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G20-Gipfel : Merkel: Amerikas Notenbank soll sich mit anderen absprechen

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Das wichtigste Geldhaus der Welt: Amerikas Notenbank Bild: REUTERS

Die großen Wirtschaftsmächte und Notenbanken sollen koordiniert aus der lockeren Geldpolitik aussteigen, fordert die Bundeskanzlerin. Die Forderung ist brisanter, als sie klingt - es steckt viel Krisengeschichte dahinter.

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          Die Aussage klingt harmlos, hat es aber in sich: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will, dass sich die großen Wirtschaftsmächte darüber abstimmen, wann und wie sie aus der lockeren Geldpolitik aussteigen, mit der sie die Finanzkrise bekämpfen. „Es wird schrittweise notwendig sein, dass wir die recht lockere Geldpolitik auch verändern“, sagte Merkel in Sankt Petersburg vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs weltweit führenden Volkswirtschaften (G20).

          „Dies müssen wir so gestalten, dass daraus keine Brüche in der wirtschaftlichen Entwicklung entstehen“, verlangte sie weiter. Eine der Lehren aus der Zusammenarbeit der G20 ist der Kanzlerin zufolge, dass letztlich jede nationale Maßnahme auch internationale Auswirkungen auf Partner habe. „Deshalb müssen wir hier sicherstellen, dass die Dinge auch koordiniert ablaufen.“

          Das ist insofern eine brisante Aussage, als sie diplomatisch verklausuliert im Grunde vornehmlich an eine einzige Notenbank gerichtet ist, die amerikanische Federal Reserve. Deren Präsident Ben Bernanke hatte vor einigen Monaten angekündigt, dass die Fed ihre Milliarden Dollar umfassenden monatlichen Anleihekäufe zurückfahren und das damit verbundene Lockerungsprogramm schon im kommenden Jahr beenden könnte. Seitdem stehen viele Währungen aufstrebender Schwellenländer unter Druck, weil Anleger Geld abziehen und in die Vereinigten Staaten umleiten. Eine große Schwellenländerkrise ist noch nicht (wieder) ausgesprochen, aber Erinnerungen an die Asien-Krise in den neunziger Jahren oder die Lateinamerika-Krise in den achtziger Jahren drängen sich gelegentlich auf.

          Erinnerungen an die Lateinamerika-Krise

          Dabei wendet die amerikanische Federal Reserve ihren Blick traditionell  nach innen - und macht ihre Entscheidungen nahezu ausschließlich von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung in den Vereinigten Staaten selbst abhängig. Im Nachhinein gilt beispielsweise die Zinserhöhungs-Strategie des amerikanischen Notenbankpräsidenten Paul Volcker, mit dem dieser die Inflation der siebziger Jahre erfolgreich bekämpfte, als ein Auslöser für die hernach folgende Latein-Amerika-Krise.

          Ökonomen wie Ronald McKinnon fordern deshalb, die Notenbank solle ihre Entscheidungen viel mehr mit Rücksicht auf die Auswirkungen auf andere Länder treffen. Das käme auch den Vereinigten Staaten selbst zugute, die mit dem Dollar nach wie vor die Weltleitwährung stellen.

          Die wirtschaftliche Situation der Schwellenländer werde denn auch während des nun beginnenden G20-Gipfels stärker im Vordergrund als etwa die Situation der Euroländer, meint Merkel: „Die gute Nachricht heißt: Die Eurozone hat manche Schwierigkeit überwunden.“ Allerdings, und dies habe auch die IWF-Chefin deutlich gemacht, bleibe noch viel zu tun.

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