https://www.faz.net/-gqe-uti0

Forstwirtschaft : China hat Interesse am deutschen Wald

  • Aktualisiert am

„Es gibt längst eine Weltforstwirtschaft” Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Deutschland verfügt über große Holzreserven. Das lockt Käufer - sogar asiatische. Die deutschen Förster sind besorgt, dass chinesische Agrarmakler im großen Stil Wälder kaufen könnten. In Celle hätten Chinesen gerade erst 500 Hektar gekauft. In Schleswig-Holstein werde über Verkäufe verhandelt.

          Der brasilianische Politiker Gilberto Mestrino soll einmal gesagt haben: „Wald ist überflüssig. Auf anderen Planeten gibt es auch keine Bäume.“ Die deutschen Förster sehen das naturgemäß anders. Sie sind besorgt darüber, dass der deutsche Wald sich zu einem reinen Wirtschaftsgut entwickelt, und sie sorgen sich, dass chinesische Investoren über Agrarmakler im großen Stil Wälder kaufen könnten.

          Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) meldet, gerade erst hätten Chinesen bei Celle 500 Hektar gekauft, und über Verkäufe in Schleswig-Holstein werde verhandelt. „Das beunruhigt mich“, sagt der BDF-Vorsitzende Bernhard Dierdorf. Die Globalisierung mache vor dem Wald nicht halt. „Es gibt längst eine Weltforstwirtschaft.“

          „Eintrittsgeld für den Wald“

          Potentielle Waldkäufe haben verschiedene Anlaufstellen. 30 Prozent des deutschen Waldes gehören den Ländern, knapp 20 Prozent den Kommunen und 4 Prozent dem Bund. Der Rest ist Privatwald, mehrheitlich sind dies kleine Wälder von wenigen Hektar. Ute Kreienmeier, Referentin beim Deutschen Städte- und Gemeindebund, sagt, in den neunziger Jahren sei es in den Kommunen ein großes Thema gewesen, Wald zu verkaufen. Diese Diskussion habe man im Großen und Ganzen hinter sich gelassen, auch wegen der gestiegenen Holzpreise.

          Kommt China mit der großen Säge?

          Bei den Ländern sei dies anders. So will Nordrhein-Westfalen Splitterwaldflächen, die kaum lohnend bewirtschaftet werden können, verkaufen - und im Gegenzug Naturschutzwälder aufkaufen. Kreienmeier befürchtet, dass es Zugeständnisse an die Käufer geben wird: „Wir werden irgendwann wieder über Eintrittsgeld für den Wald sprechen.“

          „Genaue Zahlen hat aber niemand“

          Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bestätigt, in jüngster Zeit seien verstärkt Verkäufe zu beobachten. „Genaue Zahlen hat aber niemand“, sagt Geschäftsführer Christoph Rullmann. Es gebe keine umfassende Statistik. Ein Verkauf an chinesische Investoren hält er aber nicht für problematisch. Standortgerechte Bewirtschaftung, Verjüngung, Waldbetretungsrecht - daran müssten sich auch die Chinesen halten. Besser als den Verkauf fände er es aber, wenn sich die Waldbesitzer zu Betriebsgemeinschaften zusammenschlössen.

          Der Deutsche Holzabsatzfonds, eine Einrichtung zur Holzvermarktung, hat ebenfalls wenig Bedenken. Das Nachhaltigkeitsprinzip sei im Bundeswaldgesetz und den Waldgesetzen der Länder verankert, sagt ein Sprecher. „Diese Gesetze gelten auch für chinesische Eigner, falls es ihnen gelingen sollte, Waldflächen in Deutschland aufzukaufen.“

          In den achtziger Jahren war Holz viel teurer

          Das sieht auch der Vorsitzende der Forstleute, Dierdorf, so. Er fürchtet aber, dass Investoren im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten auf Quantität statt Qualität setzen könnten, auf schnell wachsende Bäume und Reinkulturen statt auf Mischwald. Und er sagt, dass der Wald zwar Wirtschaftsgut sei, aber auch eine ökologische Funktion habe und als Erholungsgebiet diene.

          Deutschland ist von besonderem Interesse für die großen Holzverbraucher, weil es über die größten Holzreserven Europas verfügt. Der Bauboom und die Nachfrage aus dem Ausland haben die Holzpreise steigen lassen. Für das Leitsortiment wurden im Oktober vergangenen Jahres 80 bis 100 Euro je Kubikmeter gezahlt. Im Jahr zuvor waren es nur 60 Euro gewesen. Seit dem Orkan Kyrill im Januar sind die Preise allerdings um etwa ein Viertel gefallen. In den achtziger Jahren war Holz viel teurer. Der Wert einer Waldfläche hängt vom Bestand, dessen Alter und der Lage ab. Grob gerechnet ist ein Hektar im Durchschnitt 20.000 Euro wert.

          Weitere Themen

          Indien verbietet E-Zigaretten Video-Seite öffnen

          Todesfälle durch Vaping : Indien verbietet E-Zigaretten

          In letzter Zeit kam es aber vermehrt zu Lungenkrankheiten und sogar Todesfällen, die Ärzte auf das sogenannte Vaping zurückführen. Viele Regierungen stören sich auch daran, dass die Industrie gezielt Jugendliche anspricht.

          Topmeldungen

          Das war nichts: Gegen Arsenal ist die Eintracht um Filip Kostic unterlegen.

          Heimdebakel in Europa League : Am Ende fällt die Eintracht auseinander

          Achtbarer Auftritt, bitteres Resultat: Frankfurt erspielt sich beim Start in die Europa League Torchancen in Hülle und Fülle, muss sich aber dem FC Arsenal geschlagen geben. In der nächsten Partie wird ein wichtiger Spieler fehlen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.