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G-8-Gipfel : Die Zaungäste machen sich auf

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Mit ihren eher diffusen Protesten stehen die Globalisierungskritiker ohne konkrete Alternativen zum System der G 8 da. Aber auch die Staatschefs bieten mit ihren Abschlusserklärungen in der Regel nicht mehr als heiße Luft.

Motto: Gemeinsam gegen den Gipfel

Trotz inhaltlicher Schwächen haben die Protestierer ein Bündnis geformt, wie es nur selten zustande kommt. Mit dabei sind Kommunisten, Kirchengruppen, Parteien und Linksradikale sowie viele andere Gruppen, die eigentlich nur lose organisiert sind, weil sie Hierarchien und mächtige Repräsentanten ablehnen. Ganz vorne, wie so oft, bleibt Attac.

Für den Protestforscher Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum Berlin ist die Bedeutung von Attac eindeutig: „Sie werden eine Scharnierfunktion einnehmen“, sagt der Soziologieprofessor, „sie verbinden die Nichtregierungsorganisationen mit dem linksradikalen Lager.“ Bei den Linken steht das Verbünden und Kooperieren derzeit besonders hoch im Kurs. Motto: Gemeinsam gegen den Gipfel. Sonst findet sich wenig, das wirklich eint. So haben sich bei Block G 8 nicht nur die katholische Friedensbewegung Pax Christi angeschlossen. Auch die Grüne Jugend aus Aachen ist dabei, wie auch die IG Metall Jugend Berlin sowie die Radikale Linke aus Nürnberg.

„Gruppen sind sehr heterogen“

Der Zusammenhalt ist nötig, denn „die globalisierungskritischen Gruppen sind sehr heterogen“, erklärt Thomas Jäger, der Internationale Politik an der Universität Köln lehrt. „Sie treffen sich aber in einem zentralen Punkt: der Kritik am Neoliberalismus.“

Dabei wurde der Protest gegen die G 8 in den vergangenen Jahren auch immer öfter mit Gewalt ausgetragen. So starb im Jahr 2001 beim Gipfel in Genua ein Demonstrant. Ein Polizist hatte ihn während der Krawalle erschossen. „Bei ihren Treffen müssen sich die Regierenden massiv schützen, daher können sich die globalisierungskritischen Gruppen als Gegenöffentlichkeit stilisieren“, sagt Jäger. „Das ist auch für die mediale Vermittlung solcher Großereignisse von besonderer Bedeutung.“

Der Zaun: „Ein kräfteökonomisches Ausgleichselement

Viel Bedeutung hat dieses Jahr in Heiligendamm auch der legendäre Zaun. Der ist 12 Kilometer lang, 2,50 Meter hoch, mit Beton im Boden gesichert und von Stacheldraht gekrönt. Hinter der Schutzwand eingeigelt, werden die Staatschefs am Ostseestrand im Luxushotel tagen. „Die sperren sich ein“, schimpft Monty Schädel von der Deutschen Friedensgesellschaft, „statt uns zuzuhören.“

Gipfel-Polizeichef Knut Abramowski preist hingegen die Vorteile der Barriere: Die 12-Kilometer-Wand (Kosten 12 Millionen Euro) sei ein „kräfteökonomisches Ausgleichselement“. Soll heißen: Dank der "technischen Sperre" wie es im Behördendeutsch heißt, seien weniger Beamte zum Schutz der Staatsgäste nötig. Die weitläufige und dünnbesiedelte Region rund um das Kempinski Grand Hotel ließe sich ohne Zaun auch nur schwer überwachen.

„Polarisierend“

Auch wenn die Sperre in der Polizei-Logik weniger Beamte und damit einen Vorteil bedeutet: Selbst Polizeiführer Abramowski räumt ein, dass der Zaun „polarisierend“ wirkt. Überhaupt ist der Aufwand enorm. Es soll der größte Polizeieinsatz in der Geschichte Deutschlands werden. Abramowski wird 16.000 Polizisten befehligen. Hinzu kommen 1100 Bundeswehrsoldaten, und vor der Küste patrouillieren Kriegsschiffe. Die Ausgaben für den Gipfel werden wohl die 100-Millionen-Euro-Marke übersteigen. Nicht nur wegen der Kosten, auch sonst sorgt der Aufwand nicht nur bei vielen Anwohnern im Norden von Mecklenburg-Vorpommern für Unmut.

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