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Arbeitsmarktreform : In Frankreich wird der Sprit knapp

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Die französische Polizei hat am Morgen Proteste gegen die Arbeitsmarktreform in Marseille gestoppt. Bild: Reuters

Proteste gegen die Arbeitsmarktreform legen Raffinerien lahm. Die französische Polizei ist in Marseille mit Tränengas gegen die Demonstranten vorgegangen. Gewerkschaftler kritisieren die „Kriegsszenen“.

          In Frankreich bekommen jetzt auch die Autofahrer die Proteste gegen die Arbeitsmarktreform zu spüren. Denn streikende Arbeiter blockieren einen erheblichen Teil der Raffinerien des Landes. Dadurch bildeten sich im Westen und im Norden des Landes sowie teilweise im Großraum Paris lange Schlangen an den Tankstellen.

          Mehr als zehn Prozent der 12.000 Tankstellen haben nach französischen Medienangaben keine oder rasch zu Ende gehende Vorräte. Am Montagnachmittag wurden sechs der acht Raffinerien Frankreichs bestreikt, berichtete ein Sprecher der Gewerkschaft CGT. Protestierende Gewerkschaftsmitglieder hatten Reifen auf den Straßen aufgetürmt und sie teilweise angezündet.

          Die Proteste richten sich gegen die Arbeitsrechtsreform der sozialistischen Regierung, die eine Lockerung des Arbeitsrechts vorsieht. Die Lastwagenfahrer, die sich auch dem Streik angeschlossen haben, befürchten darüber hinaus eine Senkung ihrer Überstundenzuschläge.

          Schlangen werden immer länger

          Schon am Sonntag hat die Polizei einige Standorte geräumt, um die Versorgung wieder in Gang zu bringen. Das Sonntagsfahrverbot für Tankfahrzeuge wurde aufgehoben.

          Die Schlangen an den Tankstellen werden auch deshalb immer länger, weil die Autofahrer mit vollen Tanks für noch schwierigere Zeiten vorsorgen wollen. An vielen Tankstellen wurden die verfügbaren Mengen daher rationiert. In den Grenzregionen im Norden Frankreichs fahren viele Autofahrer zum Tanken über die Grenze nach Belgien.

          Tränengas und „Kriegsszenen“

          Französische Polizisten haben die Blockade einer Raffinerie und eines Treibstofflagers in der Nähe von Marseille geräumt. Die Beamten setzten am Dienstagmorgen Tränengas gegen Gewerkschaftsaktivisten ein, die seit einem Tag die Zugänge in Fos-sur-Mer blockierten.

          Die Behörden begründeten das Vorgehen mit Widerstand: Die Aktivisten hätten Wurfgeschosse gegen die Polizisten gerichtet und Paletten sowie Reifen angezündet, sagte der Polizeipräfekt Laurent Nuñez dem Sender BFMTV.

          Premierminister Manuel Valls hatte zuvor ein entschlossenes Handeln angekündigt, um eine Treibstoff-Knappheit zu verhindern. Der Funktionär Emmanuel Lépine der Gewerkschaft CGT warf den Behörden gewaltsames Vorgehen vor und sagte, das seien beinahe „Kriegsszenen“.

          Unterdessen hat die Gewerkschaft CGT bei der Pariser Transportgesellschaft RATP vom 2. Juni an einen zeitlich unbegrenzten Streik angekündigt. Zu welchen Störungen es dadurch kommt, wird sich in der kommenden Woche zeigen. Die Regierung hat die Forderung der Demonstranten nach einem vollständigen Rückzug der Arbeitsrechtsreform indes abgelehnt.

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