https://www.faz.net/-gqe-8lz4y

Fluchtursache Lebensunterhalt : Hilfsprogramm zahlt 800 Euro für ein Jahr Müllsammeln

  • Aktualisiert am

Das Programm „Cash for Work“ gibt es seit Jahren - unser Bild zeigt Männer im afrikanischen Staat Niger. Bild: dpa

Wenn die Menschen in Afrika und dem Nahen Osten genug zum Leben verdienen können, fliehen sie nicht. Die Bundesregierung hat im Februar ein Programm für Syrien gestartet, nun nennt sie einige Beispiele.

          2 Min.

          Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hatte schon vor vielen Wochen einmal öffentlich darüber nachgedacht, ob das Flüchtlingsthema so in den Griff zu bekommen ist: Die Industrieländer müssten mehr Geld in Entwicklungsländer stecken, damit dort der Wohlstand wächst, Arbeitsplätze entstehen und viele Menschen überhaupt nicht weg wollen.

          Die Entwicklungspolitik müsse darauf hinwirken, dass es in Afrika „erst gar nicht zu einer großen Flüchtlingsbewegung“ komme, sagte der stellvertretende CDU-Chef Armin Laschet vor einigen Tagen. Er kündigte dabei an, dass CDU und CSU am 2. November während einer Fachkonferenz in Bonn darüber diskutieren wollen; Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) soll mit dabei sein.

          3000 Euro für ein halbes Jahr Unterricht

          Der syrische Bürgerkrieg, der die jüngste Flüchtlingsbewegung maßgeblich ausgelöst habe, werde irgendwann beendet sein, so Laschet weiter. Aber die Probleme in Afrika würden die Politik noch lange Zeit beschäftigen und auf der Tagesordnung bleiben.

          Gerade für Syrien und die daran angrenzenden Länder hat die Bundesregierung schon vor Monaten ein Programm im Rahmen ihrer Initiative „Cash for Work“ (Bargeld gegen Arbeit) auf den Weg gebracht. 200 Millionen Euro mobilisiert sie in diesem Jahr dafür, dass Flüchtlingen vor Ort geholfen wird - in Syrien selbst und den angrenzenden Ländern. Es gehe darum, dass „Flüchtlinge und Bewohner der aufnehmenden Gemeinden schnell ein verfügbares Einkommen erzielen können“, heißt es auf der Seite des Ministeriums.

          Mit den Mitteln sollen bis Ende dieses Jahres immerhin 50.000 Arbeitsplätze entstehen. Das ist bezogen auf die Millionen Bürgerkriegsflüchtlinge einerseits nicht viel. Anderseits ist es aber auch nicht so wenig, dass dadurch nicht mehr entstehen könnte. „Betrachtet man auch die Familienangehörigen der Arbeiterinnen und Arbeiter, dann unterstützen wir rund 250.000 Menschen dabei, die Zeit bis zum Ende der Krise besser zu überbrücken“, heißt es auf der Seite weiter.

          In Jordanien beispielsweise würden bis Jahresende 6000 geflohene Syrer oder sozial schwache Jordanier eingestellt, um Müll einzusammeln und zu recyclen - und bekommen dafür ein Jahreseinkommen von 800 Euro hinzu. Außerdem sollen in neuen Wertstoffhöfen 560 Stellen hinzukommen. Im Irak bekommen dieses Jahr rund 15.000 Menschen Geld dafür, dass sie Straßen und zerstörte Häuser reparieren - 50 Tage dauere so ein Job und bringe einem Haushalt 1100 Euro.

          In der Türkei schließlich sollen im Schuljahr 2016/2017 rund 8000 zusätzliche Lehrerstellen entstehen, um die vielen geflüchteten Kinder in den Lagern in der Türkei unterrichten zu können. Wer im Rahmen dieser Maßnahmen arbeitet, kann für seine Haushalt demnach bis zu 3000 Euro in einem halben Jahr hinzu verdienen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.