https://www.faz.net/-gqe-7ws2o

Frauenquote : SPD setzt sich im Koalitionsstreit durch

  • Aktualisiert am

Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) kämpft für die Frauenquote Bild: dpa

Nach monatelangem Streit hat sich die große Koalition auf einen gemeinsamen Plan für die Einführung der Frauenquote geeinigt. Auf Drängen der SPD müssen Unternehmen, die sich nicht an die Quote halten, ausnahmslos mit Sanktionen rechnen.

          2 Min.

          Nach wochenlangem Streit haben die Spitzen der großen Koalition eine Frauenquote von 30 Prozent für die größten Unternehmen in Deutschland festgezurrt. Die Partei- und Fraktionschefs von Union und SPD einigten sich am Dienstag bei einem Treffen im Kanzleramt darauf, dass ab 2016 knapp ein Drittel der Aufsichtsratsposten in 108 börsennotierten Unternehmen von Frauen besetzt sein soll - und das ohne Ausnahmen. Das Gesetz soll am 11. Dezember vom Kabinett verabschiedet werden, hieß es in einer Erklärung.

          Es bleibt demnach auch bei den von Frauenministerin Manuela Schwesig und ihrem Justizkollegen Heiko Maas (beide SPD) vorgesehenen Sanktionen gegen Unternehmen, die die Quote unterschreiten. Sollten die Firmen die Posten nicht ausreichend mit Frauen besetzen, bleiben die Stühle künftig leer. Die Frauenquote gilt nach der schwarz-roten Koalitionsvereinbarung auch für Unternehmen im öffentlichen Bereich. Die CSU und CDU hatten im Vorfeld vor zu viel Bürokratie durch umfängliche Berichtspflichten und Quoten durch die Hintertür für weitere Unternehmen gewarnt.

          Zuvor hatte ein „Heulsusen“-Streit das Koalitionsklima belastet. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) hatte SPD-Familienministerin Manuela Schwesig in ihrem Einsatz für die Frauenquote Weinerlichkeit vorgeworfen. SPD-Chef Sigmar Gabriel unterstellte Kauder daraufhin prompt ein Frauen-Problem. Und SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi kritisierte den 65 Jahre alten Kauder in der „Nordwest-Zeitung“ mit den Worten: „Ich finde, das war ein unsäglicher Macho-Spruch.“ Das zeuge von Überheblichkeit und „schlechter Kinderstube“.

          Nach den ruppigen Tönen wollten Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel, CSU-Chef Horst Seehofer, SPD-Chef Sigmar Gabriel und die Bundestagsfraktionsvorsitzenden bei ihrem Treffen knapp ein Jahr nach dem Start der schwarz-roten Koalition ein Signal der Harmonie senden.

          Mehr Geld für Flüchtlinge

          Daneben ging es im Kanzleramt auch um Flüchtlinge. Die SPD will in den nächsten Wochen durchsetzen, dass der Bund Städten und Gemeinden mit bis zu einer Milliarde Euro bei der Unterbringung und den Gesundheits- sowie Bildungskosten für die nach Deutschland vor Krieg und Gewalt geflüchteten Menschen hilft. Nach dem Treffen wurde betont, man wolle die Länder substanziell unterstützen, eine konkrete Summe wurde aber nicht genannt.

          Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hatte sich zuvor verstimmt gezeigt über das Vorpreschen Gabriels, der die SPD-Forderung öffentlich gemacht hatte. „Es könnte ja sein, dass Herr Gabriel das, was er da gesagt hat, gar nicht erfunden hat, sondern dass er es nur als erster öffentlich gemacht hat und dass es die Gespräche seit längerem gibt“, so de Maizière. „Wir sind der Meinung, dass wir erst dann etwas verkünden, wenn es am Ende der Debatte ist.“

          Weitere Themen

          Die Härten der Realpolitik

          TV-Kritik zu „Maybrit Illner“ : Die Härten der Realpolitik

          Der Einmarsch der Türkei in Syrien beherrscht die öffentliche und politische Debatte auch in Deutschland. „Wie machtlos ist Europa?“ fragte Maybrit Illner ihre Gäste und erhielt eine nüchterne Bestandsaufnahme der deutschen Außenpolitik.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.