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Foodwatch-Studie : Nur Süßes und Fettiges für Kinder

  • -Aktualisiert am

Die süße Qual der Wahl: „Süße und fettige Snacks“ stehen bei vielen Kindern auf dem Speiseplan Bild: dpa

Die Industrie und „perfide Werbung“ sind verantwortlich für Übergewicht - so lautet das Fazit einer Foodwatch-Untersuchung. Fast drei Viertel der untersuchten Produkte gelten demnach als „süße und fettige Snacks“.

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          Der Verbraucherverein Foodwatch hat die Erzeuger von Kindernahrung ins Visier genommen. Ein Großteil der Lebensmittel, die gezielt für Kinder beworben werden, sei süß und fettig, lautet das Ergebnis eines am Dienstag vorgestellten Reports. Er basiert auf einer Auswertung einiger Inhaltsstoffe von mehr als 1500 Produkten - von Cornflakes über Müsliriegel bis hin zu Kindertees.

          Fast drei Viertel der Produkte fiel in die Kategorie „süße und fettige Snacks“. Der Report kommt zu dem schlagzeilenträchtigen Schluss, es sei „praktisch unmöglich, aus dem Angebot, das die Industrie als Kinderprodukte vermarktet, eine ausgewogene Ernährung zusammenzustellen“. Die Unternehmen trügen erhebliche Mitverantwortung für die Fehlernährung von Kindern, sagte eine Mitarbeiterin von Foodwatch - und forderte sogar ein Werbeverbot.

          Obst, Nudeln, Schorlen und ungesüßte Tees sind „grün“

          Rückschlüsse auf die Ernährungssituation deutscher Kinder und Jugendlicher lässt die Studie aber nicht zu. Denn sie untersucht nicht, welche Nahrungsmittel diese Gruppen zu essen bekommen - also etwa auch Obst, Gemüse, Fisch oder Milchprodukte. Durch die Eingrenzung der untersuchten Produkte auf solche, mit der gezielt Kinder umworben werden, wählen die Statistiker vielmehr gerade die Lebensmittel, die besonders süß und fettig sind aus - um dann herauszufinden, dass sie viel zu süß und fettig sind. Zudem wurde Babynahrung nicht mit untersucht. Dabei ist gerade diese oft besonders gesund - biologisch und frei von Zusatzstoffen, wie es viele Eltern wünschen.

          Die Industrie bezeichnete den Report als „unseriös“. Der Verband BLL, dem mehr als 500 Unternehmen angehören, nannte ihn einseitig und überzogen. Die Auswahl der Lebensmittel sei willkürlich. Von 1514 untersuchten Produkten fand Foodwatch 1109 „süße und fettige Snacks“. Die wurden in eine Kategorie „rot“ eingestuft - zum Beispiel „Alnatura Bio Apfelkekse“. Zudem gab es Produkte, die als „teilweise rot“ markiert wurden.

          Im Ergebnis fielen 79 Prozent der untersuchten Kinderlebensmittel zumindest teilweise in die Kategorie „rot“. Bei der Studie ließ sich Foodwatch von der Agentur AID unterstützen, die auch vom Bundesverbraucherschutzministerium finanziert wird. Nur 188 Produkte fielen in die Kategorie „grün“: Obst, Nudeln, Schorlen oder ungesüßte Tees. Die Ergebnisse veranlassten Foodwatch auch zu der Schlussfolgerung, „perfide Werbung“ (wie die Beigabe von Spielzeug zu Cornflakes-Packungen) verführe Kinder zum ungesunden Konsum.

          Das Problem der Fehlernährung ist unumstritten. Laut Robert-Koch-Institut essen 6 bis 11 Jahre alte Kinder in Deutschland mehr als zwei Mal so viele Süßwaren, wie sie aus ernährungswissenschaftlicher Sicht sollten, und nur rund halb so viel Obst, wie sie sollten. 6 Prozent der deutschen Kinder gelten als fettleibig. Erst vor wenigen Tagen hatten Experten der Vereinten Nationen Sondersteuern auf Chips, Softdrinks und fettiges Essen gefordert.

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