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Fusion : Frankreich schließt die Reihen im Energiemarkt

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Bild: F.A.Z.

Frankreich will die beiden Energieunternehmen Suez und Gaz de France zusammenschließen. Mit der Fusion könnte ein Übernahmeversuch des italienischen Konzerns Enel abgewehrt werden. Die Regierung in Rom ist empört.

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          Frankreich will unter wesentlicher Beteiligung des Staates seine beiden Energieversorger Suez und Gaz de France (GdF) zusammenlegen. Dies gab die französische Regierung zusammen mit den Präsidenten beider Unternehmen am Samstag in Paris bekannt. Weniger als eine Woche nach dem noch unbeantworteten Übernahmeangebot des deutschen Energieversorgers Eon für den spanischen Anbieter Endesa will Frankreich mit einem umfassenden Konsolidierungsschritt somit Fakten schaffen.

          Der Zusammenschluß ist eine direkte Reaktion auf die Übernahmeavancen des führenden italienischen Stromversorgers Enel. Dieser hatte Mitte vergangener Woche sein Interesse an der belgischen Suez-Tochtergesellschaft Electrabel sowie an Suez selbst bekundet. „Die Unabhängigkeit unseres Landes von Energielieferungen ist für Frankreich von strategischer Wichtigkeit“, erklärte Premierminister Dominique de Villepin.

          Energiegigant mit 72 Milliarden Euro Börsenwert

          Suez und GdF dürften nach aktuellem Stand einen Konzern mit einem Börsenwert von mindestens 72 Milliarden Euro und einem Umsatz auf Basis der Zahlen des vergangenen Jahres von rund 64 Milliarden Euro bilden. Die Details der Transaktion müssen noch ausgehandelt werden, doch in Bankenkreisen hieß es, daß Suez den GdF-Aktionären zu einem großen Teil eigene Aktien, ergänzt durch eine Barsumme, anbieten könnte.

          GdF wird in dem Gespann der Juniorpartner sein. Der Gasversorger ist im vergangenen Sommer teilprivatisiert worden. Seither hält der französische Staat noch rund 80 Prozent. Mit der Fusion wird die staatliche Beteiligung an den von GdF eingebrachten Geschäftsbereichen sinken, bei Suez würde jedoch erstmals seit der Privatisierung im Jahr 1987 der Staat wieder als wesentlicher Aktionär mitwirken. Wirtschafts- und Finanzminister Thierry Breton sagte in einem Interview am Sonntag, daß der französische Staat mindestens eine Sperrminorität von 34 Prozent halten werde.

          Kritik aus Italien

          Die Initiative Frankreichs ist international auf Kritik gestoßen, vor allem in Italien. Der italienische Industrieminister Claudio Scajola sagte ein für diesen Montag zu einem anderen Thema vorgesehenes Treffen mit seinem französischen Amtskollegen Francois Loos ab. Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti forderte die Regierungen der Europäischen Union auf, ihre Unternehmen nicht länger vor ausländischen Übernahmeofferten zu schützen: „Wir haben noch Zeit, den Aufbau nationaler Hürden zu stoppen. Wenn nicht, riskieren wir Auswirkungen wie im August 1914“, sagte er in Anspielung auf den Ersten Weltkrieg. Auch die spanische Regierung sucht nach Wegen, um den Verkauf von Endesa an Eon zu verhindern.

          Italien indes pocht auf die Offenheit seiner Märkte und verweist darauf, daß EdF im vergangenen Jahr die Kontrolle an der italienischen Nummer zwei, Edison, übernahm und die französische Großbank BNP Paribas vor wenigen Wochen ungehindert ein Übernahmeangebot für das italienische Finanzinstitut BNL vorlegen konnte. Belgien hat den Zusammenschluß von Suez und GdF dagegen begrüßt. Laut Finanzminister Didier Reynders ist es wichtig, daß Suez in der aktuellen Konsolidierungswelle ein Akteur sei, nicht nur ein Zuschauer.

          Seit Monaten über Zusammenschluß diskutiert?

          Über eine Annäherung von Suez und GdF wird schon seit längerem nachgedacht, zumal Energieexperten eine Kooperation zwischen Gas- und Stromproduzenten für sinnvoll halten. Villepin sagte, die beiden Unternehmen würden „seit Monaten“ schon einen Zusammenschluß diskutieren. Suez und GdF arbeiten bereits als gemeinsame Betreiber einiger Kraftwerke in Südfrankreich zusammen. Suez, hervorgegangen aus der Gesellschaft Lyonnaise des Eaux, bezeichnet sich als fünftgrößten Stromanbieter und als sechstgrößten Gaslieferanten Europas. 76 Prozent seines Umsatzes erzielt das Unternehmen außerhalb Frankreichs. Suez hat mehr als 160.000 Mitarbeiter und verzeichnete 2005 einen Umsatz von 41,5 Milliarden Euro. Neben der Energie sind die Wasserversorgung und die Abfallentsorgung ein wesentlicher Geschäftsbereich, der für rund ein Viertel des Konzerngewinns steht.

          An der Börse ist Suez etwa die Hälfte mehr wert als GdF. Der Gasversorger mit seinen 38.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 22,4 Milliarden Euro (2005) ist an der Börse derzeit mit dem Faktor 6,5 seines Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) bewertet. Zum Vergleich: Eon bietet für Endesa das 4,5fache. Die Regierung muß für den Zusammenschluß nun ein Gesetz ändern, das bisher die Senkung des Staatsanteils an GdF unter 70 Prozent verbietet. Die französischen Gewerkschaften lehnen die Fusion mit Suez mehrheitlich ab, weil sie keine Privatisierung des Unternehmens wollen.

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