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Finanzkrise : Trichet redet Bankern ins Gewissen

  • Aktualisiert am

Fordert einen Mentalitätswechsels in der Finanzindustrie: Jean-Claude Trichet Bild: dpa

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat die Bankenbranche mit ungewöhnlich scharfen Worten davor gewarnt, nach der Krise allzu leichtfertig zur Normalität zurückzukehren. Sollte die Finanzindustrie nicht bereit sein, Konsequenzen aus der Finanzkrise zu ziehen, drohe der gesellschaftliche Kollaps.

          EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hat Banken und Finanzinstitutionen ins Gewissen geredet. Sollte die Finanzindustrie nicht bereit sein,
          aus den Geschehnissen der vergangenen beiden Jahre die richtigen Schlüsse zu ziehen, drohe der gesellschaftliche Kollaps: „Unsere Demokratien werden eine so umfangreiche Unterstützung des Finanzsektors mit dem Geld des Steuerzahlers nicht zweimal akzeptieren“, sagte Trichet am Freitag auf einem Bankenkongress in Frankfurt.

          „Unsere 330 Millionen Bürger in der Euro-Zone werden sicher keinen Rückfall in die Zeiten übermäßiger Risikobereitschaft tolerieren.“ Die Finanzbranche müsse sich schon um ihrer selbst willen auf ihre eigentliche Funktion in der Volkswirtschaft besinnen. „Der Finanzsektor darf nicht vergessen, dass er dafür da ist, der realen Wirtschaft zu dienen und nicht umgekehrt“, sagte Trichet „Dafür bedarf es, vor allem anderen, eines Mentalitätswechsels in der Finanzindustrie.“

          Die Europäische Zentralbank wird nach Trichets Worten ihre Maßnahmen zur Stützung der Liquidität der Banken allmählich zurückfahren. Damit solle sichergestellt werden, dass überschüssige Liquidität wieder eingesammelt werde, um Gefahren für die Preisstabilität zu begegnen.

          Trichet: Finanzhilfen führen zur Abhängigkeit

          Der EZB-Präsident verglich die aktuelle Lage des Finanzsystems mit einem genesenden Patienten, dem beim Ausbruch einer Krankheit starke Medikamente und Schmerzmittel verabreicht worden waren. Würden diese Medikamente über einen längeren Zeitraum verabreicht, führe das zur Abhängigkeit, warnte Trichet. „Zu guter Letzt muss die Verabreichung von Schmerzmitteln gestoppt werden, wenn die Patienten wieder auf ihre eigenen Beinen gestellt werden sollen“, sagte er. Das Finanzsystem müsse nun sicherstellen, dass die EZB ihre Hilfe drosseln könne, ohne dass es dabei „Entzugserscheinungen gebe“, sagte er.

          Konkret rief der EZB-Direktor die Banken dazu auf, ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen und wieder aus eigener Kraft zu stehen. Profite sollten dazu verwendet werden, Eigenkapital und Reserven aufzubauen. Die Vergütungen und Boni für Manager müssten im Zaum gehalten werden. Zugleich rief Trichet die Banken dazu auf, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen, denn genau zu diesem Zweck sei ihnen die öffentliche Hilfe in erster Linie gewährt worden.

          Die Europäische Zentralbank hat in der Finanzkrise den Geschäftsbanken in den 16 Euro-Ländern wiederholt Milliardensummen zu günstigen Konditionen und für ungewöhnlich lange Zeiträume zur Verfügung gestellt. Damit wollte die Notenbank ein Austrocknen der Geldmärkte verhindern. Trichet hatte schon mehrfach angekündigt, die Milliarden-Finanzspritzen für Geschäftsbanken langsam zu Ende gehen lassen (siehe auch EZB deutet langsamen Ausstieg aus Krisenpolitik an).

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