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Flüchtlings-Krise : Die Integrationsfalle

Die neuen Daten der Arbeitsagenturen zeigen deutlich: Zuwanderung verläuft ganz und gar nicht ungeordnet, sondern folgt Regeln. Ihren eigenen.

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          Die neuen Daten der Arbeitsagenturen zeigen es deutlich: Zuwanderung verläuft ganz und gar nicht ungeordnet, sondern folgt Regeln. Diese Regeln stellen aber nicht die Politiker in Berlin oder in den Bundesländern auf, sondern die Migranten selbst. Es ist ja auch keine wirklich neue Erkenntnis, dass Netzwerke eine Schlüsselrolle für diesen Prozess spielen. Doch die Eindeutigkeit, mit der die Herkunft über die Anziehungskraft von Orten entscheidet, überrascht.

          Betroffen vom hohen Zuzug sind vor allem Großstädte und Ballungsgebiete. Wo sich schon zahlreiche Menschen aus dem eigenen Land niedergelassen haben, zieht es auch die Neuankömmlinge hin. Denn von Freunden oder Verwandten, Behördengängen bis zu eigenen Supermärkten und Restaurants bieten diese Strukturen den Neuankömmlingen ein - oft gar nicht so kleines - Stück Heimat in der Fremde. Dass es sich in solchen Milieus auch Jahre und sogar Jahrzehnte gut leben lässt, ohne vernünftig die Landessprache zu lernen oder sich mit der Kultur der neuen Heimat auseinanderzusetzen, zeigen die Erfahrungen in Frankreich, Großbritannien oder auch mit hiesigen Gastarbeitern. Die Folgen sind heute spürbar.

          Damit offenbart sich das Dilemma der Integrationspolitik. Angesichts der Höhe der aktuellen Flüchtlingswelle wäre es eigentlich erforderlich, dass jede Kommune in Deutschland einen gewissen Anteil an Flüchtlingen aufnimmt. Doch diese Art von Integration am Reißbrett erweist sich rasch als praxisuntauglich, wenn Flüchtlinge partout nicht in die Uckermark oder in die Eifel wollen, sondern nur in bestimmte, meist urbane Zielregionen ihrer Wahl streben. Selbst durch behördliche Anordnung werden Migranten schwerlich gegen ihren Willen im ländlichen Raum zu halten sein, zumal die Beschäftigungsmöglichkeiten dort manchmal begrenzt sind. Es droht das Abtauchen in Illegalität und Schwarzarbeit.

          Das hieße in der Konsequenz also, Flüchtlinge dorthin zu bringen, wo die Nachfrage nach Arbeit hoch ist; etwa nach Bayern und Baden-Württemberg, auch Hessen und Hamburg böten sich an. Damit konzentrierte sich die Integrationsaufgabe lediglich auf bestimmte Regionen, anstatt von allen solidarisch geschultert zu werden. Die Rufe nach Obergrenzen von denen, die die Hauptlast zu tragen haben, dürften schnell noch lauter werden. Zumal wenn die Migranten im kommenden Jahr die Arbeitslosenzahlen und Sozialausgaben in die Höhe treiben werden. Die Politik muss sich fragen, wie sie dieser Integrationsfalle entkommen will.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

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