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Protest : Der Bauer ist sauer

  • -Aktualisiert am

In Frankreich gehen die Landwirte auf die Barrikaden und protestieren mit brennenden Reifen. Auch gegen Deutschland richtet sich der Groll. Bild: AP

Die französischen Landwirte fühlen sich benachteiligt gegenüber den deutschen Bauern. Haben sie recht? Eine Analyse.

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          In Frankreich sind die Landwirte wieder einmal mehr als wütend. Sie blockieren Autobahnen Richtung Deutschland und Spanien, öffnen Lastwagen und blockieren die Einfahrten zu Schlachthöfen. Sie stürmen Supermärkte und kleben Sticker auf das Fleisch aus anderen Ländern mit der Aufschrift „Herkunft unbekannt“. Sie kritisieren mit ihrem Protest die angeblichen Wettbewerbsverzerrungen innerhalb der Europäischen Union und fordern Preisgarantien vom französischen Staat für ihre Produkte. Insbesondere Deutschland ist für sie der Inbegriff des Bösen. Dort sei mit billigen Arbeitern aus Osteuropa viel preiswerter zu wirtschaften.

          Damit haben sie durchaus recht. Der deutsche Mindestlohn ist geringer als der französische und für Erntehelfer zurzeit sogar noch etwas niedriger. Die niedersächsischen Schlachter arbeiten zudem mit Subunternehmen, in denen noch weniger Lohn gezahlt wird. Doch das ist nicht der Kern der französischen Probleme. In der Logik der Bauern wäre dann die gesamte Globalisierung, also der offene Markt, der Feind. Dann müsste Peugeot sich darüber beschweren, dass VW billiger produzieren kann. Die ganze Globalisierung und selbst der Handel mit Nachbarländern wären hinfällig. Dabei ist es gerade einer der großen Vorteile einer globalisierten Wirtschaft, dass eben nicht alle alles zu identischen Kosten machen. Die französischen Landwirte profitieren zudem von einem offenen Markt, denn sie verkaufen mehr Lebensmittel ins Ausland, als importiert werden. Und das trotz der hohen Kosten.

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          Das eigentliche Problem der Landwirte, auch der deutschen, ist ein anderes. Die europäische Landwirtschaft ist in den vergangenen Jahren immer marktwirtschaftlicher geworden. Die Zeiten fester Abnahmepreise für Milch und Co. sind lange vorbei. Das ist auch gut so. Aber eine Marktöffnung führt auch dazu, dass die Preise schwanken. Momentan sind sie wieder einmal niedrig, so niedrig, dass es vorübergehend kaum zum Leben reicht. Dieses Mal sollen die russischen Sanktionen einer der Gründe sein, weshalb die Lebensmittelhersteller dort nicht mehr loswerden und den europäischen Markt überschwemmen. Auch gebe es eine geringere Nachfrage aus dem krisengeplagten Griechenland und Italien, welches das Interesse an teurem Fleisch verloren haben soll. Schlechtes Wetter oder Naturkatastrophen haben seit jeher Einfluss auf die Preise. Solche Phasen mögen die Landwirte verständlicherweise nicht. Als sie im vergangenen Jahr noch Rekordgewinne erwirtschaftet haben, beschwerte sich niemand über Wettbewerbsverzerrungen.

          Drei Dinge sind momentan in der Tat schwierig für die Bauern. Erstens können sie ihr Angebot nicht so flexibel anpassen, wie sich die Nachfrage verändert. Wenn die Kuh erst mal im Stall ist, bleibt sie da. Zweitens würden solche Preisschwankungen in einem immer offeneren und globalisierten Markt eher zunehmen als abnehmen, prognostizieren Ökonomen, dadurch steige für die Landwirte insgesamt das Risiko, in wirtschaftlich kritische Phasen zu kommen. Drittens hat sich die Landwirtschaft immer weiter spezialisiert. Dadurch wird es immer schwieriger, in solchen Phasen selbst gegensteuern zu können. Wenn der Milchpreis fällt, haben die meisten Milchbauern kein Vieh oder Getreide, mit dem sie diesen Einkommensverlust ausgleichen können.

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