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Fünf Jahre nach dem Hurrikan : New Orleans baut auf

Anpacken fürs neue Haus: Nicht alle Katrina-Opfer fanden den Mut dazu Bild: AP

Fünf Jahre nach dem Wirbelsturm „Katrina“ ist der Weg zur Normalität in New Orleans noch weit. Viele Menschen werden die Bilder von Schlamm, Zerstörung und Tod nicht los. Manche, die alles verloren hatten, sind nicht wiedergekommen. Andere schöpfen Hoffnung. Ein Besuch bei den Dagebliebenen.

          6 Min.

          Adam Stevenson kennt jeden Winkel im Friedhof St. Louis in New Orleans. Seit acht Jahren bringt er Touristen zu Führungen hierher. New Orleans ist berühmt für seine oberirdischen Grabstätten, und St. Louis am Rande des Altstadt- und Amüsierviertels French Quarter ist der älteste Friedhof, den es hier gibt. Nach dem Wirbelsturm Katrina im Jahr 2005 wurden Stevensons Friedhofstouren zu noch gespenstischeren Veranstaltungen, als sie das wegen der morbiden Materie ohnehin schon waren, denn die Besucher blieben weg. Das Geschäft hat sich seither erholt; stetig, aber zäh. Heute hat Stevenson 70 bis 75 Prozent der Besucher, die er vor Katrina hatte, und nach seiner Meinung bewegen sich viele andere Geschäfte, die vom Tourismus abhängen, auf ähnlichem Niveau. „Nichts ist hier zurück bei 100 Prozent“, sagt der 42 Jahre alte Stevenson.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          An diesem Sonntag wird es fünf Jahre her sein, dass New Orleans und benachbarte Regionen vom Hurrikan Katrina heimgesucht wurden. Der amerikanische Präsident Barack Obama wird zu diesem Anlass in die Stadt reisen. Katrina gehört zu den schlimmsten Naturkatastrophen, die Amerika je erlebt hat. Mehr als 1800 Menschen starben, New Orleans stand zu 80 Prozent unter Wasser, die Bilder von verzweifelt auf Hilfe wartenden Menschen auf Dächern in überfluteten Gebieten oder von den elenden Zuständen in der als Notunterkunft genutzten Football-Arena Superdome sind Amerikanern bis heute lebhaft in Erinnerung. Die Sachschäden wurden auf mehr als 80 Milliarden Dollar geschätzt. So kostspielig war kein anderer Wirbelsturm in der amerikanischen Geschichte.

          Ein völlig unerwarteter Triumph

          Das geschundene New Orleans hat sich seither aufgerichtet, auch wenn es bis heute genug Spuren der damaligen Katastrophe gibt. New Orleans pulsiert wieder und lockt Touristen und Kongressbesucher. Der Wiederaufbau der Stadt kommt voran. Und, besonders wichtig für die Moral: Das einheimische Football-Team New Orleans Saints hat in diesem Jahr die Meisterschaft Superbowl gewonnen. Ein völlig unerwarteter Triumph, der auf der Amüsiermeile Bourbon Street für die größte Party seit vielen Jahren gesorgt und New Orleans „ein neues Siegergefühl“ gegeben hat, wie es das lokale Touristenbüro ausdrückt. New Orleans hat aber noch immer einen weiten Weg vor sich, zumal die Ölpest am nahegelegenen Golf von Mexiko in diesem Jahr für einen neuen Rückschlag gesorgt hat. Das hat selbst Bürgermeister Mitch Landrieu vor wenigen Tagen in einer Rede zugegeben. New Orleans brauche noch einmal fünf Jahre, um sich zu erholen, sagte er.

          Zerstörung und Neuanfang: So manches Grundstück blieb leer

          Statistiken machen die Fortschritte deutlich, zeigen aber auch, dass es noch kein vollständiges Comeback gibt: Im vergangenen Jahr kamen nach Angaben der Tourismusbehörde 7,5 Millionen Besucher in die Stadt. Das ist ein deutlicher Sprung nach vorne gegenüber dem Nach-Katrina-Jahr 2006, als es 3,7 Millionen waren. Das Niveau von 2004 (10,1 Millionen) ist aber noch bei weitem nicht erreicht. Ähnlich ist es bei Kongressen und Seminaren: 2009 gab es 661 Veranstaltungen in der Stadt, mehr als 2006 (360), aber weniger als 2004 (1299). Die Stadt hat auch bis heute nicht zu ihrer früheren Einwohnerzahl zurückgefunden. Viele Menschen sind nach dem Hurrikan, der sie zur Flucht aus New Orleans gezwungen hat, nicht zurückgekommen: Zuletzt hatte New Orleans knapp 355.000 Einwohner, kurz vor Katrina waren es 455.000.

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