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G20-Gipfel in Sydney : Großbanken wollen nicht noch mehr reguliert werden

IWF-Direktorin Christine Lagarde im Gespräch mit dem britischen Finanzminister George Osborne (r.) und dessen australischem Kollegen Joe Hockey Bild: AFP

Die Weltfinanzelite kommt in Sydney zusammen: Finanzminister und Zentralbank-Bosse streiten um die richtige Weltwirtschaftspolitik. Führende Banker drängen darauf, nicht noch mehr Regeln für sie zu beschließen.

          Am ersten Tag des großen Gipfeltreffens der Finanzminister und Notenbanker der führenden Wirtschaftsnationen in Sydney liegen die Konfliktlinien offen: Schwellenländer und Industrieländer schieben sich gegenseitig die Schuld für den Verfall ihrer Währungen und die schwierige Lage einiger Wachstumsmärkte zu. Und prominente Banker warnen vor einer neuen Finanzkrise: Sie könnte aus ihrer Sicht durch eine Überregulierung der Finanzmärkte entstehen.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Gary Cohn, geschäftsführender Vorstand der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs warnte beispielsweise, die Anstrengungen, die Risiken im Bankgeschäft durch schärfere Regeln zu mindern, lassen „im Endeffekt schon die nächste Krise erahnen“. Cohn fuhr fort: „Wenn wir weiterhin in einer Welt leben, in der Sicherheit und Zuverlässigkeit und Unerschütterlichkeit der Banken alles andere überragen, Wachstum überragen und Liquidität überragen, dann werden wir erfahren, wie Schattenbanken wachsen und wachsen. Bis sie das nächste große Problem werden oder bis (der Mangel an) Liquidität die nächste Krise erzeugen wird.“

          Krach zwischen Schwellenländern und Industriestaaten

          Cohn stößt damit ins selbe Horn wie schon Axel Weber, der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Schweizer Bank UBS. Auch er warnte davor, dass eine zu strikte Regulierung den Geschäftsbanken die Luft zum Atmen zu nehmen drohe. „Wenn man den Banken vorschreibt, ihr Kapital weiter aufzustocken und sich unglaublich robust aufzustellen, narrensichere Rücklagen zu bilden, dann wird jemand anderes in das entstehende Vakuum springen“, sagte Cohn. Er nannte nicht ausdrücklich die chinesischen Schattenbanken, doch hatten sie in den vergangenen Tagen für größere Unruhen gesorgt.

          Allerdings hatte der amerikanische Finanzminister Jack Lew am Freitag erklärt, von ihnen ginge keine weltumspannende Gefahr aus. Einige der europäischen Länder drängen auf eine stärkere Regulierung der Finanzmärkte. Amerikaner und Australier – als Gastgeber der G20 – habe sich in angelsächsischer Tradition dagegen ausgesprochen.

          Streit gibt es auch an anderer Stelle: Während die Finanzminister der Industrieländer Amerika, Deutschland und Japan am Donnerstag in einer augenscheinlich abgesprochenen Form die Schwellenländer mahnten, endlich Strukturreformen anzugehen, setzten diese sich am Freitag und Samstag zur Wehr. „Einige der Reformen werden auf kurze Sicht wohl ein klein wenig Wachstum kosten, auf lange Sicht aber ein stabileres Wachstum bringen“, sagte Amerikas Finanzminister Jack Lew mit Blick auf China. Der türkische Stellvertretende Finanzminister und Russland stellvertretender Notenbankchef hielt dagegen: „Wir sollten uns alle immer daran entsinnen, dass es ohne die Dynamik der Schwellenländer sehr schwierig werden wird, das Wachstum in den entwickelten Volkswirtschaften voranzutreiben“, warnte Ali Babacan.

          Er und seine Kollegen aus den Schwellenländern werfen den Amerikanern vor, die Straffung ihrer Geldpolitik ginge auf Kosten der heranwachsenden Volkswirtschaften. Die reichen Länder brauchten gesunde Schwellenländer aber mehr, als die Schwellenländer selber diese Gesundheit brauchten, sagte der türkische Spitzenpolitiker. Deshalb sollten die Industrieländer extrem besonnen dabei vorgehen, ihre expansive Geldpolitik zurückzufahren. Hauptadressat ist dabei die amerikanische Notenbank, deren Entscheidungen sich wegen der dominierenden Rolle des Dollar immer auch außerhalb Amerikas auswirken.

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