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Furcht vor Kosten : Das Ruhrgebiet hat keine Lust mehr auf die Energiewende

  • -Aktualisiert am

Braunkohletagebau bei Garzweiler in Nordrhein-Westfalen Bild: dpa

In Nordrhein-Westfalen wächst der Frust über die Folgen der Energiewende. Weil der Strompreis steigt. Und weil viel Geld nach Bayern hinein und aus NRW hinaus fließt.

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          Während die Bundesregierung die nordrhein-westfälische Industrie auffordert, in der Energiewende eine Vorreiterrolle zu übernehmen, mahnen Konzernführer von Revier-Unternehmen bei den Kosten der Energiewende eine gerechtere Lastenverteilung an. In Essen wollte sich ursprünglich Angela Merkel (CDU) der Debatte zur Folge der Energiewende für Wirtschaft und Gesellschaft im Ruhrgebiet stellen. Aus gesundheitlichen Gründen schickte sie zu einer Veranstaltung am Dienstagabend ihren Kanzleramtsminister und vormaligen Umweltminister Peter Altmaier.

          „Das Ruhrgebiet ist mit seinen großen Stromerzeugungskapazitäten Rückgrat der deutschen Versorgungssicherheit“, bescheinigte Altmaier der Region, in der Steinkohle- und Gaskraftwerke dominant sind. Mit Blick auf große Produktionsstandorte sowie wichtige Forschungs- und Entwicklungszentren bedeutender global tätiger Industrieunternehmen in der Region forderte er die Industrie an Rhein und Ruhr auf, bei der Energiewende eine Vorreiterrolle einzunehmen.

          Grünen-Anhänger akzeptieren steigende Strompreise

          Dagegen bemängelte der Evonik-Vorstandsvorsitzende Klaus Engel, dass Nordrhein-Westfalen trotz des entscheidenden Beitrags zur Versorgungssicherheit drohe, der große Verlierer der Energiewende zu werden. In einer im Auftrag des Initiativkreises Ruhr vom Meinungsforschungsinstitut Forsa regelmäßig durchgeführten repräsentativen Umfrage sehe mittlerweile die Mehrheit der Befragten die Energiewende negativ. Für 71 Prozent sind die deutlich gestiegenen Preise wegen der Energiewende nicht mehr vertretbar.

          62 Prozent der Bürger des Ruhrgebiets sind nicht bereit, wegen der Energiewende künftig immer höhere Strompreise hinzunehmen. Die stärkste Ablehnung ermittelte Forsa bei Arbeitern (78 Prozent) beziehungsweise in Haushalten mit weniger als 1000 Euro Nettoeinkommen (78 Prozent), während unter Beamten 59 Prozent der Befragten und unter Grünen-Anhänger 61 Prozent steigende Stromkosten akzeptieren würden.

          Engel fordert nicht nur eine fortgesetzte Ausgleichsregelung für einzelne energieintensive Unternehmen zum Schutz vor internationalen Wettbewerbsverzerrungen, sondern auch eine neue, regional gerechtere Lastenverteilung in Deutschland. „Rechnet man Erträge und Lasten aus dem Festvergütungssystem des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes gegeneinander auf, kamen die Stromverbraucher in Nordrhein-Westfalen allein 2013 auf ein Minus von 1,8 Milliarden Euro.“

          Dagegen erziele Bayern wegen vieler Solaranlagen mit 1,2 Milliarden Euro den höchsten Überschuss. „Populisten in der Politik müssen endlich damit aufhören, Verbraucher gegen Industrie und Volkswirtschaft auszuspielen“, so Engel.

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