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Für intelligente Stromzähler : Regierung dementiert neue Zwangsabgabe auf Strom

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Will die Bundesregierung den Strompreis weiter verteuern? Und damit intelligente Stromzähler bezahlen? Zurzeit nicht, sagen die Ministerien. Ein Konzept bleibt auf Arbeitsgruppenebene.

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          Das Bundesumwelt- und das Wirtschaftsministerium planen zurzeit keine Zwangsumlage für die Installation moderner Stromzähler. Das stellten die beiden Ressorts am Sonntag in Berlin klar. „Entscheidungen über die flächendeckende Einführung intelligenter Zähler obliegen der neuen Bundesregierung“, erklärte das Wirtschaftsministerium. Das Magazin „Spiegel“ hatte gemeldet, dass die Bundesregierung eine geplante Zwangsumlage plane. Mit dem Geld soll die Einführung intelligenter Stromzähler bezahlt werden, so genannter „Smart Meter“.

          Es handelt sich um ein Konzept auf Arbeitsebene: Die Stromverbraucher müssten bis zum Jahr 2022 insgesamt 10,4 Milliarden Euro aufbringen, so zitiert es das Magazin aus einem Konzept einer Arbeitsgruppe des Wirtschaftsministeriums. Jeder Haushalt müsste dann 8 Euro im Jahr bezahlen, auch wenn er noch keinen „Smart Meter“ hat. Für Neubauten und Modernisierungen würden die neuen Stromzähler zur Pflicht, sie kosten dann 72 Euro im Jahr. Die Vorlage dazu stammt aus einem Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, über das die F.A.Z. im August berichtet hatte.

          Intelligente Stromzähler sind deshalb so interessant, weil Strom bisher kaum gespeichert werden kann. Im Wesentlichen muss er verbraucht werden, wenn er produziert wird - im Fall von erneuerbaren Energien oft dann, wenn die Sonne scheint oder der Wind weht. Intelligente Stromzähler können nun den Stromverbrauch vom Angebot abhängig machen. Wenn der nächste Durchlauf in der Spülmaschine dringend ist, kann sie einige Stunden warten, bis viel Strom zur Verfügung steht.

          Ein „Smart Meter“
          Ein „Smart Meter“ : Bild: dpa

          Andererseits ist längst nicht jeder Experte der Meinung, dass die Einführung intelligenter Stromzähler eine gute Idee ist. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kritisierte, die Betroffenen hätten keinen ausreichenden Nutzen von dem Konzept. IT-Experten fürchten, dass die „Smart Meter“ anfällig für Hacker seien.  Außerdem hat das ideengebende Gutachten der Beratungsgesellschaft Ernst & Young ergeben, dass die flächendeckende Einführung von „Smart Metern“ mehr Geld koste, als sie spare.

          Nach Ansicht des Eon-Vorstandsvorsitzenden Johannes Teyssen drohen die Strompreise schon allein wegen der übrigen Beschlüsse der Großen Koalition zu steigen. „Der Rückgang der Großhandelspreise wird bei weitem nicht ausreichen, um den absehbaren weiteren Anstieg der übrigen Preisbestandteile zu kompensieren“, sagte Teyssen der „Rheinischen Post“ vom Samstag. „Schon heute entfallen nur etwa vier Cent der 28 Cent, die ein Haushalt pro Kilowattstunde zahlt, auf die Stromerzeugung. Um es im Bild zu sagen: Die Nebenkosten sind weit höher als die Miete. Eigentlich ist es Zeit, aus so einer Wohnung auszuziehen.“

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