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G 20 bekämpfen die Krise : Wird jetzt alles gut?

„Die Beschlüsse von Pittsburgh machen das Weltfinanzsystem stabiler.” - Josef Ackermann, Deutsche Bank Bild: dpa

Pittsburgh macht es möglich: Der Kapitalismus wird ein bisschen stabiler. Das ist schon ziemlich viel. Doch Banker wie Ökonomen sagen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung unisono: Die Banken sind noch nicht gesund. Und: Die Zukunft bleibt riskant und ungewiss.

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          Die Erwartungen waren groß, das Pathos wuchtig und die Superlative verwegen: Nichts weniger als „eine neue Weltordnung“ sollte der Gipfel der 20 wichtigsten Staaten in Pittsburgh am vergangenen Freitag entwerfen. Wem das immer noch eine Nummer zu klein war, der sprach von einer „neuen Weltregierung“ der G 20, welche das alte Kartell der acht üblichen Industriestaaten ablösen sollte.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei solch hochgesteckten Erwartungen ist die Enttäuschung abzusehen. Umso erstaunlicher, dass der Nach-Pittsburgh-Katzenjammer ausblieb. Banker und Ökonomen, von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung um ihre Einschätzung gebeten, äußerten sich allesamt positiv, wenn auch nicht euphorisch. „Die Beschlüsse von Pittsburgh sind sehr verantwortungsvoll“, sagte Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: „Sie tragen der Globalisierung politisch Rechnung und machen damit die Weltwirtschaft und das Weltfinanzsystem stabiler.“ Ackermanns Kollege Alexander Dibelius, Deutschlandchef der amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs, ergänzt: „Die Welt kann künftig besser mit Risiken umgehen.“

          All jene, die den Glauben an die Allmacht transnationaler Regulierungen übertreiben, sollten allerdings die Warnung des Princeton-Ökonomen Harold James hören: „Das Design einer neuen Finanzarchitektur ist komplex und zeitraubend und eignet sich schlecht für globale Konferenzen.“ Die Welt wird sich darauf einstellen müssen, dass es auch künftig Krisen gibt, in denen große Vermögen dahinschmelzen. Doch insgesamt ist der Kapitalismus ein bisschen stabiler geworden.

          Schärfere Regeln im Casino

          Kein Wunder, liegen doch hinter Pittsburgh ein Jahr der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise, zwei große Vorbereitungstreffen in Washington und London und eine saftige Rechnung über fünf Billionen Euro, die allein die Rettung der Banken die Bürger gekostet hat. Da scheint das Bewusstsein gereift zu sein, dass es mit Formelkompromissen und Weiterwursteln dieses Mal nicht getan ist. „Das Casino hat schon wieder geöffnet“, behaupten jetzt viele Kritiker. Was sie übersehen: Seit dem 25. September gelten im Casino schärfere Spielregeln. (wer es nicht glaubt, lese das Abschlusskommuniqué (in englischer Sprache))

          Das fängt schon an mit den vieldiskutierten Boni für die Banker. Exzessive Bezahlung habe die Leute im Finanzsektor gierig werden lassen und dazu ermuntert, zu hohe Risiken einzugehen, heißt es im Pittsburgh-Dokument. Künftig sollen Boni der langfristigen Wertsteigerung der Bank dienen, anstatt unmäßiges Risikoverhalten zu belohnen. Das klingt weich, ist es aber nicht: Denn staatliche Aufsichtsbehörden sollen künftig in allen Ländern das Recht erhalten, einzugreifen und den Banken noch höhere Eigenkapitalvorschriften aufzubürden, falls sie sich um ordentliche Vergütungsstrukturen herumdrücken. Auch soll der Anteil der variablen Vergütung für die Banker in einem angemessenen Verhältnis zu einer gesunden Kapitalbasis stehen.

          Investmentbanker Dibelius stimmt ausdrücklich zu: „Es ist richtig, dass der Regulator eingreifen kann, wenn eine Bank zu kippen droht“, sagt er. Wenn dadurch verhindert wird, dass anschließend der Steuerzahler die Zeche bezahlen muss, dann ist der Eingriff auch legitim. Nicht legitim wäre es, hätte sich Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy mit seinem Vorschlag durchgesetzt, eine absolute Höhe der Managervergütung vorzugeben. Das wäre der Übergang in die staatliche Kontroll- und Planwirtschaft gewesen.

          Wichtig: Banken müssen mehr Eigenkapital vorhalten

          Ein wichtiger Beschluss aus Pittsburgh lautet: Die Banken müssen für ihre Geschäfte mehr Eigenkapital vorhalten. Und zwar je riskanter die Geschäfte, desto höher das geforderte Eigenkapital. Bis zum Jahr 2011 sollen diese sogenannten Basel-II-Regeln weltweit umgesetzt werden. So wird verhindert, dass die Banken weiter mit Milliarden jonglieren, praktisch ohne Risikopuffer. „Heute haften die Banken mit vier Prozent der Bilanzsumme, das ist viel zu wenig“, sagt Ifo-Chef Hans-Werner Sinn und lobt die in Pittsburgh beschlossene Erhöhung der Eigenkapitalquoten daher als „richtig und wichtig“.

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