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Finanzreformen : Chinas Banken dürfen Zinsen freier festlegen

Bankbeamtin in Huaibei Bild: REUTERS

Bislang dürfen Chinas Banken ihre Zinsen nur in eng vorgegebenen Grenzen festsetzen. Jetzt erlaubt die chinesische Zentralbank mehr Freiraum.

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          Die chinesische Zentralbank PBOC lässt sich von den zurückliegenden Turbulenzen am Geldmarkt nicht beirren und treibt die Finanzmarktreformen voran. Die bisher vorgeschriebenen Untergrenzen für Kreditzinsen sollen künftig entfallen, teilte die PBOC am Freitag in Peking mit. Sie gälten nur noch für Hypotheken. Ländlichen Genossenschaften stehe es zudem frei, auch die oberen Sätze nach Belieben festzulegen. Die neuen Regelungen treten an diesem Samstag in Kraft. Bisher hatte die Zentralbank einen Referenzwert für die Zinsen festgesetzt, von dem die Institute in einem begrenzten Rahmen nach oben und unten abweichen durften. Dieses Zinsband war bereit ausgeweitet worden, doch ist der neue Schritt der bisher radikalste auf dem Weg zur Freigabe der Zinsen. Die PBOC erhofft sich davon mehr Wettbewerb unter den Banken und größere Wahlmöglichkeiten für die Kunden.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Im März hatte die neue Zentralregierung um Ministerpräsident Li Keqiang, angekündigt, sowohl die Zinsen als auch den Wechselkurs des Renminbi weiter zu liberalisieren. Man will die Macht der staatlichen Geschäftsbanken zurückdrängen und die Branche stärker für private Anbieter öffnen. Auch soll der Mittelstand einfacher Zugang zu Krediten erhalten.

          IWF und Weltbank hatten China wiederholt empfohlen, die Zinsen freizugeben

          Bisher bestimmen die vier wichtigsten Staatsbanken 50 Prozent des Geschäfts. Sie verleihen ihr Geld vorwiegend an Staatsunternehmen. Institutionen wie die Weltbank und der Internationale Währungsfonds hatten China wiederholt empfohlen, die Zinsen freizugeben.  Analysten hatten die weitere Öffnung erwartet. Sie zeigten sich am Freitag zufrieden, warnten aber davor, den Schritt überzubewerten. „Das ist eine bedeutsame Entwicklung, damit die Zinsen in China von Marktkräften bestimmt werden und nicht von den Vorschriften der Regierung“, sagte Mark Williams, Chefökonom für Asien der Finanzberatungsgesellschaft Capital Economics in London. Die Banken hätten aber von der bisher schon möglichen Abweichung wenig Gebrauch gemacht. Im ersten Quartal seien die Zinsen nur in 11 Prozent der Fälle geringer gewesen als der Referenzwert der PBOC. „Es ist also unwahrscheinlich, dass ein Wettbewerb unter den Banken die Sätze signifikant drücken kann.“ Theoretisch könnten die Kreditkosten für Kunden mit hoher Bonität jetzt sinken, sagte Williams. „In der Praxis werden die unmittelbaren Unterschiede aber klein sein.“ Vor allem der stark wachsende Markt für Unternehmensanleihen biete eine interessante Alternative zu Bankkrediten.

          Chinas Kreditwesen gilt als intransparent und gefährlich aufgebläht. Um die Finanzinstitute zu zwingen, sorgfältiger mit ihrem Geld umzugehen und Ausleihungen vom grauen Kapitalmarkt in die Bücher zurückzuholen, hatte die PBOC vor vier Wochen zugelassen, dass die Zinsen am kurzfristigen Geldmarkt auf Rekordstände stiegen. Dort leihen sich die Banken untereinander kurzfristig Geld und hoffen bei Liquiditätsengpässen, dass die PBOC einspringt. Das hatte sie diesmal erst in letzter Minute getan, um die Banken zu verwarnen. Die Konfrontation hatte  zu Kursstürzen an den Aktienbörsen in aller Welt geführt, am stärksten in China.
          Seit dem letzten Zinsentscheid vor genau einem Jahr betragen die Referenzsätze für einjährige Kredite 6 Prozent. Bisher durften die Banken davon um 30 Prozent nach unten abweichen, also auf bis zu 4,2 Prozent. Die Einlagenzinsen sind von der Neuregelung nicht betroffen, hier bleibt das Zinsband vorerst in Kraft: Die Banken dürfen die Vorgabe der Zentralbank um 10 Prozent über- oder unterschreiten. Analysten wie Mark Williams erwarten, dass auch diese Beschränkungen demnächst fallen. Die PBOC erklärte am Freitag: „Die Kontrollen der Sparzinsen abzuschaffen ist der kritischste und riskanteste Schritt zur Liberalisierung.“

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