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Fracking : Schieferöl könnte Deutschland reicher machen

Das Gestein soll brechen: Fracking ist aus Umweltschutzgründen umstritten Bild: Reuters

Eine neue Studie belegt: Kaum ein Land würde so stark vom Ölfracking profitieren wie die Bundesrepublik. Das größte Förderpotential sehen Experten in Polen. Doch die Methode ist hoch umstritten.

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          In Argentinien will der Staatskonzern YPF gemeinsam mit dem Partner Chevron riesige Ölreserven aus der Vaca-Muerta-Gesteinsformation holen. Russland erwägt, mit Steuervorteilen Investoren für die Erkundung des vielversprechenden sibirischen Bazhenov-Gebiets zu gewinnen. In der australischen Wüste glaubt das Explorationsunternehmen Linc Energy ein großes Erdölfeld aufgespürt zu haben. Die auf der ganzen Welt verstreuten Energieprojekte haben alle eines gemeinsam: Die Ölvorkommen sind in undurchlässigem Schiefergestein eingeschlossen und sollen mit Hilfe der sogenannten Fracking-Methode gehoben werden. Der Schieferfels wird dabei mit einem Cocktail aus Wasser, Sand und Chemikalien aufgesprengt.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Fracking ist aus Umweltschutzgründen hoch umstritten, aber eine neue Bohrmethode hat in den Vereinigten Staaten seit der Jahrtausendwende zuerst die Erdgas- und dann die Erdölförderung revolutioniert. Außerhalb Nordamerikas wird das Ölfracking dagegen bisher nicht angewandt. Kann das Schieferöl in Zukunft auch im Rest der Welt für ein Energiewunder sorgen? Ja, sagen die Experten des Beratungsunternehmens PwC - und kaum ein Land auf der Welt hätte dadurch so große Vorteile wie Deutschland. In einer Studie zum Energiemarkt prognostiziert PwC, das Schieferöl könnte langfristig zum „Turbo für die Weltwirtschaft“ werden, wenn die Vorkommen rund um den Globus konsequent erschlossen würden. Dank des zusätzlichen Angebots könnte der Ölpreis im Jahr 2035 um 25 bis 40 Prozent niedriger liegen als bisher angenommen.

          Deutschland als drittgrößter Profiteur

          Deutschland als großes Ölimportland würde vom niedrigeren Weltmarktpreis überdurchschnittlich profitieren, selbst wenn hierzulande auf die Schieferölförderung aus Umweltschutzgründen verzichtet würde. Zwischen 2 und 5 Prozent höher könnte die deutsche Wirtschaftsleistung dadurch zur Mitte des übernächsten Jahrzehnts ausfallen. Von den führenden Volkswirtschaften wäre Deutschland damit nach Schätzung von PwC hinter Indien und Japan der drittgrößte Profiteur einer möglichen Schieferölschwemme. Verlierer wären dagegen vor allem die Mitglieder des Ölförderkartells Opec wie Saudi-Arabien, Nigeria und Venezuela.

          Die Annahmen, auf denen diese Prognosen basieren, sind allerdings vergleichsweise kühn: PwC erwartet, dass sich die globale Schieferölförderung bis zum Jahr 2035 auf 14 Millionen Barrel (zu 159 Liter) versiebenfachen wird. Die Prognose liegt damit viermal so hoch wie die der renommierten Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris.

          Adam Lyons, Geschäftsführer von PwC in Großbritannien und einer der Autoren der Studie, ficht das nicht an: „Die IEA hat auch das Potential des amerikanischen Schiefergasbooms über Jahre hinweg unterschätzt.“ Andere Energiefachleute sind ähnlich optimistisch wie PwC. Auch der britische Ölkonzern BP sagte im Januar in seinem „Energy Outlook“ für das Jahr 2030 eine Schieferölförderung von annähernd 10 Millionen Barrel täglich voraus.

          Gewaltige wirtschaftliche und ökologische Folgen

          Das heutige Ausmaß der Schieferöl-Bonanza in den Vereinigten Staaten hat dagegen kaum ein Fachmann frühzeitig kommen sehen. Auch die großen Ölkonzerne sprangen erst spät auf den Zug auf. Die Schieferölproduktion hat sich in den vergangenen sieben Jahren verzehnfacht und machte im vergangenen Jahr rund ein Viertel der gesamten Ölförderung des Landes aus - ein unverhoffter Wohlstandsschub für die von der Finanzkrise gebeutelte Supermacht. Die amerikanische Energiebehörde EIA rechnet bis zum Ende des Jahrzehnts mit weiter steigenden Zahlen. BP hält es für möglich, dass die Vereinigten Staaten dank des Schieferschatzes dieses Jahr Saudi-Arabien als größtes Ölförderland der Welt ablösen.

          Wenn das Schieferöl mittelfristig tatsächlich auch außerhalb Nordamerikas im großen Stil ausgebeutet werden sollte, könnte das gewaltige Folgen haben - wirtschaftliche und ökologische. Die Weltwirtschaft wäre in Zukunft wohl weniger abhängig von einer kleinen Anzahl mächtiger Ölstaaten, denn die Schieferölvorkommen sind offenbar weiträumiger verteilt als die bisherigen Ölquellen. Als eines der vielversprechendsten Länder gilt China, das bisher kaum eigenes Öl hat. In Europa sehen Geologen das größte Schieferölpotential in Polen. Bedenklich wäre die Globalisierung der Schieferölförderung dagegen für den Klimaschutz: Wenn der Ölpreisanstieg durch zusätzliche Angebotsmengen geringer ausfällt, sinkt der Anreiz, sparsamer mit dem klimaschädlichen Brennstoff umzugehen.

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