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Neue Daten von EY : Frauen in der Führung - viel Gerede, wenig Veränderung

Anke Schäferkordt, Ko-Vorstandsvorsitzende des Fernsehsenders RTL ist bislang die einzige Frau an der Spitze eines börsennotierten Unternehmens. Bild: Handout RTL

Mehr Frauen sollen in die Chefetagen – zumindest theoretisch. Doch in den vergangenen Jahren hat sich herzlich wenig getan. Das zeigen neue Zahlen der Unternehmensberatung EY. Einen kleinen Lichtblick gibt es aber.

          Viel ist in den vergangenen Jahren über den Frauenanteil in Führungspositionen geredet worden – getan hat sich zumindest in Deutschland immer noch wenig. Derzeit stehen in den Vorständen der börsennotierten Unternehmen 40 Frauen 641 Männern gegenüber, hat die Unternehmensberatung EY ausgerechnet. Der Frauenanteil liegt damit bei 5,9 Prozent. Im Vergleich zum vergangenen Jahr ist das zwar eine Steigerung um einen halben Prozentpunkt, im Vergleich zum Jahr 2013 allerdings ein Rückgang: Damals lag der Anteil schon einmal knapp über 6 Prozent.

          Drei von vier Vorstandsgremien der insgesamt 160 Unternehmen in Dax, M-Dax, S-Dax und Tec-Dax sind nach wie vor ausschließlich mit Männern besetzt. Dass es auch anders geht, zeigen jene drei Dax-Konzerne, die zwei oder mehr weibliche Vorstandsmitglieder haben: Lufthansa, Munich Re und Siemens. An der Spitze eines börsennotierten Unternehmen steht in Deutschland bislang erst eine Frau: Anke Schäferkordt, die Ko-Vorstandsvorsitzende des Fernsehsenders RTL.

          „Enttäuschendes Ergebnis“

          „Deutsche Vorstandsetagen bleiben mehrheitlich männliche Monokulturen“, kommentierte Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der Geschäftsführung bei EY, die neuesten Zahlen. „Vor dem Hintergrund der seit vielen Jahren anhaltenden Diskussion ist das ein enttäuschendes Ergebnis.“ Allerdings attestiert die Beraterin den Unternehmen einen, wenn auch zögerlichen, Veränderungswillen: „Die Kultur ist nicht mehr so vorsichtig wie vor der Quoten-Diskussion, sondern sehr viel pragmatischer. Inzwischen wird in sehr vielen Unternehmen durchaus intensiv daran gearbeitet, Frauen bessere Aufstiegschancen zu ermöglichen.“

          Vieles deutet darauf hin, dass die Unternehmen ihre Anstrengungen in den vergangenen Monaten auf die Aufsichtsräte konzentriert haben, jenen Bereich der Führungsetagen also, für den ab diesem Jahr die gesetzliche Quote von 30 Prozent gilt. Viele der rund 100 börsennotierten und voll mitbestimmungspflichtigen Unternehmen, die davon betroffen sind, erfüllen die Vorgabe schon heute. Im Schnitt liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten dieser Unternehmen aktuell bei 23,1 Prozent.

          Für die Vorstände und die Ebenen darunter verpflichtet das Gesetz mehr als 3500 Unternehmen, sich selbst freiwillige Ziele zu setzen. Hier gibt es noch eine gewisse Zurückhaltung. Für die Vorstandsebene planen laut der Organisation Fidar (Frauen in die Aufsichtsräte) nur 11 der 49 Unternehmen, die bislang eine Zielgröße veröffentlicht haben, den Frauenanteil zu steigern. Die meisten geben sich mit dem Status quo zufrieden. 23 Unternehmen, die bislang noch keine Frau auf Vorstandsebene haben, geben auch als Zielgröße 0 Prozent an.

          Den Vorstandsfrauen wird mehr zugetraut

          Unter allen börsennotierten Unternehmen haben die im öffentlichen Rampenlicht stehenden 30 Dax-Konzerne die meisten Frauen im Vorstand. Dort stieg der Anteil EY zufolge im vergangenen halben Jahr von 7,7 auf 8,7 Prozent, die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder von 15 auf 17. Auch in den S-Dax-Unternehmen erhöhte sich der Anteil, von 6,9 auf 7,9 Prozent. So gut wie nichts getan hat sich nach Angaben der Berater dagegen im Tec-Dax und im M-Dax, wo die Zahlen bei 3,6 beziehungsweise 2,5 Prozent verharren.

          Einen Lichtblick im Zahlenwerk gibt es: Dort, wo es Frauen in Vorstandspositionen geschafft haben, wird ihnen mehr zugetraut. Zwar ist immer noch jede fünfte Vorstandsfrau für das vermeintlich weiche Ressort Personal zuständig. Aber 38 Prozent führen inzwischen operative Bereiche wie Produktion oder Logistik.

          Dass sich techniklastige Unternehmen mit der Beförderung von Frauen schwertun, lässt sich durch das Zahlenwerk nicht bestätigen: Die meisten weiblichen Vorstände gibt es demnach mit einem Anteil von 14 Prozent in der Transport- und Logistik-Branche. In der Konsumgüterindustrie sind es dagegen gerademal 5 Prozent.

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