deutlich zurückhaltender äußert als noch im Wahlkampf und kurz nach seinem Wahlsieg, gilt auch dem Rat des Investmentbankers geschuldet.

          „Keine armen Menschen“

          Möglicherweise hatte Trump mit Cohn allerdings schon lange noch viel Größeres im Sinn. Es gibt eine Position, die mit Blick auf die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft ungefähr so maßgeblich ist wie die des Präsidenten selbst, und die sogar darüber hinaus wirkt, auf das gesamte Weltfinanzsystem. Möchte Donald Trump Gary Cohn zum Vorsitzenden der Notenbank Federal Reserve machen, der wichtigsten Zentralbank der Welt? Das berichtet das Magazin „Politico“ und beruft sich auf vier Personen, die mit dieser Angelegenheit vertraut seien. Es ist bereits der zweite prominente Medienbericht in dieser Sache. Der erste – und das spricht dafür, dass wirklich etwas dran ist – erschien im angesehenen „Wall Street Journal“, in einem Artikel über die amerikanische Geldpolitik und in einer Art und Weise, wie so eine Personalie ins Gespräch gebracht wird, wenn es einmal soweit ist. Gerade mit Blick auf die amerikanische Geldpolitik hat diese Finanzzeitung den Ruf, auch eine Art Sprachrohr für Ansichten innerhalb der Notenbankführung zu sein, die diese noch nicht offiziell verbreiten möchte.

          Nun also scheint Gary Cohn der chancenreichste Anwärter für die Nachfolge der amtierenden Notenbank-Chefin Janet Yellen zu sein, deren Amtszeit planmäßig im nächsten Frühjahr endet. Nachdem Trump sie noch im Wahlkampf teils mit heftiger Kritik überzogen hatte, war immer mal wieder spekuliert worden, ob Yellen vielleicht früher zurücktritt. Sie selbst bekräftigte stets, ihre Amtszeit zu Ende führen zu wollen. Dann, als Trump sich plötzlich regelrecht freundlich und anerkennend über Yellen äußerte, gab es sogar eine öffentliche Diskussion darüber, ob vielleicht doch sie für eine weitere Amtszeit vorschlagen wird. Ungewöhnlich wäre das nicht: Der demokratische Präsident Barack Obama beispielsweise behielt den Republikaner Ben Bernanke an der Spitze der Federal Reserve.

          Für Cohn wiederum spricht zumindest auch eine grundsätzliche Haltung, die Trump nach eigenem Bekunden innehat, wenn es darum geht, wichtige Positionen in der Wirtschaftspolitik zu besetzen. Er bevorzugt dafür Reiche. „Ich liebe alle Menschen, reich oder arm. Aber in diesen speziellen Positionen wollte ich einfach keine armen Menschen“, sagte er unlängst vor Anhängern während eines Auftritts im amerikanischen Bundesstaat Iowa.

          Trump erklärte da, er habe gezielt Reiche wie den früheren Hedgefondsmanager Wilbur Ross (der nun Wirtschaftsminister ist) und eben Cohn ausgewählt, weil sie das Denken repräsentierten, das er wolle. Und er verwahrte sie dagegen, die Posten in der Regierung bezogen zu haben wegen des Gehalts. „Sie repräsentieren das Land, sie wollen nicht das Geld. Sie mussten sogar viel aufgeben für ihre neuen Stellen.“ Über Cohn sagte er konkret: „Wir haben den Präsidenten von Goldman Sachs (...) er wechselte von massiven Zahltagen zu Peanuts.“

          Darauf folgend brachte Trump eine Begründung, die er schon im Wahlkampf immer wieder darbot. Es brauche Leute wie Cohn in der Regierung, damit die „Welt uns nicht weiter ausnutzt“. An der Spitze der Notenbank würde der früheren Goldman-Manager natürlich viel einflussreicher als es in seiner derzeitigen Position ist. Was das für die Geldpolitik und die Regulierung der großen amerikanischen Geldhäuser bedeutet, bleibt abzuwarten. Wenn es denn so kommt.

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