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Schweizer Flughafen Sion : Der diskrete Landeplatz der Super-Reichen

  • Aktualisiert am

Flughafen Sion im Wallis Bild: Picture-Alliance

Auf dem Flughafen Sion in der Schweiz landen die Geschäftsflugzeuge und Hubschrauber der Super-Reichen. Auf den Bergen im Wallis locken exklusive Skipisten.

          Eingebettet zwischen hohen Bergen im Süden der Schweiz befindet sich ein Spielplatz der Milliardäre, der als Flughafen daherkommt. In den Wintermonaten füllt sich der Flughafen Sion, der auch von der Schweizer Luftwaffe genutzt wird, mit den Geschäftsflugzeugen und Hubschraubern der Super-Reichen. Sie werden von der Aussicht angezogen, einige der exklusivsten Ski- Orte Europas von hier aus in nur 50 Minuten Autofahrt erreichen zu können.

          Die Privatflugzeug-Aktivitäten von Sion haben in den vergangenen fünf Jahren kräftig zugenommen. Ein Flug in den verschlafenen Alpen-Ort und eine anschließende Autofahrt können die Anreise der Wintersport-Fans von Zürich oder Genf um Stunden verkürzen. Die abgelegene Lage sorgt nicht zuletzt dafür, dass Reiche, die das Rampenlicht eher scheuen, hier nahezu unbemerkt ihren Ski-Ort erreichen. „Wir sind unauffällig, und deshalb kommen sie”, erklärt Bernard Karrer, der den Flughafen leitet, in einem Interview mit Bloomberg News. „Man erledigt Zoll und Einreise in drei Minuten. Der Hubschrauber wartet, und schon ist man weg. Das ist unser Vorteil.”

          Vor allem Briten und Deutsche kommen

          Karrer prognostiziert eine Rekord-Anzahl von Flugbewegungen in diesem Winter in Sion. Die Gäste seien vor allem Briten und Deutsche, die den Flughafen als Basis für Reisen zu Orten wie Zermatt und Gstaad nutzen würden. Die unerwartete Aufgabe des Euro-Mindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank in der vergangenen Woche und die anschließende Aufwertung des Schweizer Frankens wird Karrer zufolge den Verkehr kaum beeinflussen. Nutzer von Privat-Jets würden sich selbst um einen 10-prozentigen Anstieg der Kosten kaum Sorgen machen - besonders nicht in einer Zeit, in der die Kerosin-Preise einbrechen.

          Insgesamt 80 Mio. Franken an privaten Investitionen haben aus der Anlage im öffentlichen Besitz, die von der Schweizer Luftwaffe genutzt wird, einen hochmodernen Flughafen gemacht. Ankommende Gäste laufen nur 20 Meter bis zur Grenzkontrolle. Ein im Jahr 2013 durch TAG Aviation Holding SA eröffnetes Privat- Jet-Terminal beherbergt drei VIP-Salons, eine Piloten-Lounge und 12.000 Quadratmeter Parkfläche für Flugzeuge. Besitzer des Flughafens sind die Stadt Sion und der Kanton Wallis. Für sie ist der Zustrom einiger der reichsten Menschen zu einer wichtigen Zeit gekommen.

          Mit einer Arbeitslosenquote, die nahezu doppelt so hoch ist wie der landesweite Durchschnitt, sind Sion die Arbeitsplätze willkommen, die beim Bau und in nachgelagerten Bereichen geschaffen wurden. Darüber hinaus profitiert der Ort auch von Kontakten mit durchreisenden Geschäftsleuten und Investoren, sagt Bürgermeister Marcel Maurer.

          Das Interesse der reichen Ski-Fans hat die Anzahl der Flugbewegungen in Sion im vergangenen Jahr um 4,2 Prozent steigen lassen - sie ist heute nahezu dreimal so hoch wie noch vor einem Jahrzehnt. Flüge von Geschäftsmaschinen nahmen um fast 13 Prozent zu und durchbrachen erstmals die Grenze von 5000 Flugbewegungen. Derzeit ist Sion noch eine von vier wichtigen Basen für die Schweizer Luftwaffe. Diese trainiert hier unter anderem Piloten für Northrop Grumman F-5E Tigers.

          Der Flughafen ist jedoch einzigartig, weil er den Maschinen saudischer Prinzen oder russischer Oligarchen Vorrang gewährt. Karrer erwartet, dass die Luftwaffe nach einer Volksabstimmung gegen den Kauf der Gripen- Kampfflugzeuge von Saab AB als Ersatz für die F5-Maschinen im vergangenen Jahr den Airport wohl nach 2020 verlassen wird. Das eröffne mehr Chancen für Privat-Jets. Über Weihnachten und Neujahr sei besonders das Geschäft mit russischen Skifahrern gut gewesen „Die russischen Feiertage waren fantastisch für uns”, sagt Karrer. „Der Verkehr war besser als erwartet. Herr Putin scheint gesagt zu haben, dass er nicht will, dass die Russen nach Europa fliegen. Aber wir sind nicht die Europäische Union. Wir haben noch immer sehr gute Beziehungen.”

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