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Frankreich : Finanzsteuer vertreibt Aktienhandel

Wenig Wind Bild: dpa

Der französische Staat nimmt mit der Finanztransaktionssteuer deutlich weniger Geld ein als erhofft. Außerdem können viele Anleger die Belastung ohnehin vermeiden.

          Die französische Finanztransaktionssteuer bringt dem Staat deutlich weniger Einnahmen als ursprünglich angenommen. Im Haushaltsplan für das kommende Jahr hat die Regierung nur noch 700 Millionen Euro veranschlagt. Das vergleicht sich mit 1,5 Milliarden Euro, die im Haushaltsgesetz für 2013 unterstellt wurden. In Regierungskreisen wird eingeräumt, dass ein Rückgang des Handelsvolumens mit französischen Aktien den Einnahmeausfall mit bewirkt habe. Bei neuen Steuern seien Fehleinschätzungen nicht ungewöhnlich.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Frankreich erhebt seit August 2012 eine Steuer auf alle Aktienkäufe von französischen Gesellschaften, die einen Börsenwert von mindestens einer Milliarde Euro aufweisen. Derzeit betrifft die Abgabe rund 120 Wertpapiere. Den ursprünglich von Präsident Nicolas Sarkozy vorgesehenen Steuersatz von 0,1 Prozent des Aktienwertes haben die Sozialisten auf 0,2 Prozent verdoppelt. Damit liegt die französische Steuer deutlich unter der britischen Börsenumsatzsteuer (0,5 bis 1,5 Prozent des Aktienwertes), aber dennoch hat sie zu Verwerfungen am Finanzplatz Paris geführt.

          Möglichkeiten, der Steuer auszuweichen

          Die amerikanisch-französische Börse Nyse Euronext berichtet, dass das Handelsvolumen mit französischen Aktien seit Jahresbeginn um 20 Prozent hinter jene Aktien zurückgefallen sind, die nicht von der Steuer betroffen sind. Schrittweise hat die Abwendung von französischen Aktien zugenommen. Im vergangenen Jahr seien es noch 10 bis 15 Prozent gewesen, weil ausländische Häuser die Steuer erst nur zögerlich zahlten. Die detaillierten Steuervorschriften waren erst sehr spät und nur auf Französisch herausgeschickt worden.

          Die professionellen Anleger entgehen der Steuer nach Angaben von Nyse Euronext, indem sie Aktien anderer Nationalität, aber der gleichen Branche kaufen. „Die Steuer bezahlt vor allem der Familienvater, der vorsorgen will“, sagt Pierre-Antoine Dusoulier, Händler bei der französischen Saxo Banque. Zudem weichen viele Anleger auf Derivate aus, die nicht von der Steuer erfasst werden, vor allem die sogenannten Contracts for Difference (CFD), welche die Kursbewegungen von Aktien oder Indizes nur nachbilden.

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