https://www.faz.net/-gqe-7gj5k

Forsa-Umfrage : Deutsche finden Energiewende schlecht organisiert

  • -Aktualisiert am

Am Seil: Wartungsmonteure überprüfen den Rotorflügel eines Windrades Bild: ZB

Die Deutschen finden die Ziele der Energiewende richtig, halten sie aber für schlecht organisiert - weil sie zu viel Geld kostet. Die Industrie gibt der Energiewende die Note „4 minus“.

          Die Mehrheit der Deutschen hält die Ziele der Energiewende für richtig, hält sie gleichzeitig aber für schlecht gemanagt. Diesen Befund hat eine am Montag veröffentlichte Befragung im Auftrag des Verbraucherzentrale Bundesverband bestätigt. Die Verbraucherschützer sehen die Ergebnisse mit Sorge. Vorsitzender Gerd Billen warnt davor, dass die Politik die Akzeptanz verspielen könnte. Nach der Forsa-Umfrage bewerten 82 Prozent der 1600 befragten Bürger die Ziele der Energiewende als „völlig“ oder „eher“ richtig, 48 Prozent dagegen hielten das Verfahren für „gar nicht“ oder „eher nicht“ richtig organisiert. Die meisten Leute hielten die langfristigen Ziele wie Klimaschutz, Atomausstieg und Versorgungssicherheit gut, litten aber unter den Kosten: 52 Prozent nannten als Nachteil steigende Preise (vor „Verschandelung der Landschaft“ mit 11 Prozent), 42 Prozent sehen sich als Verlierer der Energiewende, 34 Prozent als Gewinner.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Besorgt ist auch die deutsche Industrie. Nach einer vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in Auftrag gegebenen Befragung sieht die Hälfte der Unternehmen ihre Forderung nach „sicherem, sauberem und bezahlbarem Strom, „durch das dürftige Management der Energiewende gefährdet“. Die befragten 734 Entscheider aus Industrie sowie industrienahen Dienstleistungen gaben der Organisation der Energiewende durch Bund und Länder die Schulnote „4 minus“ (im Durchschnitt 4,4). Gut die Hälfte der befragten Unternehmen (50,4 Prozent) erteilt der Politik die Noten „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Weitere 45 Prozent vergeben ein „befriedigend“ oder „ausreichend“. Nur 3,4 Prozent halten die Umsetzung der Energiewende für „sehr gut“ oder „gut“.

          Verbraucherschützer Billen verlangt Korrekturen an der Energiewende, „damit die Stimmung nicht kippt“. Die Kosten dürften nicht weiter steigen. Es müsse auf mehr Kosteneffizienz geachtet, weniger Ausnahmen bei der Finanzierung von Umlagen und Netzentgelten zugelassen und für Wettbewerb und niedriger Preise in der Grundversorgung gesorgt werden. Die Grundversorgung ist das Segment der Versorgung, in dem angeblich 40 Prozent Verbraucher eingestuft sind, die ihren Tarif oder Anbieter aus Trägheit nicht wechseln wollen oder wegen schlechter Bonität keinen anderen Versorger finden.

          Zurückhaltend äußerte sich der Verband zu Vorwürfen, Energieversorger gäben die niedrigen Preise an der Strombörse nicht an die Kunden weiter. Zum einen kauften die Versorger ihren Strom oft über Jahre im voraus ein, zum anderen sei der Kampf um Neukunden so hart, dass Versorger an ihnen oft erst nach zwei oder drei Jahren verdienten.

          Weil die Einspeisevergütungen nach dem Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) Investoren für 20 Jahre gewährt wird, komme es nun darauf an, keine neuen überteuerten Ökostromanbieter zu fördern. Energieexperte Holger Krawinkel forderte, den Ausbau der Windstromerzeugung auf See auslaufen zu lassen. Einerseits sei sie mit anfangs 19 Cent Förderung je Kilowattstunden besonders teuer, zudem kämen Milliardenkosten für den Ausbau der Stromnetze hinzu, die auf Sicht den Anteil der Netzkosten im Strompreis verdoppelt würden. Wenn der Bund oder die Länder einen größeren Ausbau für sinnvoll hielten, sollten sie Mehrkosten dafür aus ihren Etats finanzieren und nicht auf die Stromkunden überwälzen. Kosteneffizienter wäre es, die Ausbauziele allein durch Windstrom an Land zu erreichen.

          Öffnen

          Weitere Themen

          Stillstand beim BVG Video-Seite öffnen

          Warnstreiks im Berufsverkehr : Stillstand beim BVG

          Wegen der laufenden Tarifverhandlungen kommt es zu Warnstreiks der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die Menschen in der Hauptstadt mussten deswegen im morgendlichen Berufsverkehr auf U-Bahn, Straßenbahn und die meisten Busse verzichten.

          Topmeldungen

          Streit um Notstandserklärung : Donald Trumps taktischer Fehler

          Donald Trump missbraucht mit dem Notstand seine Macht – sagen seine Kritiker. In Wahrheit gehe es Amerikas Präsidenten um andere Dinge. Ob ihm die Verordnung wirklich nützt, ist zweifelhaft. Auch aufgrund einer bestimmten Aussage.
          Populärer Sport: Klettern in Hallen wird immer beliebter

          Alpenverein in der Grauzone : Das große Geschäft mit den Kletterhallen

          Klettern in Hallen wird in Deutschland immer beliebter. Doch der Deutsche Alpenverein nutzt die Gemeinnützigkeit aus und bringt Privatinvestoren gegen sich auf. Die finden: „Der DAV ist wie eine Krake.“ Was steckt dahinter?
          Keine Nachfrage: Airbus stellt den A380 ein.

          Zukunft der Luftfahrt : Warum der Airbus A380 scheiterte

          Das größte Passagierflugzeug der Welt wird eingestellt. Im FAZ.NET-Digitec-Podcast diskutieren wir, wie es dazu kam – und welche Fehleinschätzungen sich die Führung von Airbus leistete.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.