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Finanzkrise : Sind private Banken noch zeitgemäß?

  • -Aktualisiert am

Schon jetzt gilt eine Quasi-Staatsgarantie füe alle deutschen Banken Bild: AP

Die Welt steht kopf. Marktwirtschaftler wollen die Banken verstaatlichen. Und wissen nicht einmal, wie sie da wieder herauskommen.

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          Es ist ein radikaler Plan, den der Ökonom Willem Buiter vorschlägt, obgleich er ihm den Titel "ein bescheidener Vorschlag" gibt. Der Staat soll alle großen privaten Banken übernehmen und die Manager feuern. Dann, so findet Buiter, muss das Land alle schlechten Wertpapiere in eine "Bad Bank" auslagern und die alten Geldhäuser neu gründen.

          Buiter geht noch weiter: Die neuen Banken - die "Good Banks" - bleiben ebenfalls in der Hand des Staates, so lange, bis sich wieder private Investoren für sie fänden. Kurz zusammengefasst: Buiter plädiert für eine sofortige Verstaatlichung aller Banken.

          Verstaatlichung hat die Anstößigkeit verloren

          Das meint der Mann zwar nur vorübergehend und nur für Großbritannien, trotzdem ist der Vorschlag erstaunlich. Denn Buiter ist nicht der Vorsitzende der Linkspartei, sondern ein Ökonom, der an der renommierten London School of Economics unterrichtet.

          Diese Krise ist der GAU der Finanzwelt, der größte anzunehmende Unfall. Die Folgen sind enorm: Alte Denk-Schranken sind eingerissen. Alles kann wieder gesagt werden. Banker wie Josef Ackermann haben auf einmal nichts mehr dagegen, wenn Banken im Notfall enteignet werden. Politiker wie Angela Merkel sprechen davon, dass sie "Maßnahmen für eine bessere Kreditversorgung" ergreifen. Und Ökonomen finden es nicht mehr anstößig, wenn Banken verstaatlicht werden.

          Sind Banken ein öffentliches Gut?

          Die Welt steht kopf. Während die Politiker noch über den besten Krisenlösungen brüten, ist eine neue Zeit angebrochen. Könnte es nicht sein - fragen sich auf einmal auch Marktwirtschaftler -, dass die Stabilität der Banken so wichtig ist, dass der Staat sie keinem privaten Unternehmen mehr überlassen kann? Sind stabile Finanzmärkte ein öffentliches Gut, das nur noch durch den Staat zu garantieren ist? Ist es also sinnvoll, viele oder sogar alle Banken zu verstaatlichen?

          Politiker werden neuerdings nicht müde, stabile Finanzmärkte als "öffentliches Gut" zu bezeichnen. Der Finanzminister verwendet diesen Ausruck genauso gerne wie die Kanzlerin. Sie meinen damit kein öffentliches Gut im technischen Sinn der Ökonomen (wie etwa die Sicherheit eines Landes). Das zeichnet sich nämlich unter anderem dadurch aus, dass man niemanden davon ausschließen kann. Wird ein Land gut nach außen verteidigt, dann profitieren alle Bürger davon. Sicherheit ist also ein öffentliches Gut. Für stabile Finanzmärkte gilt das nicht. Denn Menschen können von ihnen ausgeschlossen werden.

          Angst vor der Kettenreaktion

          Wohl aber gilt es anders herum: Man kann niemanden von den Folgen einer großen Bankenkrise ausschließen. Eine Bank, die pleitegeht, kann eine Kettenreaktion auslösen, welche die ganze Wirtschaft in die Rezession stürzt. Das nennen Wirtschaftswissenschaftler "negative externe Effekte" oder "systemisches Risiko". Und seit dem Lehman-Trauma regiert die Angst davor.

          Deshalb halten es viele heute für sinnvoll, wenn der Staat eine Bank übernimmt, bevor sie einstürzt. Es gilt eine Quasi-Staatsgarantie für alle deutschen Banken, was Josef Ackermann für die Deutsche Bank auch gerne öffentlich betont.

          Der Steuerzahler garantiert schon jetzt

          Die Bank, das sind also längst wir, die Steuerzahler, zumindest in letzter Konsequenz: Denn wir garantieren schon jetzt, dass kein Geldhaus pleitegeht.

          Dazu kommt, dass jede Rettung eines Geldhauses positiv auf andere Banken wirkt, ohne dass diese etwas dafür bezahlen müssen. Falls Deutschland also die Hypo Real Estate übernimmt, profitieren auch die Deutsche Bank und die Commerzbank - ohne eigene Kosten. "Banken haben ein großes Interesse an der Verstaatlichung anderer Banken", konstatiert der Finanzwissenschaftler Clemens Fuest, der an der Universität Oxford unterrichtet. "Weil der Staat ihnen dadurch Geld schenkt."

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