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G-8-Gipfel : Die Zaungäste machen sich auf

  • -Aktualisiert am

Gerade der martialische Zaun gibt den Globalisierungskritikern Munition für ihren Argumentationskampf. Motto: Staatschefs, die sich hinter Stacheldraht verbarrikadieren, haben mit den realen Problemen der globalisierten Welt nichts zu tun. Aufhalten können sie Bush, Merkel und die anderen Staatschefs sowieso nicht. Das wissen Block-G-8-Leute wie Frauke Banse auch. Doch den Gipfel zu stören, das wäre ein Erfolg. Anne und Lisa haben deshalb zum Vorbereitungstreffen in Wuppertal Fotos vom Flughafen Rostock-Laage mitgebracht. Dort sollen Diplomaten und andere Gipfelhelfer einfliegen. Die Protestierer wissen: „Das ist ein neuralgischer Punkt“, den es lahmzulegen lohnt.

Nicht nur blockieren, auch demonstrieren

Doch nicht nur Blockieren steht auf dem Programm der Gipfelgegner. Am 2. Juni findet eine Demonstration in Rostock statt. Thema: Eine andere Welt ist möglich. Die Organisatoren erwarten 100.000 Menschen. Doch Zweifel bleiben, ob sich wirklich so viele Menschen mobilisieren lassen und in den Nordosten Deutschlands pilgern. Daher hoffen die Planer, dass nicht nur der Alternativgipfel mit Themen wie Landwirtschaft und Militarismus eine Menge Anziehungskraft in der Szene entfaltet. Auch Musik soll helfen: Rock-Legende Geldof gehört wie U2-Musiker Bono und Herbert Grönemeyer zu den Teilnehmern, die in Rostock die Aktionen „Deine Stimme gegen Armut“ unterstützen wollen. Unter Globalisierungskritikern gibt es dafür nicht nur Zustimmung. Grönemeyer werde doch nur „den Linksintellektuellen mimen“, heißt es. Doch ganz auf seine Unterstützung verzichten, das will auch niemand.

Dabei findet Protestforscher Dieter Rucht, dass die Globalisierungskritiker überraschend gut vorankommen. „Sie sind sehr undogmatisch, programmatisch und professionell.“ Das sei längst nicht immer so gewesen. „Ich hatte mehr Konflikte und Spannungen erwartet.“ Von einer Spaltung der Bewegung könne keine Rede sein.

Erfolg für die zerstrittene Szene

Das ist ein großer Erfolg für die oft zerstrittene Szene. Das Bündnis zeigte bisweilen aber auch Risse. So will die eigentlich mobilisierungserprobte Gewerkschaft IG Metall nicht bei der Blockade dabei sein: „Auch zur Demonstration rufen wir nicht auf.“ Nur beim Alternativgipfel sind die Gewerkschafter mit dabei. Für Unmut sorgte auch die Grünen-Führung: Die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Claudia Roth, wollte sich an einem ersten Demo-Aufruf von Attac und Co. nicht beteiligen. Inzwischen haben die Grünen eigene Aufrufe verfasst.

Ob die Ideen der Globalisierungskritiker eine große öffentliche Akzeptanz erfahren, das hängt auch davon ab, ob es Gewalt gibt. Des öfteren hatten Radikale schon Anschläge verübt, zum Gipfel haben sie weiteres Ungemach angekündigt. Protestforscher Rucht argumentiert: Entstünde in der Bevölkerung der Eindruck, dass es die Gipfelgegner lediglich auf Gewalt anlegen, dann verlören sie an Reputation. Ein weiteres Problem bleibt: Wirklich neue Ideen haben die Globalisierungskritiker nicht. „Da ist nichts Durchschlagendes mit Aha-Effekt dabei“, sagt Rucht. Dieses Problem ist auch der Basis bewusst: Man habe zwar frühzeitig intern geklärt, ob man beim Blockieren „stehen oder sitzen soll“, erzählt Aktivistin Frauke Banse. Doch beim großen Ganzen herrscht auch bei ihr Ernüchterung: „Ja“, sagt Banse, „so tragisch es ist - unsere Themen sind leider immer dieselben.“

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