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Finanzplatz London : Banken-Lobby: Wir umgehen den Bonusdeckel einfach

Die „City“ zahlt nun Zulagen statt Boni Bild: picture alliance / Robert Hardin

Die EU will die Gehaltsexzesse in der Finanzbranche eindämmen. Über ein entsprechendes Gesetz sagt der Cheflobbyist in London ganz offen: Die neue Regel ist wirkungslos.

          Zweifel daran, dass die Gehaltsexzesse in der Finanzbranche durch den neuen gesetzlichen „Bonusdeckels“ in der EU wirklich aufhören, gibt es schon länger. Dass nun aber selbst die Finanzlobby in Europas größter Bankenmetropole London unverblümt einräumt, die Bonusbremse werde von den Geldhäusern durch neue Klauseln in den Arbeitsverträgen faktisch ausgehebelt, ist ein Novum: „Die Banken umgehen die Bonusbegrenzung einfach“, sagte Mark Boleat, der Direktor der City of London Corporation, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die einflussreiche Bezirksverwaltung des Bankenviertels, der Boleat vorsteht, ist das Sprachrohr der internationalen Finanzbranche an der Themse. Der neue Bonusdeckel wird für die dieses Jahr verdienten Prämien wirksam, die Anfang des Jahres 2015 ausgezahlt werden.

          80 Millionen Euro für einen Deutschbanker

          Das Bonusgesetz soll die Gehaltsexzesse in der Finanzwelt eindämmen und verhindern, dass Banker unverantwortliche Geschäftsrisiken eingehen, um ihre Erfolgsprämien zu maximieren. So soll einem früheren Händler der Deutschen Bank für das Jahr 2008 ein Bonus von 80 Millionen Euro bewilligt worden sein. Später erwies sich, dass der Großverdiener in den Skandal um die Manipulation des wichtigen Libor-Zinssatzes verwickelt war.

          Das neue Gesetz will solche Auswüchse in Zukunft verhindern. Aber Londoner Personalberater berichten, dass zahlreiche Banken als Reaktion auf die EU-Regel bonusähnliche Zulagen vorbereiten, die monatlich ausgezahlt werden. Sie genügen den Buchstaben des Gesetzes, ermöglichen aber weiterhin eine hohe und flexible Extrabezahlung.

          Zulagen statt Boni

          Auch der Personalvorstand der Deutschen Bank, Stephan Leithner, hat auf der Jahrespressekonferenz vergangene Woche eine „klare Veränderung“ des Gehaltsmodells wegen des neuen Bonusdeckels angekündigt. Der deutsche Branchenprimus zählt zu den großen Arbeitgebern in der City. Britischen Medienberichten zufolge bereitet die Deutsche Bank, ähnlich wie die Rivalen Goldman Sachs und Barclays, ein Zulagen-System vor, um seine Spitzenverdiener für eventuelle Einbußen durch den Bonusdeckel zu kompensieren.

          „Fast alle Banken“ arbeiteten an solchen Modellen, sagte kürzlich der Londoner Gehaltsexperte Jon Terry von der Unternehmensberatung PwC der F.A.Z. PwC berät Dutzende von Großbanken im Umgang mit den neuen Bonusregeln in der EU.

          „Jeder wusste: Das Gesetzt ist mangelhaft.“

          Branchenlobbyist Boleat von der City of London betrachtet die Gehaltstricks der Banken als legitim. Dass diese die Begrenzung umgehen würden, sei von Anfang an abzusehen gewesen. „Die Politiker tun mir kein bisschen leid. Jeder wusste, dass das Bonusgesetz mangelhaft ist“, sagte er.

          Das Motiv der Finanzminister für die Gehaltsregulierung sei reiner Populismus, kritisierte er: „Man konnte sich leicht ausrechnen, dass man damit breite Unterstützung in der Öffentlichkeit finden würde.“

          Die Deutsche Bank teilte ihren Mitarbeitern am Mittwoch mit, wie hoch ihr Jahresbonus für 2013 ausfällt. Er unterliegt noch nicht dem Bonusdeckel. In Finanzkreisen hieß es, der sofort ausgezahlte Baranteil werde wie schon im Vorjahr auf 300.000 Euro begrenzt. Der Rest fließt über drei Jahre verteilt in Aktien und in bar. Insgesamt sei der Bonustopf in etwa so hoch wie im Jahr 2012, hieß es.

          Die Schweizer Großbank UBS hat dagegen diese Woche mitgeteilt, die Bonuszahlungen würden um mehr als ein Viertel auf umgerechnet rund 2,6 Milliarden Euro aufgestockt. Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs sprach ihrem Vorstandschef Lloyd Blankfein vergangene Woche umgerechnet 16 Millionen Euro zu.

          Dass europäische Banker wegen des Bonusdeckels in Zukunft weniger verdienen werden, gilt als unwahrscheinlich. Darauf wies kürzlich auch die Ratingagentur Fitch hin. Wenn man die Gehälter der Banker insgesamt hätte beschränken wollen, dann hätte man das ins Gesetz schreiben müssen, sagt dazu der Chef der City of London Boleat: „Aber das geschah ja nicht.“ Das neue Bonusgesetz verlangt keine absolute Gehaltsobergrenze in den Banken. Es schreibt vielmehr vor, dass die variablen Boni für Großverdiener maximal doppelt so hoch wie das fixe Grundgehalt ausfallen dürfen.

          Die Europäische Bankenaufsicht EBA hatte das Gesetz im Dezember allerdings aufgeweicht: Der Kreis der Banker, die von der Bonusgrenze betroffen sind, kann dadurch möglicherweise deutlich enger gezogen werden. Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin hat im Januar die bisherigen Bezahlmodelle führender heimischer Kreditinstitute scharf kritisiert: „Keine Bank war richtig gut, viele waren schlecht“, sagte Bafin-Direktor Raimund Röseler - ohne Namen zu nennen.

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