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Folgen der Finanzkrise : Britischer Schatzkanzler kündigt Kürzung der Sozialausgaben an

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George Osborne in einer Autofabrik in Birmingham. Bild: Bloomberg

Großbritannien muss umgerechnet weitere 30 Milliarden Euro einsparen, sagt sein Finanzminister. Im Gespräch sind offenbar Wohn-Zuschüsse und auch Leistungen für Ruheständler.

          Großbritannien muss nach Einschätzung von Finanzminister George Osborne nach der Parlamentswahl im kommenden Jahr noch einmal kräftig den Rotstift ansetzen. Es seien Einsparungen im Umfang von 25 Milliarden Pfund (30 Milliarden Euro) nötig, kündigte Osborne gegenüber dem Sender BBC an. „Wir müssen Entscheidungen treffen, wo die Sparschritte erfolgen können.“ Es sei wahrscheinlich, dass die Sozialausgaben am stärksten betroffen sein werden.

          Dabei nannte er Wohn-Zuschüsse für Besserverdiener und Unterfünfundzwanzigjährige als Einsparmöglichkeiten ebenso wie beispielsweise Ferseh-Lizenzen und Busfahrscheine für Ruheständler. Er schränkte allerdings ein: „Wenn es um Einsparmöglichkeiten im Bereich der Sozialausgaben geht, wären die Leistungen für Pensionäre nicht das Erste, was ich mir ansehen würde.“

          Dieses Jahr werde für Großbritannien eines der harten Wahrheiten werden. Nicht nur die weiteren erforderlichen Einsparungen seien ein Grund dafür, sondern auch die weiter bestehenden Probleme der britischen Wirtschaft: „Eine harte Wahrheit lautet: Dieses Land ist infolge des Wirtschaftskollapses vor sechs oder sieben Jahren deutlich ärmer als heute. Und viele Familien spüren das.“

          Gerade erst stellten britische Gewerkschaften heraus, dass das durchschnittliche Einkommen eines britischen Arbeitnehmers nach Abzug der Inflationsrate heute um 14 Prozent niedriger liege als im Jahr 2008. Und sogar der oberste Lobbyist der britischen Arbeitgeber forderte in seiner Neujahrsansprache die Mitgliedsunternehmen seines Verbandes dazu auf, Geringverdienern höhere Löhne zu zahlen - und damit die vielfach gestiegene Profitabilität weiterzugeben.

          Der Abbau des weiterhin großen Haushaltsdefizits ist dem Finanzminister zufolge noch lange nicht beendet, wie aus einem vorab verbreiteten Auszug aus einer Rede zur Lage der britischen Wirtschaft hervorgeht, die Osborne heute in einer Fabrik halten will. Nur wenn ausreichend eingespart werde, seien auch Steuerkürzungen möglich.

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