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Nach Hoeneß-Urteil : Gabriel: Schweizer Banken müssen „alles offen legen“

  • Aktualisiert am

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel: Steuerhinterziehung ist zu einem regelrechten Geschäftsmodell geworden. Bild: dpa

Bundeswirtschaftsminister Gabriel geht nach dem Urteil gegen Uli Hoeneß die Schweizer Banken an. Die Bankvorstände will Gabriel gleich mit vor Gericht stellen.

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          Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat Konsequenzen aus dem Urteil gegen den FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß wegen massiven Steuerbetrugs gefordert. Dass Millionen-Gewinne aus Spekulationsgeschäften in die Schweiz verschoben und nicht versteuert würden, sei zu einem regelrechten Geschäftsmodell geworden. Die Schweizer Banken müssten deshalb gezwungen werden, „alles offen zu legen“, sagte der Minister der „Passauer Neuen Presse“.

          Noch besser fände es der SPD-Chef, wenn „einige der Bankvorstände, die derartige Beihilfe zur millionenfachen Steuerhinterziehung leisten, genauso vor Gericht stehen würden“. Zugleich begrüßte Gabriel Hoeneß’ Verurteilung zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren als Beweis dafür, dass „der Rechtsstaat funktioniert.“ Er hoffe, dass jetzt im Kampf gegen Steuerhinterziehung eine „neue Qualität“ erreicht werde.

          Nach der Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Haft sind nun auch die Gremien des FC Bayern am Zug. Für Freitag wird eine Stellungnahme von Club und Aufsichtsrat erwartet, wie es mit dem Vereins-Patron weitergeht. Hoeneß ist Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters und Vorsitzender des mit Wirtschaftsführern hochkarätig besetzten Kontrollgremiums. Präsidium, Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat des FC Bayern wollten noch am Donnerstag in kurzfristigen Beratungen über das weitere Vorgehen entscheiden.

          Kann Hoeneß an der Spitze des Clubs bleiben?

          Da das Urteil bis zu einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes noch nicht rechtskräftig ist, muss Hoeneß zumindest vorerst nicht ins Gefängnis. Der Haftbefehl aus dem Frühjahr 2013 bleibt weiter gegen eine Millionen-Kaution ausgesetzt. Damit könnte Hoeneß seinen FC Bayern auch weiter auf den Auslandsreisen in der Champions League begleiten. Doch kann er weiter an der Spitze des Clubs bleiben?

          Seit Jahrzehnten prägt der Patriarch vom Tegernsee den erfolgreichsten deutschen Fußballverein. Eigentlich wollte Hoeneß den Mitgliedern auf einer außerordentlichen Hauptversammlung nach dem Prozess die Vertrauensfrage stellen. Doch ob es nach diesem Urteil und den Enthüllungen über seine Steuerschulden in schwindelerregender Höhe tatsächlich dazu kommt, erscheint höchst fraglich. „Zeitnah“ wolle der FC Bayern informieren, hieß es am Donnerstag. Die „Bild“-Zeitung berichtet, Hoeneß wolle an diesem Freitag auch selbst eine Erklärung abgeben, dies wurde vom Verein jedoch bereits dementiert.

          Neben Gabriel bezeichneten unterdessen weitere zahlreiche Spitzenpolitiker das Urteil als richtig. Die Vorsitzende des Bundestags-Rechtsausschusses, Renate Künast (Grüne), befand: „Die Haftstrafe ohne Bewährung war unausweichlich. Angesichts der riesigen Summen konnte das Gericht nicht anders entscheiden.“

          „Seine Glaubwürdigkeit ist erschüttert“

          Auch die Juristin Sylvia Schenk von der Antikorruptionsorganisation Transparency International hält das Urteil gegen Uli Hoeneß für angemessen und rechnet mit einem Rückzug von den Ämtern beim FC Bayern München. „Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er trotz seiner Verurteilung im Amt bleiben kann. Seine Glaubwürdigkeit ist zu sehr erschüttert“, sagte sie der „Rheinischen Post“ (Freitag).

          „Alleine die vergangenen Wochen waren eine unglaubliche Belastung für ihn, aber auch für den FC Bayern München. Man darf nicht vergessen, er hat eine schwere Straftat begangen“, sagte Schenk. Die Sportbeauftragte von Transparency International erwartet nun eine schnelle personelle Entscheidung der Gremien.

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