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G20-Treffen : Top-Wirtschaftsmächte nicht alarmiert wegen China

  • Aktualisiert am

Auch Bundesbank-Präsident Jens Weidmann (links-unten) war auf dem G20-Treffen in Ankara. Bild: AFP

Die wichtigsten Finanzminister und Notenbanker der Welt bleiben gelassen angesichts der schwächer wachsenden Wirtschaft in China. Wolfgang Schäuble hält die jüngsten Wechselkurs-Maßnahmen der chinesischen Zentralbank für richtig.

          Die Finanzminister und Notenbank-Chefs der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) sind trotz des langsameren Wirtschaftswachstum in China und der jüngsten etwas Kursturbulenzen an den Börsen offenbar nicht sonderlich aufgeregt. Sie verpflichteten sich nach zweitägigen Beratungen in Ankara lediglich, „entschiedene Maßnahmen zu ergreifen“, um die wirtschaftliche Erholung auf Kurs zu halten.

          Zwar bleibe das globale Wachstum hinter den Erwartungen, wird eingeräumt. „Wir sind zuversichtlich, dass die Erholung der Weltwirtschaft an Geschwindigkeit gewinnen wird“, heißt es in der an diesem Samstag verabschiedeten gemeinsamen Erklärung aber weiter. Die Entwicklungen würden weiter beobachtet und aufkommende Risiken benannt, „um das Vertrauen und die Finanzstabilität zu stärken“.

          Nur Japan schimpft laut mit China

          Schon vor den zweitägigen Beratungen in der türkischen Hauptstadt musste China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, nicht allzu viel Schelte der G20-Partner befürchten. Auch nicht von den Europäern, die ausnahmsweise einmal nicht wegen der Griechenland- und der Staatsschuldenkrise im Fokus stehen. „Hinter den Kulissen wird Klartext gesprochen, aber es wird niemand öffentlich an den Pranger gestellt“, fasst ein Unterhändler den nach außen hin eher sanften Umgang der meisten Länder-Vertreter mit den Chinesen zusammen.

          Und das nicht nur, weil Peking schon vor der Ankara-Runde gebeten hatte, im G20-Kommuniqué nicht gesondert erwähnt oder gar gerügt zu werden. Sondern auch, weil die Mehrzahl der G20-Länder an der aktuellen Währungspolitik der kommunistischen Regierung und deren weiterer Marktöffnung eigentlich nicht so viel zu kritisieren hat. Die Hoffnung ruht dabei auch auf den enormen Finanz-Reserven der Volksrepublik, um einen Einbruch abzufedern.

          Einzig Japans Finanzminister Taro Aso soll am Rande mit den Chinesen härter ins Gericht gegangen sein - angesichts der Dauer-Spannungen zwischen beiden Ländern nicht verwunderlich. Aso soll Peking vorgeworfen haben, die globale Wirtschaft zu gefährden und zu wenig zu tun. Was unter den anderen Delegationen für Irritationen gesorgt haben soll. Zumal Japan selbst nicht gerade glänze an der Konjunkturfront, wie es heißt: „Zum Showdown zwischen Japan und China kam es in den Sitzungen aber nicht.“

          Schäuble lobt Chinas Notenbank

          Chinas Kassenwart und seine Notenbanker stellen sich den kritischen Fragen in Ankara durchaus selbstbewusst, wie Teilnehmer berichten. Präzise hätten sie die Lage geschildert. Trotz massiver Zweifel vieler Ökonomen hätten die Chinesen auch klargestellt: Die für 2015 angepeilte Wachstumsrate zwischen 6,5 bis 7 Prozent werde schon geschafft. Das wäre allerdings dennoch das niedrigste Plus seit etlichen Jahren.

          Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) jedenfalls wirft den chinesischen Währungshütern keine Fehler vor. Im Gegenteil: Er sieht weiter Chancen, dass Chinas Währung Yuan (Renminbi) bald zu einer Weltreservewährung aufsteigt und in absehbarer Zeit auch im Währungskorb des Internationalen Währungsfonds (IWF) landet. Das gilt vielen als ebenso wichtig wie der Beitritts Pekings zur Welthandelsorganisation WTO.

          Schäuble bescheinigte Chinas Notenbank, zuletzt den Yuan-Kurs durchaus Richtung Marktentwicklung geführt zu haben. Auch deshalb sprach der deutsche Finanzminister schon im Vorfeld von einem „relativ entspannten Treffen“. Sein französischer und russischer Amtskollege blieben gleich ganz fern, ebenso die Chefin der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, Janet Yellen.

          Neben China ist auch die internationale Geldpolitik ein wichtiges Thema des Treffens gewesen. Hier bereiten sich die größten Wirtschaftsmächte darauf vor, dass zumindest in manchen Ländern, wohl zumal in den Vereinigten Staaten, die Notenbank demnächst erstmals seit Ausbruch der Finanzkrise die Zinsen anheben dürfte. „Wir nehmen zur Kenntnis, dass im Einklang mit verbesserten Wirtschaftsaussichten eine straffere Geldpolitik in einigen Industrieländern wahrscheinlicher wird“, heißt es im Schlussdokument. Sie betonen, dass Geldpolitik allein nicht für ausgewogenes Wachstum sorgen könne.

          Ein Zeitpunkt für die in Aussicht gestellte Zinswende wird in der G20-Erklärung nicht genannt. Auch wird nicht direkt auf die absehbare Zinsentscheidung der amerikanischen Notenbank eingegangen. Um negative Auswirkungen - insbesondere auf Schwellenländer - zu vermeiden, kündigten die G20 ein „sorgfältiges Vorgehen mit klarer Kommunikation“ über einen Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik an - auch, um Ansteckungsgefahren zu vermeiden.

          Vor allem aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien fürchten negative Folgen wie einen massiven Kapitalabfluss, wenn in Amerika die Leitzinsen wieder steigen. Denn dann werden Geldanlagen in der größten Volkswirtschaft der Welt attraktiver.

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