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Flughäfen : Start- und Landeentgelte werden an den Schadstoffausstoß gekoppelt

  • Aktualisiert am

Das Pilotprojekt läuft in Frankfurt und München ein Jahr lang Bild: dpa

Wieviel Geld müssen Fluggesellschaften für die Nutzung der Flughäfen bezahlen? Bislang sind die Entgelte im wesentlichen an das Gewicht der Flugzeuge gekoppelt. In Frankfurt und München soll künftig auch der Schadstoffausstoß eine Rolle spielen.

          An den größten deutschen Flughäfen Frankfurt und München müssen die Fluggesellschaften ab dem nächsten Jahr emissionsabhängige Start- und Landeentgelte entrichten. Ein dreijähriges Pilotprojekt, mit dem der Schadstoffausstoß von Flugzeugen gesenkt und das Fliegen klimaschonender gemacht werden soll, wurde am Mittwoch im Bundesverkehrsministerium in Berlin vorgestellt. Über die beiden Flughäfen werden rund 50 Prozent des Luftverkehrs in Deutschland abgewickelt.

          Laut Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) soll mit dem Projekt die Luftqualität im Umfeld der Flughäfen spürbar verbessert werden. Für die Fluggesellschaften sollen Anreize geschaffen werden, moderne und damit umweltfreundliche Flugzeuge einzusetzen. Die Kosten für die Fluggesellschaften würden sich insgesamt nicht erhöhen.

          Drei Euro je Kilogramm Stickoxid

          Das von der Initiative „Luftverkehr für Deutschland“ in Abstimmung mit dem Bundesverkehrsministerium entwickelte Pilotprojekt sieht vor, dass alle Fluggesellschaften, die Frankfurt und München anfliegen, vom 1. Januar 2008 an drei Euro je Kilogramm emittiertem Stickoxid (NOx) zahlen. Nach einem Jahr soll eine erste Bilanz gezogen werden. Tiefensee hofft, dass sich dann weitere deutsche Flughäfen der Initiative anschließen.

          Wie der Chef des Münchener Flughafens, Michael Kerkloh, erläuterte, werden die Mehraufwendungen der Fluggesellschaften für das emissionsabhängige Entgelt durch eine Absenkung der sogenannten fixen Abgaben ausgeglichen, die vom Abfluggewicht des jeweiligen Flugzeugtyps abhängen. Der Vorstandsvorsitzende des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, Wilhelm Bender, sagte, mit den neuen Entgelten würden Umweltbelastungen vom Wachstum des Luftverkehrs entkoppelt. Sie seien vollkommen aufkommensneutral, und die Fluggesellschaften würden nicht zusätzlich belastet.
          Für die Fluggesellschaften ist das Projekt laut Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber ein weiterer Anreiz, den technischen Fortschritt voranzutreiben. Die Flugzeughersteller seien so gezwungen, ihre Antriebssysteme ökologisch noch besser zu machen.

          Aus Sicht der Luftverkehrsbranche ist die neue Entgeltregelung geeignet, einerseits eine gezielte ökologische Signalwirkung zu entfalten und andererseits „Wettbewerbsverzerrungen“ wie Ticketsteuern oder Entwicklungshilfeabgaben für Flugpassagiere zu vermeiden.

          Flughäfen Frankfurt und München verstärken Umweltschutz

          Mit der Einführung emissionsabhängiger Flughafenentgelte will die Luftfahrtbranche einen weiteren Beitrag zum Schutz der Umwelt leisten. Ein Pilotprojekt an den Airports Frankfurt und München wird sowohl von der Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen als auch vom Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften unterstützt. Der Anreiz zur Verminderung der Stickoxid-Emissionen (NOx) soll insbesondere der lokalen Luftqualität an den Flughäfen zugutekommen.

          Mit der neuen Maßnahme wird de Branche zufolge die Umweltkomponente der Flughafenentgelte weiter gestärkt. Neben der Lärmkomponente werden jetzt auch Emissionen berücksichtigt. Dazu wird jeder Start und jede Landung erfasst. Die Menge der Emissionen ergibt sich aus der jeweiligen Kombination von Flugzeugtyp und Triebwerk. Ab 1. Januar 2008 müssen alle Airlines, die Frankfurt oder München anfliegen, drei Euro je Kilogramm emittierten NOx zahlen.
          Mit der Regelung soll einerseits ein Anreiz geschaffen werden, das jeweils ökologisch effizienteste Flugzeug einzusetzen, und andererseits ein Signal in Richtung von Forschung und Entwicklung gesendet werden, um technologische Innovationen zur NOx-Reduktion noch entschiedener voranzutreiben.
          Nach Branchenangaben hat sich die technologische Entwicklung in der Vergangenheit stark auf CO2- Effizienz und Lärmreduktion fokussiert, der NOx-Ausstoß sei dagegen nicht gleichermaßen reduziert worden. Zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes gebe es bereits wirksame Anreize und eine intensive Instrumentendiskussion. Ähnliches fehle beim Thema NOx bislang weitgehend.

          Die Initiative „Luftverkehr für Deutschland“ wurde 2003 von der Deutschen Flugsicherung (DFS), der Flughafen München GmbH, der Fraport AG und der Deutschen Lufthansa gegründet. Gemeinsam mit Bund, Ländern und Luftverkehrsverbänden soll die international führende Position der deutschen Branchenunternehmen in einem sich weiter öffnenden europäischen und weltweiten Markt gesichert werden. Die Initiative betrachtet das jetzt vorgeschlagene Modell auch als Grundlage für geplante EU-weite Regelungen.

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